Schneider Electric: Die Zukunft ist grün

Schneider Electric: Die Zukunft ist grün

Jean-Pascal Tricoire, CEO von Schneider Electric

"Life is On" ist das Motto des französischen Konzerns Schneider Electric. Dessen CEO Jean-Pascal Tricoire hat das Unternehmen in den letzten Jahren konsequent und mit Erfolg in Richtung Umwelttechnologie gedreht. In Österreich arbeiten 430 Menschen für den Automatisierungs-Spezialisten, der weltweit rund 170.000 Mitarbeiter beschäftigt.

In seiner Zunft ist Jean-Pascal Tricoire, der CEO von Schneider Electric, eine Ausnahmeerscheinung. Wenn der 52-jährige, drahtige Franzose wie beim Innovation Summit im April auf der Bühne steht und von der Zukunft spricht, dann käme man nicht auf die Idee, dass sich der Konzern, den er leitet, mit so sperrigen Themen wie Energiemanagement und Automatisierung beschäftigt. Dass er Produkte wie Frequenzumrichter, Energiezähler, Leistungsschalter und vieles mehr herstellt - Dinge, deren wahren Sinn und Nutzen nur Techniker richtig verstehen.

Auch Tricoire, der seit 1986 bei dem Konzern arbeitet und ihn seit 2006 leitet, ist ein gestandener Techniker. Doch ihm geht es nicht mehr darum, ob und wie Technik funktioniert. Das ist für ihn Grundvoraussetzung. Sein Ziel ist, die Welt mit den Produkten aus dem Hause Schneider Electric zu einer besseren, grüneren zu machen.

Um das zu erreichen hat Tricoire den Konzern, den man durchaus auch als "Siemens von Frankreich" bezeichnen kann, radikal umgebaut. Produktlinien, die nicht zu der neuen Ausrichtung passten, wurden konsequent abgestoßen. Auch, wenn mit ihnen stabile Umsätze erwirtschaftet werden konnten. Die Sparte Transportation etwa, deren Übernahme durch den österreichischen Mautsystemanbieter Kapsch TrafficCom Anfang April abgeschlossen wurde. Kapsch zahlte 26 Millionen Euro für den Bereich, der zuletzt ein leicht positives Betriebsergebnis abwarf und 125 Millionen Euro umsetzte. Die 900 Mitarbeiter werden von Kapsch TrafficCom mit übernommen. Auf der anderen Seite hat Schneider in den letzten Jahren zahlreiche Unternehmen übernommen, etwa Mitte 2013 das britische Technologie-Untenehmen Invensys, wofür knapp vier Milliarden Euro gezahlt wurden.

Auf und ab an der Börse

An der Börse wurde der neue Kurs nicht immer goutiert. Das Papier (ISIN FR0000121972) hat in den letzten Jahren einige Kurssprünge hingelegt und notiert aktuell bei 58,63 Euro. Auf Basis des Wachstumspotenzials sehen viele Analysten die Aktie als unterbewertet. Mit einer Marktkapitalisierung von 34,9 Milliarden Euro, einem KGV von 24,02 und einer EBITDA Marge von 12,03 Prozent steht das Unternehmen allerdings auf recht gesunden Beinen. Und im Vergleich mit den anderen großen Playern der Branche, Siemens, ABB, General Electric und Hitachi, stimmt auch der Erlös. Den am 21. April bekanntgegebenen Ergebnissen für das erste Quartal 2016 ist der Erlös gegenüber dem Vorjahr allerdings um 3,7 Prozent leicht auf 5,77 Milliarden Euro zurückgegangen. Das Ergebnis wurde vor allem durch die schwierige Situation in China und in der Öl- und Gasindustrie gedrückt. Wieder eine Bestätigung für Tricoire, sich auf zukunftsträchtige, profitable Bereiche zu konzentrieren und dafür auch auf Umsätze zu verzichten.

Das volle Leben

Tricoire hat den französischen Konzern unter den Slogan "Life ist On" gestellt. "On", so sagt er, ist das Leben aber nur dann, wenn auch die Energie "On" ist und genau darin sieht der Firmenchef die größten Herausforderungen und gleichzeitig auch Chancen der kommenden Jahrzehnte, für sein Unternehmen, die Wirtschaft und die Gesellschaft: Die Mega-Trends unserer Zeit, Urbanisierung, Digitalisierung und Industrialisierung, treiben den globalen Energiehunger. Gleichzeitig gibt es die Herausforderung, den beim klassischem Energiekonsum in großen Mengen anfallenden CO2-Ausstoß dramatisch zu reduzieren.

