Schweizer Konto: Finanz knöpft sich alte Steuersünder vor

So mancher Steuerpflichtige erhält derzeit unliebsame Post vom Finanzamt. Betroffen sind all jene, die zwischen 2011 und 2012 ein Konto oder ein Depot in der Schweiz hatten. Sie werden um Auskunft hinsichtlich nicht versteuerter Kapitaleinkünfte ersucht. Viele hatten in diesem Zeitraum Geld von den Konten abgezogen. Worauf sich Betroffene gefasst machen müssen und wozu Finanzstrafrechtsexpertin Anja Cupal von der TPA rät.

Thema: Steuertipps
Schweizer Konto: Finanz knöpft sich alte Steuersünder vor

Die Finanz screent derzeit alte Schweizer Depots und Konten von Österreichern nach Auffälligkeiten.

Wer bis Jänner 2013 ein Konto oder ein Depot in der Schweiz hatte und in der Zeit noch rasch Geld abgezogen hat, blieb bisher von der Finanz unbehelligt. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Was der österreichische Fiskus schon weiß
Viele Betroffenen erhalten derzeit Schreiben vom österreichischen Finanzamt, in denen die Empfänger dazu aufgefordert werden, Auskunft über Konten und Depots zu geben, die in der fraglichen Zeit in der Schweiz existierten. Die Finanz nennt dabei stets ganz konkret auch das betroffene Kreditinstitut, die Kontonummer als auch den Konto- bzw. Depotstand am 31. Dezember 2011 des Betroffenen.

Welchen Hintergrund hat das Schreiben der Finanz?
Das Schreiben hat einen einzigen Hintergrund: Die Finanz will Steuersündern aus der Zeit auf die Spur kommen. Doch warum geht der österreichische Fiskus dieser Sache erst jetzt nach? „Offenbar wurde in der Zeit zwischen dem Abschluss des Steuerabkommens Österreich – Schweiz im April 2012 und dessen Inkrafttreten im Jänner 2013 von österreichischen Steuerpflichtigen viel Vermögen aus der Schweiz abgezogen“, erläutert Anja Cupal, Finanzstrafexpertin der TPA Steuerberatung. Meist war das mit der Schließung des Kontos oder Depots und durch Rückübertragung des Geldes nach Österreich verbunden. Wer das so praktiziert hat, wurden in der Branche salopp als Ab- oder Rückschleicher bezeichnet.

Was der Informationsaustausch bedeutet
Der Grund für den monetären Exodus: Seit Anfang 2013 gilt das Steuerabkommen Österreich - Schweiz. Anstatt von der im Abkommen geschaffenen Möglichkeit einer rückwirkenden Sanierung Gebrauch zu machen, lösten die Betroffenen die Konten in der Schweiz auf und entzogen sich so zunächst der Anwendung des Abkommens.

Bisher waren Anfragen gesetzlich nicht möglich
Doch warum versucht die österreichische Finanz Personen, die in dieser Zeit Geld aus der Schweiz repatriiert haben, erst jetzt auf die Schliche zu kommen?
Weil diese früher keine rechtliche Handhabe hatte. So stellte das österreichische Finanzministerium zwar bereits Ende 2014 für diese Personen eine Gruppenanfrage an die Schweiz. Diese blieb jedoch unbeantwortet, da nach damaligem Schweizer Recht Gruppenanfragen nur für Sachverhalte zulässig waren, die sich nach dem 1. Februar 2013 ereigneten. Die Identität der „Abschleicher“ blieb daher bisher gewahrt.

Konten und Depots werden nach Auffälligkeiten gescreent
Im Jahr 2017 verständigten sich Österreich und Schweiz schließlich darauf, die Möglichkeit von Gruppenansuchen auch für vergangene Jahre zu erweitern. Anfragen können nunmehr auch Fakten basierte, relevante Verhaltensmuster zum Gegenstand haben, um so zu erkennen, ob bzw. welche Personengruppen Steuervorschriften verletzt haben. „Auch wenn Experten die Anwendung dieser Vereinbarung auf „Abschleicher“ kritisch sehen, scheint die Finanzverwaltung mit einer solchen Gruppenanfrage erfolgreich gewesen zu sein. Die jetzt versendeten Schreiben basieren offensichtlich auf einer solchen Anfrage“, erläutert TPA-Finanzstraftechtsexpertin Cupal.


„Hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Finanzstrafverfahren eröffnet wird“

Sie haben ein solches Schreiben erhalten? Was Betroffene erwartet und was zu tun ist
Betroffene sollten sich schon mal auf Schwierigkeiten gefasst machen. „Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass im Zusammenhang mit den ausländischen Kapitaleinkünften der Jahre 2011 und 2012 ein Finanzstrafverfahren eröffnet wird“, warnt Finanzstrafexpertin Cupal. Wichtig sei jetzt zunächst einen kühlen Kopf zu bewahren und zu prüfen, ob Betroffene hinsichtlich dieser Jahre noch Unterlagen haben, so die TPA-Steuerberaterin. In jedem Fall ist es äußerst ratsam, in dieser heiklen Situation mit Finanzstrafrechtsexperten zusammenzuarbeiten. „Wir begleiten Sie bei den weiteren Schritten“, beruhigt Cupal.

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