Schwarzer Tag an den Börsen

Schwarzer Tag an den Börsen

Die US-Börsen haben am Mittwoch tiefrot geschlossen. Und auch in Asien sind kräftige Verluste zu verzeichnen. Die Verkaufswelle ging rund um den Erdball. Europas Börsen haben am Donnerstag ebenso tiefrot in den Handel eröffnet. Der Verlust war jedoch nicht so hoch, wie in den USA oder Asien. Uneinigkeit herrscht bei Analysten noch darüber ob es sich nur einen Einbruch oder gesunde Korrektur handelt.

Ein schwarzer Börsentag haben die US-Börsen zu verzeichnen: Am Mittwoch sind die US-Börsen abgestürzt. An der Wall Street sackte der Dow Jones um 3,15 Prozent ab und musste damit die deutlichsten Verluste seit mehr als einem halben Jahr hinnehmen. Der Technologieindex NASDAQ-100 rutschte sogar um 4,4 Porzent ab, S&P 500 notierte am Mittwochabend zum Börsenschluss um 3,29 Prozent tiefer. Nach den US-Aktienmärkten haben auch die Börse in Asien massiv verloren. Die Leitindices hatten bis zu fünf Prozent verloren. Der Der Tokioter Aktienmarkt hat am Donnerstag im Einklang mit den asiatischen Börsen tiefrot geschlossen. Der Nikkei-225 ist um 3,89 Prozent eingebrochen.

International drücken die Bedenken der Anleger vor steigenden Kapitalmarktzinsen merklich auf die Stimmung. Marktbeobachtern zufolge sind die steigenden Zinsen in den USA ein Grund für die aktuelle Verkaufswelle bei Aktien.

An den US-Börsen hat es vor allem Technologiewerte getroffen, deren Börsenkurs zwischen vier und fast neun Prozent verloren haben. Zu den Verlierern gehören Apple (-4,6%), Amazon (-6,1), Netflix (8,3%), Facebook (4,1%), Google (Alphabet A -4,6% sowie Microsoft (-5,4%).

Die Wiener Börse hat sich am Donnerstag im Frühhandel nach sehr schwachen Überseebörsenvorlagen tiefrot präsentiert. Der ATX rutschte bis 9.45 Uhr um 57,49 Punkte bzw. 1,77 Prozent tiefer auf 3.195,34 Punkte. Bis 11.16 Uhr hat der ATX insgesamt über zwei Prozent verloren. Im Einklang mit einer klar negativen europäischen Börsenlandschaft steht der ATX bereits vor seinem 5. Verlusttag in Folge.

Der Euro hat sich zum US-Dollar am späten Donnerstagvormittag etwas höher zum Richtkurs der EZB vom Mittwoch und wenig verändert gegenüber dem Niveau von heute Früh gezeigt. Die Gemeinschaftswährung notierte um 11 Uhr bei 1,1547 Dollar nach 1,1553 Dollar um 9 Uhr.

Trotz massiver Kursverluste an den US-Aktienmärkten am Vorabend haben die Anleger den Dollar nicht wie gewöhnlich als sicheren Anlagehafen genutzt.

Auch an den anderen Börsen in Europa kommt es am Donnerstag zu kräftigen Rücksetzern.

Der Euro-Stoxx-50 stand gegen 10.00 Uhr mit minus 1,41 Prozent oder 46,10 Punkte bei 3.220,80 Einheiten. Der DAX in Frankfurt verlor 1,20 Prozent oder 140,20 Zähler auf 11.572,30 Punkte. In London zeigte sich der FT-SE-100 mit minus 1,29 Prozent oder 92,22 Einheiten auf 7.053,52 Punkte ebenfalls klar tiefer.

Die "verrückte Fed"

"Anlass, sich um die Verfassung der Märkte Sorgen zu machen, gab es zuletzt zuhauf", sagte Christian Schmidt von der Helaba. Der Analyst verwies erneut auf den Handelsstreit zwischen den USA und China, die Staatsverschuldung Italiens und vor allem auf steigende Zinsen. Als Schuldigen für die Verluste an der Wall Street am Vortag habe man indes US-Präsident Donald Trump ausgemacht, der die unabhängige US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ungewöhnlich scharf kritisiert hatte.

"Ich denke, dass die Fed einen Fehler macht", hatte Trump in der Nacht zu Donnerstag auf die Frage eines Journalisten nach dem heftigen Kursrückgang an der Wall Street gesagt. Die Notenbank fahre geldpolitisch einen zu straffen Kurs. "Ich denke, dass die Fed verrückt geworden ist", fügte der US-Präsident hinzu. Zuvor hatte Trump bereits mehrfach die seiner Meinung nach zu schnell steigenden Zinsen in den USA kritisiert.

Die jüngste Talfahrt an den Börsen sei eine "Kurskorrektur", die seit langem erwartet worden sei: "Aber ich bin wirklich nicht damit einverstanden, was die Fed da macht."

Trump hat mit seiner bereits mehrfach geäußerten Kritik an der Fed mit einer Tradition gebrochen, wonach sich US-Präsidenten nicht in das Geschäft der eigentlich unabhängigen Zentralbank einmischen.

Die Vorwürfe lassen Notenbankchef Jerome Powell bisher aber kalt: Bei geldpolitischen Entscheidungen spielten "politische Faktoren oder ähnliches" keine Rolle, betonte er nach der jüngsten Zinserhöhung im September. Diese Haltung gilt Experten als entscheidend für die Glaubwürdigkeit der Fed. Das zeigt auch der Blick auf die Türkei: Denn die massive Kritik des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an der dortigen Zinspolitik hat Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank aufkommen lassen und mit zur Währungskrise beigetragen.

Für die Wall Street geht Trump offenbar von weiteren Verlusten aus. Er sprach von einer Kurskorrektur. Auch Ökonom Oliver Pursche vom Vermögensverwalter Bruderman Asset Management in New York hält dies für plausibel: "Das ist wahrscheinlich der Beginn der Korrektur."

Widerspruch vom Finanzminister

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat seinem Präsidenten Donald Trump widersprochen. Die US-Notenbank Fed sei nicht verantwortlich für den Kurssturz an der Wall Street, sagte Mnuchin am Donnerstag dem US-Sender CNN am Rande der IWF-Herbsttagung auf der indonesischen Insel Bali. "Ich denke nicht, dass es Nachrichten waren, die aus der Fed kamen, die es nicht schon vorher gab." Märkte "gehen hoch und Märkte gehen runter."

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