Shpock-Gründer gehen von der Kommandobrücke

Shpock-Gründer gehen von der Kommandobrücke

Shpock-Gründer Katharina Klausberger und Armin Strbac gehen von der Kommandobrücke. Der bisherige Marketing-Chef und Ex-Unternehmensberater Bernhard Baumann (i.Bi.Mitte) wird Chef.

Chefwechsel bei Shpock. Das einstige österreichischen Vorzeige-Start-Ups bekommt einen neuen Chef. Marketing-Chef Bernhard Baumann wird neuer Chef. Das Gründerduo Katharina Klausberger und Armin Strbac treten aus der Chefetage ab. Zu den jüngsten Geschäftszahlen schweigt das Unternehmen.

Wer ein Unternehmen sieben Jahre lang aufbaut, es entschlossen verteidigt gegen Bürokratie, Konjunkturflauten und Selbstzweifel, gibt sein Baby nicht leichtfertig aus der Hand. Die Entscheidung dürfte Katharina Klausberger (35) und Armin Strbac (35) also nicht leicht gefallen sein, auch wenn sie schon über zwei Finanzierungsrunden kräftig Kasse gemacht haben. Doch am 6. Februar kündigten sie den Wechsel an: Bernhard Baumann (34), ehemaliger Marketing-Manager bei Shpock und einst Project Leader bei The Boston Consulting Group, nimmt das Steuer in die Hand. CEO. Er wird künftig alleine als CEO das Unternehmen führen.

Das Gründer-Duo streut dem "Neuen" Rosen und beteuert via Presseaussendung: Für die Zukunft des Unternehmens können sie sich "keinen besseren Partner als Bernhard vorstellen". Klausberger und Strbac wollen Shpock weiterhin in einer Board-Rolle unterstützen. "Sie werden als Berater strategisch ein Paar Tage im Monat noch mitarbeiten", heißt es auf trend-Anfrage.

Es sind hohe Erwartungen, denen sich Baumann da stellen muss. Die Flohmarkt-App Shpock befindet eigenen Angaben zufolge im Höhenflug. Zumindest was die Download-Zahlen der App via AppStore und Google Play anbetrifft.

Eine Wette auf die Zukunft

Der Start war von Finderly war holprig. Nach der WU zog es die Gründerin Klausberger und ihren Kompagnon Strbac in die Selbstständigkeit. Sie gründeten mit Finderly 2011 zunächst eine Vergleichs-Plattform für Elektronikprodukte. Doch der Handel mit den Elektronikwaren aus zweiter Hand war alles andere als ein Renner. Auch wenn "wirtschaftlich alles nach Plan lief", wie Co-Gründer trend bestätigt, war der Break-Even auch nach monatelanger Arbeit nicht in Sicht und wollte auch nicht näher rücken. Die Gründer versammelten ihr kleines Team um sich, schlossen sich im "wenig rustikalen Büro", das im 16. Wiener Gemeindebezirk sich befunden hatte, ein und ließen die Köpfe rauchen.

Und dabei habe man Shpock erfunden, den Flohmarkt für die Hosentasche, wo Internetnutzer allerlei Second-Hand-Ware via Smartphone-App verkaufen konnten. Einfach zu bedienen, mit verstellbarem Suchradius zur Verkürzung von Abholwegen - das Konzept ging insofern auf, dass die Nutzerzahlen stiegen. Und auch internationale Unternehmen aufmerksam wurden.

Bis ins Geschäftsjahr 2015 und der fast vollständigen Übernahme des großen Investors aus dem hohen Norden war das Unternehmen alles andere als erfolgreich. Einige bekannte Start-up-Finanzierer sind in den ersten Jahren eingestiegen und an Bord geblieben.

Der Big Spender

Der ganz große Coup gelang 2013, als sich der norwegische Medienkonzern Schibsted mit 40 Prozent an Shpock beteiligte. Die Norweger investierten einen siebenstelligen Betrag und katapultierten das Wiener Start-Up damit auch aufs internationale Parkett.

Innerhalb der nächsten beiden Jahre griff Schibsted wiederholt tief ins Portemonnaie, bis Ende 2015 ganze 91 Prozent in norwegischer Hand lagen. Laut Firmenkompass halten die Gründer Katharina Klausberger und Armin Strbac bis heute jeweils 4,5 Prozent der Anteile.