Highlights aus der Keynote von Schneider Electric CEO Jean-Pascal Tricoire am Innovation Summit 2016

"Die Art, wie wir Energie erzeugen, sie verteilen und konsumieren hat sich seit Beginn der Elektrifizierung kaum verändert", sagt Tricoire. Wenn der Energieverbrauch nur um den Faktor 1,5 zunimmt und gleichzeitig die CO2-Emissionen halbiert werden sollen, dann bedeutet das, dass die generelle Energieeffizienz schon um einen Faktor verbessert werden müsse. Tatsächlich sind die Prognose zum zukünftigen Energieverbrauch aber noch weit höher. Durch die Urbanisierung wird demnach der globale Energieverbrauch gegenüber dem Jahr 2000 bis zum Jahr 2040 um 80 Prozent zunehmen; alleine in den kommenden 15 Jahren wird er sich gegenüber 2015 verdoppeln. Auch deswegen, weil bis heute noch ein Drittel der Weltbevölkerung von der Energieversorgung abgeschnitten ist.

Den Menschen, egal wo sie sich befinden, Zugang zu Energie zu geben, ist eines der Ziele, die sich der Schneider Electric CEO gesetzt hat. Das Unternehmen arbeitet daher auch an entsprechenden Projekten zur Elektrifizierung von Entwicklungs- und Schwellenländern. "Wir sehen den Zugang zu Energie und Elektrizität als ein grundlegendes Menschenrecht. Aber so wie wir heute mit Energie umgehen ist das nicht umsetzbar. Wir nutzen unsere Ressourcen nicht nachhaltig genug." Energie zu verwenden, nicht zu verschwenden - der alte Spruch hat für den Franzosen nicht nur weiterhin uneingeschränkt Gültigkeit, sondern sogar eine immer noch steigende Relevanz. "Energiemanagement ist der schnellste, billigste und sauberste Weg zur Verringerung des Energieverbrauchs. Wir haben die Chance, die Zukunft zu gestalten. Das Potenzial ist enorm, und der einfachste Weg, Energie zu sparen ist Energieeffizienz", erklärt er.

Grün ist die Hoffnung

Mit Schneider Electric will Tricoire daher Produkte erzeugen um die vorhandene Energie und die in Zukunft vornehmlich aus erneuerbaren Quellen stammende besser zu verwenden. 82 Prozent Sparpotenzial durch Energieoptimierung bei Gebäuden und 50 Prozent in der Industrie seien nicht ausgenutzt. "Die Digitalisierung und die Dezentralisierung der Energieversorgung ermöglichen es uns, die Welt in der wir leben neu zu gestalten. Elektrizität für alle zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig den CO2 Ausstoß zu reduzieren", sagt er und ergänzt: "2050 soll der Stromverbrauch in der EU schon zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Die Technologie, die wir dafür benötigen wird immer günstiger. Die Kosten für Solaranlagen sind etwa in nur sieben Jahren um 80 Prozent gefallen."

Der französische Konzern wurde daher auf vier Zielmärkte konzentriert: Gebäudetechnologie und Gebäudemanagement, IT - und hier vor allem das Management und die Kühlung von Daten- und Rechenzentren, Industrie und Infrastruktur. Auf diese Sektoren entfallen kumuliert 70 Prozent des globalen Energieverbrauchs. Hier sieht das Unternehmen folglich auch das größte Sparpotenzial durch Energieffizienz und die größten Chancen, um mit den eigenen Produkten, die konsequent auf offene Standards und Interoperabilität zu Produkten anderer Hersteller setzen, zu punkten.

Drei der wichtigsten Grundprinzipien, die Tricoire dabei vorgibt sind: Erstens keine Produkte zu entwickeln, für die es nicht auch auf Kundenseite einen Bedarf und Nutzen gibt; zweitens dass die Produkte einfach sein müssen, denn auch wenn sie von Technikern mit extremen Fach-Know-How entwickelt werden - verwendet und bedient werden sie in der Regel nicht von Technikern und drittens muss jede Entwicklung in bestehende Lösungen integrierbar sein. Über allem steht aber ein großes Ziel: "Mit unseren Technologien und Kunden die Welt und ihren Energieverbrauch effizienter gestalten."

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