Showdown bei Swarovski: CEO Robert Buchbauer wirft das Handtuch

Knalleffekt im lange andauernden Streit in der Familie Swarovski: CEO Robert Buchbauer und Finanzchef Mathias Margreiter sind abgetreten. Ihnen werden externe Manager folgen, die den Kristallkonzern ab Jänner führen sollen.

Robert Buchbauer tritt als Chef des Familienkonzerns Swarovski ab, auch Finanzchef Mathias Margreiter geht.

Robert Buchbauer tritt als Chef des Familienkonzerns Swarovski ab, auch Finanzchef Mathias Margreiter geht.

Showdown im Kristallkonzern Swarovski: der seit rund einem Jahr schwelende und zum Teil öffentlich ausgetragene Familienzwist, bei dem sich Teile der Familie gegen die Umbaupläne von CEO Robert Buchbauer - einem Ururenkel des Gründers - gestellt haben, gipfelt nun im Rücktritt von Buchbauer und seinem Finanzchef Mathias Margreiter. Auch Margreiter gehört der Familie an. Ihnen sollen nun erstmalig in der über hundertjährigen Geschichte des Unternehmens externe Manager folgen.

Vom Rücktritt berichtete zunächst DerStandard online, der sich in dem Bericht auf ein Townhall-Meeting berief, in das sich Mitarbeiter aus aller Welt einwählen konnten und die Bestätigung eines Konzernsprechers einholen konnte. Buchbauer und Margreiter treten demnach mit sofortiger Wirkung (per 1.10.2021) zurück. Im Jänner 2022 soll das nicht aus der Familie stammende Management übernehmen und die Geschäfte unabhängig führen.

Konflikt um Konzernumbau

Am 30. Oktober 2020 hatten rund 80 Prozent der Gesellschafter dem von CEO Robert Buchbauer angestrebten Konzernumbau zugestimmt. Sein Ziel war es, eine Familienholding mit Sitz in Wattens schaffen, unter der alle Kristallgeschäfte vereint werden sollten. Am Beginn stand ein groß angelegter Mitarbeiterabbau. In Wattens wurde im September 2020 mit dem Abbau der Belegschaft begonnen. Bis Ende 2021 sollte der Mitarbeiterstand von 4.800 auf 3.000 reduziert werden. Es war nicht der erste große Personalschnitt im Unternehmen. Vor der Wirtschaftskrise 2008 waren in Wattens noch über 6.700 Mitarbeiter beschäftigt

Die bei einer Abstimmung 30. Oktober unterlegene Familiengruppe pochte jedoch auf die verankerte Pflicht zur Einstimmigkeit und brachte in der Folge mehrere Schiedsgerichtsklagen in Österreich und der Schweiz ein. Außerdem wurde ein Antrag auf Sonderprüfung beim Landesgericht Innsbruck gestellt. Das Vorgehen der Konzernführung wurde als Versuch einer „internen feindlichen Übernahme“ unter dem Vorwand der Coronakrise bezeichnet.

Hintergrund: der zurückgetretene Buchbauer lebt seit über 25 Jahren in der Schweiz brachte von Männedorf am Zürichsee aus das Konsumgütergeschäft (CGB) Unternehmens, das er seit 2001 führt, zum Funkeln. Das Business mit Swarovski-Uhren oder Schmuck steht für drei Viertel der Kristall-Umsätze und für 58 Prozent der Gesamtumsätze des Konzerns, zu dem auch die Schleifmittel-Sparte Tyrolit und Swarovski Optik gehören. Marketing, Verkauf und Controlling der drei Kristall-Geschäftsbereiche CGB, Komponenten und Edelsteine waren bereits zusammengelegt und von der Schweiz aus gesteuert worden.

Buchbauer visierte zudem die Umwandlung des Familienkonzerns in eine Aktiengesellschaft an - ein in der Geschichte der Glitzerdynastie zuvor schon mehrfach diskutiertes, nie realisiertes Manöver. Derzeit besteht Swarovski aus einer Vielzahl eher lose aneinander gereihter Gesellschaften von der D. Swarovski KG in Wattens bis zur Swarovski International Holding AG in Männedorf. Mangels konsolidierter Bilanz mussten jedoch nicht nur die Betriebsräte schlicht immer dem glauben, was ihnen die Geschäftsleitung servierte. Auch die professionelle Konzernsteuerung war durch die immense Zersplitterung erschwert.

