Selbstfahrende Autos: Google kooperiert mit Fiat Chrysler

Selbstfahrende Autos: Google kooperiert mit Fiat Chrysler

In ersten Testreihen wurden Autos mit Sensoren ausgestattet, um den Selbstfahrmodus zu testen. Über die Kooperation mit Fiat Chrysler will Google nun mit seinem "Self-driving Car" zumindest einen Gang höher schalten.

Der Internetkonzern Google und der Autokonzern Fiat Chrysler werden Partner: Sie wollen ihre Expertisen zur Entwicklung selbstfahrender Autos bündeln. In einem Pilotprojekt werden 100 Minivans zu selbstfahrenden Autos umgerüstet.

Google und Fiat Chrysler wollen gemeinsam die Entwicklung selbstfahrender Autos vorantreiben. Fiat Chrysler ist damit der erste große Autohersteller, der die von Google entwickelte Technik für selbstfahrende Fahrzeuge ausprobiert. Im Rahmen der Kooperation ist der Aufbau einer Flotte von 100 autonomen "Pacifica"-Minibussen geplant. Google wird die nötigen Sensoren und Computer integrieren, die Chrysler-Ingenieure sollen die Fahrzeuge daran anpassen.

Für Google ist es das erste Mal, dass sein System für selbstfahrende Autos inklusive Software und Sensoren in ein solches Fahrzeug integriert wird. Dafür sollen Ingenieure beider Unternehmen in einer Fiat-Fabrik im US-Bundesstaat Michigan zusammenarbeiten. Die Autos sollen später nicht in den Verkauf kommen, sondern für Tests genutzt werden.

Google ist schon lange auf der Suche nach kooperationswilligen Partnern aus der Autobranche. Gespräche mit General Motors und Ford sind allerdings letztes Jahr gescheitert. Man konnte sich um die Datennutzung nicht einigen. Die Hersteller, auch Daimler, haben Bedenken. Auch wenn Google betont, selbst kein Autohersteller werden zu wollen gibt es in der Branche die Befürchtung, zum Zulieferer degradiert zu werden, während Technologieunternehmen die Gewinne abschöpfen.

Google will auch im Zuge der Kooperation mit Fiat Chrysler kein Technologie-Wissen austauschen. Bisher hatte Google von Toyota Lexus-Sportwägen gekauft und diese umgerüstet und einige Auto-Prototypen selbst gebaut - kleine, elektrische Zweisitzer, die derzeit in vier US-Städten getestet werden. In Zukunft will Google bei Autos auch auf Lenkräder oder Pedale verzichten und die Steuerung allein dem Computer überlassen.

Kampf um die Daten

Google hatte in den vergangenen Jahren massive Fortschritte dabei gemacht, im Auto Daten über die Umgebung zu erfassen und auszuwerten und die Software auf dieser Basis das Fahrzeug steuern zu lassen. Die Frage dabei ist, wem die dabei anfallenden Daten gehören und wer diese zur Weiterentwicklung nutzen kann. Fiat Chrysler Chef Sergio Marchionne, hatte sich wiederholt offener für Kooperationen mit Technologie-Unternehmen gezeigt.

Weltweit laufen derzeit die Bemühungen um Fortschritte beim autonomen Fahren auf Hochtouren. Auch Apple mischt hier mit. Bisher stehen Technologie- und Autokonzerne dabei eher im Wettbewerb miteinander, wenn es darum geht, die Kombination der notwendigen Hardware und Software in den Griff zu bekommen. Einige Entwicklungen haben bereits ihren Weg in die Serienproduktion gefunden. Dazu gehören automatische Notbremsen oder auch die Unterstützung beim Einhalten der Fahrspur durch die Bordautomatik.

Wettlauf um die Zukunft

Das Automobilgeschäft wandelt sich mit der Vernetzung der Fahrzeuge und dem Vormarsch von Software und Online-Diensten gerade gewaltig. Zudem soll auch Apple laut Medienberichten an einem eigenen Auto arbeiten, das angeblich zum Jahr 2020 fertig sein soll. Marchionnes Argument ist, dass die klassischen Autobauer nicht ohne Kooperationen mit den Internet-Firmen auskommen werden. Andere Hersteller versuchen, die IT-Kompetenz im eigenen Haus soweit wie möglich auszubauen.

Die Zusammenarbeit bei selbstfahrenden Autos kann sich nach Einschätzung von Experten für Google wie für Fiat lohnen. Fiat sitzt auf einem Schuldenberg von 6,6 Milliarden Euro und dringt seit langem darauf, die hohen Entwicklungskosten zu reduzieren und sich zu teilen. "Die langweiligen alten Autobauer müssen herausfinden, wie das Ganze profitabel gemacht werden kann, statt das Geschäft zu ignorieren", sagte Fiat-Verwaltungsratschef John Elkann im April.

Die Vision bei selbstfahrenden Autos geht in Richtung automatisierter Beförderungssysteme für Städte. Google betont, selbstfahrende Autos würden die Sicherheit auf den Straßen verbessern und die Zahl der Verkehrstoten drastisch verringern. Zugleich wird damit gerechnet, dass in Zukunft weniger Autos benötigt und damit auch verkauft werden, weil Autos gemeinsam genutzt werden.

Die Vision von Flotten selbstfahrender Autos, die in den Straßen der Städte unterwegs sind spielt auch beim derzeitigen Taxi-Konkurrenten Uber eine große Rolle. In Zukunft will Uber ein Buchungs- und Vermittlungsdienst selbstfahrender Autos sein. Der in zahlreichen Städten - auch in Wien - immer wieder aufkeimende Rechtsstreit zwischen Taxidienstleistern und Uber hätte spätestens dann ein Ende: Taxifahrer wären dann nämlich obsolet.

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