Schutzmasken statt Strumpfhosen bei Wolford

Wolford hat seine Produktion auf Gesichtsmasken umgestellt. Zusammen mit anderen Vorarlberger Unternehmen will der Strumpfkonzern auch Spezialmasken für medizinisches Personal anbieten.

Schutzmasken statt Strumpfhosen bei Wolford

Schicker Schutz. Wolford bietet die Gesichtsmasken über seinen Onlineshop

Um die eigenen Mitarbeiter im Zuge der Corona-Pandemie besser schützen zu können, hat Andreas Röhrich, Leiter Innovation beim Strumpf- und Dessoushersteller Wolford, einen Schnellschuss gewagt. „Wir haben die Schalen genommen, aus denen wir sonst BHs herstellen, und daraus Schutzmasken entwickelt“, sagt der Manager. Gingen die ersten selbst produzierten Masken an die Wolford-Mitarbeiter in Risikogebieten wie Österreich und Italien, entschied sich das Unternehmen dieser Tage, die gesamte Produktion im Hauptwerk in Bregenz und in Slowenien umzustellen und die Gesichtsmaskenproduktion hochzufahren. „Aktuell liegt unser Output bei 500 bis 600 Stück pro Tag. Unser Ziel ist es, in die Größenordnung von ein paar Tausend Masken pro Woche zu kommen“, sagt Röhrich, der das Projekt koordiniert.

Dafür muss der Manager aber erst mal etliche Mitarbeiter zurück ins Werk holen, die bereits auf Kurzarbeit geschickt wurden. Ein weiteres wichtiges Thema, das er abklären muss: die Stabilität der Lieferkette. „Wir prüfen derzeit, ob wir die benötigten Stoffe auch weiterhin aus Belgien beziehen können“, sagt Röhrich. Vertrieben werden die schwarzen Masken, die in der typischen Wolford-Ästhetik daherkommen (siehe Foto), über den Onlineshop des Unternehmens – und zwar zum Selbstkostenpreis. Aber auch hier heißt es aktuell: ausverkauft!

Ohne Zulieferer

Durch seine Expertise im Bereich der BHs ist Wolford aber auch bei anderen Anti-Corona-Hilfsprojekten im Ländle ein geschätzter Partner. Ein solches verfolgt etwa der Vorarlberger Textilunternehmer Günter Grabher. „Vor rund vier Wochen haben wir gesehen, dass sich die Situation zuspitzt und es kaum noch Mund-Nasen-Masken für medizinisches Personal in Österreich gibt“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen Gruppe und Leiter der lokalen Smart-Textiles-Plattform.

Mit einigen der dort engagierten Unternehmen hat er sich dann an die Aufgabe gemacht, in kürzester Zeit eine eigene Produktion in Vorarlberg aufzuziehen. Dabei kam ihm zugute, dass in Lustenau und Umgebung jahrzehntelang Schutzkleidung hergestellt wurde, bevor diese in Billiglohnländer abwanderte.

„Viele europäische Länder schauen ein bisschen neidisch auf Österreich, weil hier noch die komplette Wertschöpfungskette vorhanden ist“, sagt Grabher und ergänzt: „Wir kommen komplett ohne ausländische Zulieferer aus.“ Ein Umstand, der in Zeiten von Grenzschließungen und Lieferkettenproblemen im Zuge der Corona- Krise ein großer Vorteil ist. „Die große Herausforderung bestand für uns darin, die von uns produzierten Komponenten zusammenzufügen“, erklärt der Unternehmer, der dann aber die Lösung darin fand, einen Teil der Konfektionierung automatisiert mit Stickmaschinen abzuwickeln. Jede Maschine verfügt über mehr als 300 Nadeln. Allein bei der Stickerei Hämmerle stehen vier solcher riesigen Nähstraßen: „Händisch wären die von uns geplanten Stückzahlen nicht zu schaffen gewesen“, so Grabher.

Zwei Millionen Masken

Um die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken, sind mehrere Unternehmen mit unterschiedlichen Kompetenzen beteiligt: Die Weberei Getzner produziert die Stoffe, die Firma Bandex die Bänder, Hämmerle ist zuständig für den Stickereiprozess und die Grabher-Gruppe für die Veredelung. „Wir besitzen eine der weltweit größten Anlagen zur Hydrophobierung. Anstatt der Feuerwehranzüge, die wir sonst veredeln, beschichten wir jetzt die Stoffe für die Gesichtsmasken so, dass tatsächlich ein Schutz gegen Tropfen besteht“, erklärt der Unternehmer.

Die Firma Technoplast übernimmt die Entwicklung der Ventile für Schutzmasken mit höheren Sicherheitsstufen, die im nächsten Schritt lokal gefertigt werden sollen. Wolford will sich bei diesem Vorarlberger Gemeinschaftsprojekt ebenfalls einbringen: „Unser Beitrag kann darin bestehen, dass wir Material zuschneiden, konfektionieren oder unsere Verformungstechnologie einsetzen“, sagt Röhrich von Wolford.

Die ersten Masken für den medizinischen Bereich laufen derzeit bereits vom Band. „Jetzt warten wir noch gespannt auf die Zertifizierung“, sagt der Projektleiter Grabher, der extra nach Stuttgart gefahren ist, um erste Prototypen beim dort ansässigen Prüfinstitut persönlich abzugeben. Ein Schreiben der Wirtschaftsministerin hat ihm die Wiedereinfahrt nach Österreich ermöglicht.

Der Bedarf der österreichischen Spitäler wird auf zwei Millionen Masken geschätzt. Hier will Grabher mit seiner Initiative einen Beitrag leisten, damit es hoffentlich zu keinen Engpässen mehr kommt.



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