Siemens und Alstom feilen an "Airbus der Schiene"

Am Dienstag soll die Fusion der Bahnsparten von Siemens und Alstom auf Schiene gebracht werden. Der Aufsichtsrat des französischen Konzerns Alstom tagt. Danch werden die Kontrollorgane beider Konzerne eine Erklärung abgeben. Siemens hatte auch mit dem kanadischen Flugtechnik- und Zughersteller Bombardier verhandelt. Siemens will sich vor allem gegen die Expansion des chinesischen Mega-Player CRRC wappnen.

Siemens und Alstom feilen an "Airbus der Schiene"

München/Paris/Toulouse. In der Bahntechnik-Branche zeichnet sich eine Megafusion ab. Siemens und Alstom wollen ihre Kräft bündeln un die Bahnsparten zusammenlegen. Der deutsche Siemens-Konzern und der französische Konkurrent Alstom wollen damit die Weichen für eine Art "Airbus der Schiene" stellen.

Der Zusammenschluss erfolgt nicht ganz freiwillig. Siemens ist unter Druck. Vor allem die beiden größten chinesischen Zughersteller haben mit ihrer Fusion zum Branchenriesen CRRC im Dezmeber 2016 massiv Siemens, Alstom aber auch Bombardier unter Druck gesetzt. Zuletzt war auch über eine Zug-Allianz zwischen Siemens und dem kanadischen Flugtechnik- und Bahnhersteller Bombardier spekuliert worden. Die Chinesen drängen derzeit auf den europäischen Markt.

Erst am Freitag hatte Alstom "Diskussionen" mit Siemens über eine "Annäherung" der Zugsparten bestätigt. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte in der Vergangenheit mehrfach auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit in der Branche hingewiesen.

Die 5 Hintergründe zur Zug-Allianz

1. Was ist geplant?

Französischen Medienberichten zufolge könnte Siemens seine Zugsparte bei Alstom einbringen. Dafür würde der Münchner Konzern einen Anteil von 45 bis 50 Prozent des Kapitals an Alstom erhalten. Eine weitere Möglichkeit wäre es, ein Joint Venture einzugehen, mit gemeinsamen Sparten für Zugbau und Signaltechnik.

2. Wie weit sind die Pläne gediehen?

Alstom bestätigt bisher nur, dass die Unternehmensleitung mit der Mobilitäts-Sparte von Siemens "Gespräche über eine mögliche Annäherung" führt. Siemens und Alstom bauen unter anderem Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge wie den ICE und den französischen TGV sowie Straßen- und U-Bahnen. Nach Einschätzung deutscher und französischer Medien könnten Entscheidungen am Dienstag nach der Verwaltungsrats-Sitzung bei Alstom verkündet werden. Siemens hatte zuletzt auch mit dem kanadischen Zughersteller Bombardier über eine engere Zusammenarbeit verhandelt.

3. Wie gut sind die Kontakte zwischen Siemens und Alstom?

Die beiden Hersteller führten bereits 2015 Gespräche. Damals ging es allerdings um ein mögliches Zusammengehen im Energiebereich. Alstom entschied sich schließlich für den US-Konzern General Electric, der seine Energiesparte um 9,7 Mrd. Euro übernahm.

4. Was sagen die Regierungen zu der möglichen Fusion?

Nach Informationen der französischen Zeitung "Le Monde" wird die Annäherung zwischen Siemens und Alstom von höchster Stelle unterstützt. Die mögliche Fusion sei zwischen Kanzleramt und Elysee-Palast diskutiert worden, heißt es. Die Wirtschaftszeitung "Les Echos" berichtet, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe kürzlich mit einem Vertreter der französischen Regierung über dieses Thema verhandelt. Die Pläne passen zu dem Willen Merkels und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die deutsch-französische Achse zu stärken.

5. Wie fügen sich die Pläne in die weltweite Entwicklung im Zugbereich ein?

Nach Ansicht der französischen Verkehrsministerin Elisabeth Borne wäre eine deutsch-französische Konsolidierung im Schienenbereich "eine sehr gute Sache". Sie verweist dabei auf den wachsenden Einfluss des chinesischen Zugherstellers CRRC, 2015 entstanden aus den zwei staatlichen Unternehmen CNR und CSR. Im Dezember hatte die Tochter CRRC Zhuzhou Locomotive den Verkauf von drei Schnellzügen nach Tschechien besiegelt - das erste Geschäft eines chinesischen Herstellers mit einem Land der Europäischen Union.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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