Siegfried Wolf übernimmt das LKW-Werk in Steyr

Im zweiten Anlauf ist dem Investor Siegfried Wolf die Übernahme des von der Schließung bedrohten Lkw-Werks von MAN in Steyr gelungen. MAN-CEO Andreas Tostmann bestätigte, dass die Übergabe besiegelt ist.

Siegfried Wolf übernimmt das LKW-Werk in Steyr

Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf übernimmt das MAN-LKW-Werk in Steyr (OÖ).

Im zweiten Anlauf hat der Investor Siegfried Wolf nun sein Ziel erreicht und übernimmt nun das LKW-Werk von MAN in Steyr (Oberösterreich). MAN-CEO Andreas Tostmann bestätigte, dass der Verkauf unter Dach und Fach ist. Kaufpreis soll MAN keinen erhalten. Der bestehe in der Übernahme eines Teils der Sozialkosten. Nach dem MAN-Vorstand hat nun auch der Aufsichtsratder Übergabe zugestimmt. Tostmann: "Wir werden jetzt alles dafür tun, den Standort planvoll zu übergeben."

Der trend beschrieb in seiner PREMIUM Ausgabe vom 16. April 2021 bereits "Was Wolf will".

Der trend beschrieb in seiner PREMIUM Ausgabe vom 16. April 2021 bereits "Was Wolf will".

Der trend hatte in seiner Coverstory vom 16. April bereits berichtet, dass an einer Übernahme durch Siegfried Wolf letztlich kein Weg vorbeiführen werde. Finale zu. Der frühere Magna-Zampano will daraus eine Art von internationalem Arm seines russischen Lkw-Bauers GAZ machen. Er musste dafür allerdings noch die Belegschaft überzeugen, die ihn in der ersten Runde noch abblitzen ließ und mehrheitlich gegen die Übernahme stimmte. MAN hatte sich in der Folge darauf eingeschworen, dass der Standort bis 2022 geschlossen werden müsse.

Der 63-jährige Wolf wird über seine Stiftung WSA zum Alleineigentümer. Trotz des Widerstands war die Übernahme schon seit längerem so gut wie gelaufen, zumal die seitens des deutschen Eigentümers aufgekündigte Standortgarantie bis 2030 schwer einklagbar war und sich also kaum als Druckmittel eignete.

Damit der Deal beschlossen werden konnte mussten MAN und WSA Seiten aufeinander zugehen. Es habe Handlungsdruck bestanden, betont Tostmann. Die Maßnahmen zur Schließung seien bereits weit vorangeschritten gewesen. "Ich freue mich deshalb sehr, dass wir gemeinsam die Rettung erreicht haben und das Werk unter der Führung von WSA eine echte Zukunft hat", hält Tostmann fest.

Was Wolf plant

Wolfs Intentionen sind ziemlich klar. Er ist der starke Mann und mit zehn Prozent Gesellschafter beim russischen Autobauer GAZ, der zur Russian Machines Gruppe des Oligarchen Oleg Deripaska gehört, bei dem Wolf 2010 angeheuert hat. Nun will er GAZ internationalisieren, indem er in Österreich Nutzfahrzeuge baut. Mit der MAN-Fabrik eröffnet sich eine gute Gelegenheit. Er sieht die altehrwürdige Marke "Steyr", unter der jahrzehntelang Lkw vertrieben wurden, als Asset, das er wiederbeleben will. Und es steht eine gut qualifizierte Belegschaft zur Verfügung. Lauter verlässliche und bodenständige Leute, wie Wolf sie nennt - nur um einige zu viele. Und zu teuer aus seiner Warte.

