Siegfried Wolf steigt bei ukrainischem Traktorhersteller aus

Siegfried Wolf steigt bei ukrainischem Traktorhersteller aus

Die im ukrainischen Charkiw gebauten XT3-Traktoren sind in der ganzen ehemaligen Sowjetunion bekannt. Siegfried Wolf, seit November 2010 Aufsichtsratschef von Oleg Deripaskas Russian Machines, hatte sich, wie im April bekannt wurde, an der Herstellerfirma Charkowski Traktorni Sawod beteiligt. Jetzt will er die Anteile wieder loswerden.

Es war eine "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch": Erfolgsmanager Siegfried Wolf, aktuell Aufsichtsratschef des zu Oleg Deripaskas Basic Elements Konzern gehörenden Auto- und Fahrzeugherstellers Russian Machines und Aufsichtsratschef der Sberbank Europe, muss einen Rückschlag einstecken. Nach etlichen sehr konfliktreichen Monaten hat Wolf erklärt, die im April bekannt gewordene Beteiligung am Ukrainischen Traktorhersteller Charkowski Traktorni Sawod (XT3) wieder aufzugeben.

Über Offshore-Gesellschaften hielt Wolf schon seit längerem 30 Prozent an XT3. Seit Monaten waren allerdings bei dem in der gesamten ehemaligen Sowjetunion wohlbekannten Unternehmen - einst der größte Traktorhersteller der Welt - die Maschinen stillgestanden. Den ukrainischen Behörden zufolge seien Steuern nicht bezahlt, Pläne und Traktoren illegal nach Russland exportiert und Handelsembargos verletzt worden.

"In den letzten Monaten haben Jaroslawskyjs DCH-Gruppe und ich gemeinsam versucht, die Übernahme eines Anteils der Charkiwer Traktorenfabrik abzuschließen", erklärt Wolf. Ziel sei gewesen, die Produktion im Werk wieder aufzunehmen und es vor der Pleite zu bewahren. XT3 beschäftigt offiziell noch rund 2.000 Mitarbeiter, an dem Traktorhersteller hängen außerdem etliche Zulieferbetriebe. Den letzten Anstoß zum Rückzug gab der Erklärung Wolfs zufolge die die Weigerung des ukrainischen Antimonopolkomitees, die Übernahme der Aktienmehrheit (60 Prozent der Anteile) durch Wolfs ukrainischen Geschäftspartner Oleksandr Jaroslawskyj zu genehmigen.

Der russische Feind

In Charkiw war in der Vergangenheit darüber spekuliert worden, dass die Traktorenfabrik in Wahrheit nicht von Wolf, sondern vom Russen Oleg Deripaska kontrolliert wird, was allerdings dementiert wurde und schon im Frühjahr war die Produktion mehrere Wochen lang stillgestanden, weil ukrainische Gerichte sämtliche Konten des Unternehmens gesperrt hatten.

Jaroslawskyj und Wolf konnten zwar im Juli eine Mehrheit der Gläubiger überzeugen, einem Sanierungsplan für die hoch verschuldete XT3 zuzustimmen, das existenzbedrohliche Ermittlungsverfahren des Geheimdiensts SBU lief jedoch weiter. Die Fabrik darauf im Sommer ihre Produktion ein.

Der Streit mit den Behörden eskalierte in immer weitere Runden und Details. Jetzt hat Wolf genug. Er will sich von den Behörden nicht länger im Kreis herumschicken lassen und seine Anteile an jemand abgeben, der "von den Behörden akzeptiert wird".

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