Semperit: "Ein trostloses Bild"

Der Semperit-Konzern dürfte trotz der abgegebenen Gewinnprognose für 2017 im ersten Quartal des Jahres schwarze Zahlen geschrieben haben. Analysten bleiben angesichts des hauptsächlich von Einmaleffekten getragenen Ergebnisses allerdings vorsichtig.

Semperit: "Ein trostloses Bild"

Trotz der im April abgegeben Gewinnwarnung für das Gesamtjahr 2017 dürfte der Gummi- und Kautschukhersteller Semperit im ersten Quartal schwarze Zahlen geschrieben haben - allerdings hauptsächlich aufgrund von Einmaleffekten. Befragte Finanzanalysten bleiben weiter vorsichtig.

CEO Thomas Fahnemann ist Mitte März zurückgetreten, ihm ist der Deutsche und studierte Wirtschafts- und Organisationswissenschafter Martin Füllenbach gefolgt, der davor Mitglied des Konzernvorstands von Oerlikon war. Per 15. April ist dann auch der langjährige Technikvorstand des Unternehmens, Richard Ehrenfeldner, ausgeschieden. Er wurde von Michele Melchiorre abgelöst.

Was die Quartalsergebnisse angeht, prognostizieren die Analysten von Raffeisen Centrobank (RCB) und Erste Group einen deutlichen Anstieg des Nettogewinns wie auch des berichteten operativen Gewinns (EBIT), gleichzeitig aber rückläufige Umsätze. Die Zahlen werden am morgigen Dienstag vor Börsenstart veröffentlicht.

Semperit-Aktie, 5-Jahres-Entwicklung. Stahd vom 15. mai 2017: 26,00 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Semperit-Aktie, 5-Jahres-Entwicklung. Stahd vom 15. mai 2017: 26,00 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Semperit hatte bereits im April mitgeteilt, dass das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im laufenden Geschäftsjahr "deutlich" unter jenem des Vorjahres von 41 Millionen Euro liegen werde. Beim bereinigten EBIT werden Sondereffekte aus der Auflösung des Joint Ventures zur Handschuhproduktion mit der thailändischen Sri-Trang-Gruppe herausgerechnet. Unbereinigt erwarten die Analysten einen deutlichen Anstieg des EBIT von 18,6 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr 91,7 Millionen Euro. Den Nettogewinn prognostizieren sie im Schnitt bei 63,2 Millionen Euro - damit würde er sich gegenüber dem Vorjahresquartal mehr als versechsfachen.

Auf dem Weg der Neuausrichtung

Beim Umsatz rechnen die Analysten allerdings mit einem Rückgang von etwas über drei Prozent auf 212,8 Millionen Euro. "In Einklang mit der Gewinnwarnung des Unternehmens erwarten wir, dass die Quartalsergebnisse ein eher trostloses Bild zeichnen werden", kommentiert die Analystin Vladimira Urbankova von der Erste Group mit Verweis auf die Profitabilität. Hauptsächlich aufgrund der positiven Einmaleffekte aus der Auflösung des Joint Ventures in Thailand erwarte man aber schwarze Zahlen beim berichteten EBIT und beim Nettoergebnis.

Vorsichtig ist man auch bei der Baader Bank. "Semperit ist gerade in einer strategischen Neuausrichtung", schreibt der Analyst Christian Obst in einem Preview zur morgigen Zahlenvorlage. Dementsprechend hält er die Kommentare zur strategischen Ausrichtung für wichtiger als die Quartalsergebnisse. Die Auflösung des Joint Ventures würde zwar den Cashflow bis zu einem gewissen Ausmaß unterstützen. Die Zukunft des wichtigsten Segments, Sempermed, scheine aber "fragwürdiger als je zuvor".

Mit einer neutralen "Hold"-Empfehlung ist der Baader-Analyst allerdings noch etwas weniger pessimistisch als seine österreichischen Kollegen. Sowohl bei der Raiffeisen Centrobank ("Sell") als auch bei der Erste Group ("Reduce") empfiehlt man aktuell, die Semperit-Aktien zu verkaufen.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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