Von den aktuell rund 2.000 fixen Mitarbeitern (inklusive 166 Lehrlingen) will Wolf 1.400 (inklusive 150 Lehrlingen) behalten. Für die knapp 300 Leiharbeiter gibt es keine Verwendung mehr. Neben der Verlustdeckelung, die natürlich nur zum Tragen kommt, wenn jemand weiterbeschäftigt wird, ist eine Überstiegsprämie von 10.000 Euro für jeden vorgesehen - gleich, ob eine Person gehen muss oder im Unternehmen bleibt. Kostenpunkt: knapp 20 Millionen Euro. Von den 600, die abgebaut werden, sollen 130 eine Altersteilzeitregelung erhalten, 200 via natürlichen Abgang verloren gehen. Bei den rund 250 Kündigungen würden bis zu 30 Monatsgehälter Abfertigung ausbezahlt. Jubiläumsgelder stünden auch Gekündigten zu. Außerdem will Wolf ein paar Millionen für eine Arbeitsstiftung, die Qualifizierungsmaßnahmen anbietet, und einen Härtefallfonds springen lassen.

Nach Magna-Vorbild werden den verbleibenden Beschäftigten für die Zukunft zehn Prozent des erwirtschafteten Gewinns als Prämien in Aussicht gestellt, was Gewerkschaften generell nicht gerne sehen. Abfertigungsansprüche bleiben bestehen. Es wird einen Kollektivvertrag (KV) geben, allerdings keinen sogenannten Akkordlohn nach dem Muster der deutschen Autoindustrie mehr, der besonders attraktiv war. Aus dem Umfeld von Wolf heißt es, dass die Löhne bisher um bis zu 60 Prozent über KV lagen und künftig immer noch 20 Prozent höher als im Branchenschnitt angesiedelt sein werden.

"GAZ" geben

Der inhaltliche Teil der Pläne ist bemerkenswert, aber nicht ohne Tücken. Das Revival der Marke Steyr erzeugt in Oberösterreich durchaus einen gewissen Goodwill. Herstellen will die Truppe um Wolf, zu der etwa der Ex-Magna- Manager Peter Koob zählt, zwei Transporter, einen kleinen Bus und einen Lastwagen. Ihr Vorteil: Man kann relativ rasch mit der Produktion beginnen, weil es die Konstruktionen für die Fahrzeuge schon gibt. Basis für die Transporter sind zum Beispiel die Kastenwagen, die GAZ unter der Marke "Gazelle" baut. Sie sollen nur qualitativ aufgemöbelt werden, um eine Homologisierung sowohl für die EU als auch für insgesamt 44 Länder zu bekommen, in die man exportieren will, vor allem in Länder, wo preiswerte und robuste Fahrzeuge nachgefragt werden: u. a. Asien und Nordafrika. Auch der Bus und der Truck sind von GAZ-Modellen abgeleitet. Wolf verspricht mindestens 40 Prozent regionale Wertschöpfung, die es braucht, damit die Vehikel als EU-Produkt durchgehen. Teile sollen aus Russland kommen. Umgekehrt soll "Steyr neu" Fahrgastzellen auf dem letzten Stand der Technik zu GAZ nach Nischni Nowgorod liefern.

Für zweieinhalb Jahre hat die MAN-Mutter Siegfried Wolf noch Aufträge für Steyr zugesagt. Er könnte also schrittweise auf die neuen Produkte umstellen. Zugleich kündigt er den Aufbau eines Engineering-Bereichs sowie einer Forschungs-und Entwicklungsabteilung an. Schwerpunkte: E-Mobilität, Antriebe mit Wasserstoff und autonomes Fahren. 70 Spezialisten sollen dafür -überwiegend neu -eingestellt werden. Wenn die Sache aufgeht, wäre der Standort keine reine verlängerte Werkbank mehr, die völlig von den Entscheidungen einer Muttergesellschaft wie MAN abhängt. Steyr wäre so etwas wie der internationale Arm von GAZ und das Kompetenzzentrum für alternative Antriebe. Elektrobusse stellt GAZ bereits her.

Diese Perspektive könnte durchaus eine langfristige sein - birgt aber auch Risiken. Oleg Deripaska und mit Russian Machines auch die GAZ stehen auf der Sanktionsliste der USA. Das macht solche Geschäftsbeziehungen schwierig und heikel.

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