Siemens springt mit Energie in neue Sphären

Siemens springt mit Energie in neue Sphären

Siemens-CEO Joe Kaeser präsentiert hervorragende Ergebnisse.

Die deutsche Industrie-Konzern Siemens präsentiert sich in Top-Form. Kraftwerke und Windräder bringen dem Konzern frischen Schwung und starken finanziellen Aufwind. Die Aktie hat die 100-Euro-Marke übersprungen. Die Prognose wurden nun zum zweiten mal binnen kürzester Zeit aufgebessert.

München. Der Münchner Technologieriese ist doch noch für große Überraschungen gut: Die Auftragsbücher sind auf Rekordhöhe. Und die Aussichten, dass die Geschäftsentwicklung weiterhin in die positive Richtung zeigen sind gegeben. Der unerwartet hohe Auftragseingang im abgelaufenen Quartel bringt Siemens fette Gewinne. Und offenbar mehr, als bisher seitens Siemens erwartet wurde. Die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde deshalb angehoben.

Angesichts des starken Wachstums hat Siemens am Donnerstag seine Gewinnprognose von mindestens 6,00 auf mindestens 6,50 Euro je Aktie an - das entspräche einem Konzerngewinn von mindestens 5,525 Mrd. Euro.

Der auf die Aktionäre entfallende Konzerngewinn ging wegen höherer Steuern und Zinslasten zwar von 1,36 Mrd. Euro im Vorjahresquartal auf 1,33 Mrd. zurück. Aber das operative Geschäft lief glänzend: Das Betriebsergebnis des Industriegeschäfts legte um 20 Prozent zu. Die Kosten für Rückbau und Stilllegungen führen letztendlich dazu, dass der Gewinn nach Steuern so hoch wie im Vorjahr sein wird - knapp 1,4 Milliarden Euro.

Die positiven Botschaften bleiben auch an der Börse nicht ungehört: Investoren haben Siemenswieder oben auf dem Zettel. Die Aktie hat am Doonerstag nach Bekanntgabe der Ergebnisse um fast vier Prozent zulegen können. Die Siemens-Aktie (ISIN DE0007236101) hat somit die 100-Euro-Marke übersprungen und notierte kurz vor 11 Uhr (MEZ) bei 100,15 Euro. Mitte März 2015 notierte Siemens zuletzt mit 105,98 Euro über der 100er-Mark, danach hat die Aktie bis Februar 2016 auf 79,90 Euro verloren. Seither hat die Aktie in einer Zickzack-Bewegung zulegen können.

Siemens-Aktie, Kursentwicklung im 5-Jahres-Verlauf, Stand vom 4.8.2016

Siemens-Aktie, Kursentwicklung im 5-Jahres-Verlauf, Stand vom 4.8.2016

"Wir kommen mit der Umsetzung unserer Vision 2020 gut voran und haben auch im dritten Quartal vor allem im Marktvergleich überzeugt", erklärte Siemens Chef Joe Kaeser. Dank Großaufträgen für Kraftwerke und Windparks hat Siemens den höchsten Auftragsbestand der Unternehmensgeschichte in den Büchern. Vor allem in der Energietechnik, bei dem Rivalen wie ABB oder GE in diesem Jahr bisher deutlich schlechter abgeschnitten hatten, konnte der Münchner Konzern kräftig zulegen.

"Der jahrelang anhaltende Wachstumsverfall ist gestoppt, und der Vergleich mit dem Wettbewerb zeigt, dass wir beim Wachstum deutlich führend sind", zog Konzernchef Joe Kaeser am Donnerstag Bilanz. Zugleich warnte er vor Übermut. "Trotz eines ordentlichen Quartals wachsen die Bäume nicht in den Himmel." Der für wiederkehrende böse Überraschungen in seinen Zwischenbilanzen berüchtigte Konzern müsse weiter an seiner Geschwindigkeit und Wandelbarkeit arbeiten. "Das nächste Quartal ist immer das schwerste", erklärte Kaeser. "Irgendwas wird immer sein."

Der Umsatz ist im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 um 5 Prozent auf 19,8 Mrd. Euro gestiegen, der Auftragsbestand ist um 6 Prozent auf 21 Milliarden Euro gewachsen. Der Auftragsbestand erreicht insgesamt einen Rekordwert von 116 Milliarden Euro.

Hatten früher immer wieder unerwartete Milliardenbelastungen bei einzelnen Großprojekten das Konzernergebnis verhagelt, verbessere Siemens jetzt "unter anderem durch verlässliche Projektabwicklung die Ertragskraft". Die Sparten Stromübertragung und Windkraftanlagen hätten "eine beachtliche Sanierung zügig hingelegt", sagte Kaeser. Die Großaufträge belegten "unsere wiedergewonnene Verlässlichkeit".

Beim Geschäft mit Industrieantrieben hat Siemens allerdings Probleme. Als einzige verbuchte sie weniger Aufträge, Umsatz und Gewinn. Dort streicht Siemens in Deutschland rund 2000 Stellen.

Wegen des niedrigen Ölpreises investieren die Kunden aus der Öl- und Gasindustrie und anderen rohstoffnahen Branchen wenig, die Preise sind unter Druck. In dem Geschäftsfeld gebe es "enorme Überkapazitäten", eine Besserung sei nicht in Sicht, sagte Kaeser.

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Die gute Lage im Geschäft mit der Medizintechnik macht sich ebenso beim Ergebnis bemerkbar wie das Wachstum im herkömmlichen Kraftwerksgeschäft sowie mit Windkraftanlagen. Diese profitiert vor allem von bestehenden Großaufträgen in Ägypten, Schottland, den USA sowie Bolivien für Kraftwerke und Windräder. Die Nachfrageschwäche bei Kunden aus der Öl- und Gasindustrie wird somit mehr als ausgeglichen. Der niedrige Ölpreis hatte auch vor den Geschäften von Siemens nicht Halt gemacht. Die Förderindustrie steckt kaum mehr Geld in neue Anlagen.Der für Milliarden übernommene US-Ableger Dresser-Rand ringt mit einem Auftragsschwund, der auch die Antriebstechniksparte erfasst hat. Allerdings dämpften hohe Synergien in der Fördertechnik den Effekt.

Das Windparkgeschäft entwickelt sich dafür besser als erwartet, was auch Siemens in Österreich erfreut. Zum Offshore Windpark Beatrice in Schottland (Auftragswert 1,4 Mrd. Euro) liefert Siemens Österreich Transformatoren aus beiden Transformator-Werken in Linz (drei Booster-Transformatoren) und in Weiz (2 Transformatoren, 4 Drosseln).

Für das im September endende Geschäftsjahr 2015/16 peilt Siemens nun einen leichten Umsatzzuwachs und einen Nettogewinn von 5,5 bis 5,7 Mrd. Euro an, nach 7,4 Mrd. Euro im Vorjahr.

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