Siemens-Hauptversammlung im Zeichen der Klima-Debatte

Der Siemens-Motor stottert zum beginn des neuen Geschäftsjahres. Bei der Hauptversammlung in München standen die Energie-Sparte des Konzerns und die Klima-Debatte im Mittelpunkt.

Siemens-Hauptversammlung im Zeichen der Klima-Debatte

Zur Hauptversammlung in München hatte Siemens-Vorstandschef für die Aktionäre zunächst keine guten Nachrichten. Er musste einen schwachen Start in das neue Geschäftsjahr bekanntgeben. In dessen ersten Quartal (Oktober bis Dezember) ist das operative Ergebnis um ein Drittel auf 1,43 Milliarden Euro zurückgegangen, der Umsatz trat mit 20,3 Milliarden Euro auf der Stelle. "Wir hatten schon bessere Quartale", sagte Kaeser. Siemens leide kurzfristig unter der Schwäche der Autoindustrie und des Maschinenbaus, die zu den größten Kunden der erfolgsverwöhnten Sparte Digital Industries (Industrieautomatisierung) gehört. "Das ist keine Überraschung, die wir nicht verdauen könnten."

Die Erwartungen der Analysten wurden damit klar nicht erfüllt. Die hatten mit einem Gewinn von rund 1,88 Milliarden Euro gerechnet. Dass die Aktie des Konzerns [ISIN DE0007236101] dennoch ins Plus. Der Konzernchef bestätigte die Prognosen für das ganze Geschäftsjahr: Der Einfluss des Ausbruchs des Coronavirus in China aufs Geschäft sei schwer abzuschätzen. Ein Krisenstab überwache, ob die Lieferkette dadurch ins Stocken gerate. "Man muss auch Ruhe bewahren", sagte Kaeser.

Schwere Zeiten im Energie-Geschäft

"Die unbefriedigende Situation im gesamten Energiegeschäft macht deutlich, wo der primäre Handlungsbedarf liegt", sagte Kaeser. Siemens Energy soll im September separat an die Börse gebracht werden, Siemens will dann die Mehrheit an die Aktionäre abgeben. Die restlichen Anteile sollen an die eigenen Aktionäre abgegeben werden. Kern der Sparte sind Turbinen und Dienstleistungen für Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke. Der operative Gewinn in diesem Geschäft brach im ersten Quartal um fast zwei Drittel ein.

Der neue Siemens-Energy-Chef Michael Sen sprach von einem "gewaltigen Kraftakt". Im ersten Quartal (Oktober bis Dezember) 2019/20 standen sowohl die Sparte "Gas & Power" als auch Siemens Gamesa unter Ertragsdruck. Kaeser forderte Sen auf, bald bessere Zahlen vorzulegen. "Diese Notwendigkeit war ja gerade im ersten Quartal unübersehbar."

Kaeser sagte, nur wenige Unternehmen könnten den Wandel von Öl, Kohle und Gas zu erneuerbaren Energien so gut begleiten wie Siemens Energy. Der steigende Strombedarf der Welt müsse gedeckt, der CO2-Ausstoß gleichzeitig radikal gesenkt werden. "Das ist eine Herausforderung. Und zugleich eine große Chance."

Zu Siemens Energy gehört auch die spanische Windkraft-Tochter Siemens Gamesa. Siemens nimmt 1,1 Milliarden Euro in die Hand, um seine Gamesa-Anteile auf 67 Prozent aufzustocken. Kaesers designierter Nachfolger Roland Busch rechtfertigte die Trennung von der Sparte: "Nur so bekommen wir die Freiräume, die wir brauchen." Dazu gehörten auch Zukäufe.

Klima-Aktivisten protestieren

Gegenwind bekam Kaeser von Seiten Klima-Aktivisten, die vor der Olympiahalle in München protestierten. Die Aktivisten stoßen sich vor allem an der Rolle von Siemens bei einem Kohleabbau-Projekt in Australien. Sie skandierten "Kohle Stopp" und forderten den Rückzug von Siemens, das im Umfeld des Projekts einen Auftrag für die Signaltechnik für die Bahn zum Abtransport der Kohle angenommen hatte. Die Kohle soll in Kraftwerken des Energiekonzerns Adani in Indien verfeuert werden.

Der Konzernchef konnte den Unmut der Protestanten schwer nachvollziehen. Es mute "fast grotesk an", dass sich die Aktivisten ausgerechnet auf Siemens eingeschossen hätten, sagte er. "Bei solchen Themen kann man nicht gewinnen." Der Mini-Auftrag stehe in keinem Verhältnis zu den Bemühungen des Konzerns um Klimaschutz. Kaeser bezeichnete die Entscheidung für den Auftrag dennoch als Fehler: "Wären wir noch einmal in der Situation, in der wir frei entscheiden könnten, fiele sie sicher anders aus."

Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe sagte: "Wenn die Diskussion etwas Gutes hat, dann das: Wir sehen uns angespornt, den Wandel von Siemens in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen." Unternehmen müssten die Folgen ihres Handelns für die Umwelt in ihren Entscheidungen stärker berücksichtigen. Das fordern inzwischen auch immer mehr Investoren: "Unternehmen, die in Sachen Klimaschutz nicht liefern, werden es am Kapitalmarkt künftig immer schwerer haben und abgestraft werden", warnte Portfoliomanagerin Vera Diehl von Union Investment.

Auch Vertreter großer Kapitalanleger gingen mit Siemens wegen des Umgangs mit dem Auftrag ins Gericht. Union-Investment-Fondsmanagerin Diehl sprach von einem "kommunikativen Desaster" und einem Imageschaden, der auch den Start von Siemens Energy an der Börse belaste. "Bei einer sorgfältigen Prüfung aller Umwelt- und Reputationsrisiken hätte Siemens diesen Auftrag niemals unterzeichnen dürfen."

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