Corona-Knick

Auf die neuen Manager wartet viel Arbeit. Der Kristallkonzern wurde von der Corona-Krise hart getroffen und musste empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Obwohl sich in der jüngsten Zeit wieder ein leichter Aufwärtstrend einstellte liegt man immer noch über ein Drittel hinter den Umsatzerlösen aus dem Jahr 2019. Auch von einigen Outlets musste sich der nicht mehr ganz so hell funkelnde Kristallkonzern trennen.

Die schwierigste Aufgabe wird es allerdings werden, das Vertrauen der zerstrittenen Familiengruppen zu gewinnen, sie zu befrieden und unabhängig zu wirtschaften. Die Kontrollgremien werden schließlich immer noch von der Familie gesteuert, was ihr Mitspracherecht bewirkt bliebt abzuwarten. Die Familieninteressen sollen in der neu etablierten Familienholding gebündelt werden. Der Verwaltungsrat soll "neu konstituiert" und um "unabhängige Mitglieder erweitert" werden. Zu den fünf Familienmitgliedern sollen zwei bis vier weitere Räte hinzukommen, die nicht der Familie angehören. Auch Buchbauer und Margreiter sind Mitglieder des Verwaltungsrats und sollen das auch bleiben.

Eigene Fluglinie wird verkauft

Bekannt wurde ebenfalls, dass der Konzern seine eigene Fluglinie Tyrolean Jet Services (TJS) abstoßen will. "Aktuell stehen Überlegungen im Raum, wonach TJS in einem Share-Deal an externe Partner und Investoren verkauft werden könnte", hieß es vom Unternehmen zur "Tiroler Tageszeitung. "Vertiefende Gespräche mit potenziellen Interessenten" laufen demnach bereits.

Begründet wurde der Schritt damit, dass es in Zukunft "den Bedarf an einem Business-Aviation-Unternehmen für Swarovski nicht mehr geben" werde. Derzeit seien noch 30 Mitarbeiter - nach einer Halbierung des Mitarbeiterstandes im Frühjahr - beschäftigt. Swarovski bemühe sich darum, dass diese Mitarbeiter bei einem Verkauf "eine Alternative am Standort Innsbruck" erhalten würden, versicherte der Konzern.

63 Jahre Fluggeschichte

Tyrolean Jet Services geht auf die 1958 in Innsbruck gegründete "Aircraft" zurück, die 1978 von der Familie Swarovski übernommen und 1979 in Tyrolean Airways umbenannt wurde. Zu einer Zeit als es von Innsbruck aus noch keine anderen Flugverbindungen gab bot man Luftambulanz-, Business- und Charterflüge an. Das Luftambulanz- und das Helikopter-Geschäft wurde 1985 aus dem Unternehmen herausgelöst und später verkauft, übrig blieb die Tyrolean Jet Services (TJS).

Während in der Zeit der Corona-Pandemie andere Business-Fluglinien wie die oberösterreichische GlobeAir, an der die Polytec-Eignerfamilie Huemer beteiligt ist, einen regelrechten Boom erlebten und vom weitgehenden Stillstand der globalen Luftfahrt profitierten - siehe den Artikel "Privatjet mieten statt Linie fliegen: "Es gibt den Bedarf zu fliegen" - gelang das der Tyrolean Jet Services, die sich selbst als "Austria's first Executive Air Operator" beworben hat, nicht. Die Fluglinie schrieb rote Zahlen und wies Ende 2020 einen kumulierten Verlust von rund 7,5 Millionen Euro aus.

Die Fluglinie besitzt aktuell noch drei Flugzeuge. Ein Flugzeug im Privatbesitz der Familie Swarovski wurde bereits veräußert. Ebenfalls verkauft werden soll die Tochterfirma TJS Malta, die Tochter in San Marino wurde bereits 2020 abgestoßen. Im Besitz von Swarovski soll dagegen die Catering-Tochter Cloud Number9 bleiben, die neben Flug-Catering auch ein Event- und Business-Cateringgeschäft aufgebaut hat.

UNIQA CEO Andreas Brandstetter und Ministerin Leonore Gewessler

"In dieser Lage sind Ausreden nicht mehr zulässig"

Umwelt- und Energieministerin LEONORE GEWESSLER und Uniqa-Boss ANDREAS …

Arbeitskräftemangel: EU-weite Mobilität forcieren

Arbeits- und Wirtschaftsminster Martin Kocher und Wifo-Chef Gabriel …

Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am Internationalen Institut für angewandte Systemanalysen (IAASA) in Laxenburg.

Klimaforscher Keywan Riahi: "Wir werden nicht ärmer werden"

Der weltweit führende Klimaforscher Keywan Riahi im trend. Interview über …

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Bernd Spalt, CEO der Erste Group, hat erklärt, dass er seinen bis Ende …