Der genaue Kaufpreis bleibt bis heute ein Geheimnis. Das Unternehmen wurde im Herbst 2015 um 200 Millionen Euro bewertet. Neben den Gründern haben auch die Early-Stage-Investoren Hansi Hansmann (er war auch beim oberösterreichischen Lauf-App Runtastic dabei) und eine Investorenrunde rund um Oliver Holle aus dem Speedinvest-I-Fonds mit dem Einstieg von Schibsted Kasse gemacht. Unterm Strich soll für sie ein dreistelliger Betrag hängen geblieben sein.

Die beiden Gründer und Geschäftsführer nutzten die Finanzspritzen mit Unterstützung des internationalen Netzwerk von Schibsted zur aggressiven Expansion. Allein im letzten Jahr soll die Zahl der Downloads der Shpock-App nach Unternehmensangaben auf 30 Millionen verdreifacht haben. "Die gesteckten Zeile hatten wir jedes Jahr übertroffen", so Strbac. Damit sei Shpock eigenen Angaben zufolge heute eine der Top-Shopping-Apps in Österreich, Deutschland, Italien, Großbritannien, Schweden und, natürlich auch in der Heimat des Big Spenders Schibsted, in Norwegen.

Negatives Eigenkapital 2015

Für den designierten Geschäftsführer Bernhard Baumann wird die Aufgabe aber nicht einfach. Die letzten Geschäftszahlen zum Geschäftsjahr 2016 (Stichtag 30.9.2016) liegen noch nicht vor. Auf trend-Anfrage heißt es dazu kurz und knapp: "Da wir diese Zahlen bisher nicht öffentlich kommuniziert haben, wollen wir dies auch in diesem Fall nicht tun." Im Gegensatz zu anderen GmbHs hält man sich bei den Shpock-Chefs bedeckt. Einfacher Grund laut Co-Gründer Strbac: "Das ist übrigens bei Startups nichts Ungewöhnliches. Ich kann es aber verstehen, wenn Sie dies nicht ganz zufriedenstellt."

Der Blick ins Firmenbuch bringt dann doch etwas mehr Einblick. Im Jahr 2015 hat Shpock alles andere als positive Zahlen zu melden. Die Bilanz 2015 hatte mit negativem Eigenkapital von über 1,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Finanzspritze in Höhe von 7,0 Millionen Euro durch Schibsted hat offenbar Schlimmeres im Sinne des Insolvenzrechts abgewendet.

Im öffentlich zugänglichen Firmen-Compass wurde zur Bilanz 2015 folgendes angemerkt: "Da jedoch der Gesellschaft im laufenden Geschäftsjahr finanzielle Mittel in Höhe von EUR 7.000.000,00 als nachrangiges Hybridkapital zur Verfügung gestellt wurden, liegt keine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes vor."

Co-Gründer Strbac meint dazu kurz und knapp: " Anlaufverluste sind bei Startups/Investitionsprojekten ganz normal und werden auch so eingeplant." Dass durch den Big Spender "Schlimmeres" abgewendet wurde, sieht er freilich anders. Trotz negativem Eigenkapital sei dies freilich "komplett falsch".

Der aus Tirol gebürtige Neo-Chef Baumann ist seit 2014 als Chief Marketing Officer mit von der Partie. Er hatte den Job als Unternehmensberater an den Nagel gehängt und sich stattdessen ins ungewisse Terrain der Startup-Company begeben. Laut Presseaussendung reizte ihn damals "dieser Spirit, Herausforderungen anzunehmen und sich selbst stetig weiterzuentwickeln". Der Reiz scheint noch immer stark genug zu sein. In diesem Stil möchte er Shpock mit seinen 120 Mitarbeitern jedenfalls weiterführen und vorwärts bringen.

Das weiche Gesetz der großen Zahl

Zumindest im Bereich Sales liest sich der Wille zur Weiterentwicklung in großen Zahlen. Demnach sollen heute via Shpock über zehn Millionen aktive Internetnutzer einkaufen. Summa summarum verbringen sie pro Monat zehn Millionen Stunden in der App. Im Shpock-Wording sind das "1140 Jahre". Große Zahlen wie diese machen vielleicht dem einen oder anderen Werbekunden den Mund wässrig. Geht es aber um die weit kleineren Beträge, was etwa unterm Strich übrig bleibt, geben sich die Shpocker auf Anfrage von trend.at zugeknüpft. Zahlen zu Umsatz und Gewinn per 30.9.2016? Kein Kommentar.

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