Schattenfinanzindex: Die dunklen Wege des Geldes

Undurchsichtige Finanzsysteme begünstigen weltweit Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption. Mit dem Schattenfinanzindex zeigen NGOs die Probleme und dunklen Orte auf. Auch an Österreich, das im internationalen Vergleich im schlechten Drittel liegt, gibt es Kritik.

Die Cayman National Bank in George Town auf Grand Cayman, dem Finanzzentrum der Steueroase Westindische Inseln.

Die Cayman National Bank in George Town auf Grand Cayman, dem Finanzzentrum der Steueroase Westindische Inseln.

Das internationale Tax Justice Network hat gemeinsam mit der globalisierungskritischen Organisation Attac und dem Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) den neuen Schattenfinanzindex oder Financial Secrecy Index (FSI) vorgelegt. Korrupte Eliten, Steuerbetrüger, Steuern hinterziehende Unternehmen – die nunmehr sechste Auflage des Index zeigt, welche Staaten illegale und illegitime Finanzströme durch Geheimhaltung besonders anlocken.

Das Problem ist evident, denn durch Steuerbetrug und Steuervermeidung gehen den Staaten und damit der Allgemeinheit weltweit jährlich mehrere hundert Milliarden Euro verloren.

Der Index listet 133 Länder und kombiniert dabei den Grad an Geheimhaltung mit der Größe des Finanzplatzes. Ein Kriterium, das insofern relevant ist, da die Größe ein besseres Bild vom tatsächlichen Anteil am Problem der Finanzströme bietet.

Undurchsichtige Geschäfte

Erstmals seit Erstellung des Index liegt die Schweiz nicht mehr an erster Stelle. Angeführt wird das Ranking nun von den Cayman Islands, gefolgt von den USA. Die Schweiz liegt aber immer noch auf den unrühmlichen Rang 3. Neben den aufstrebenden Schattenfinanzzentren Hong Kong und Singapur (Plätze 4 und 5) liegen mit Luxemburg und den Niederlanden auch zwei EU-Staaten unter den Top 10 des Index.

Österreich liegt im Gesamt-Ranking auf Platz 36, nach Rang 35 im Vorjahr. Die Bemühungen im mehr Transparenz im Land tragen also langsam Früchte. Im Jahr 2012 war Österreich noch auf dem weniger rühmlichen Platz 17 gelegen. Dennoch sehen die Ersteller des Rankings Österreich immer noch im schlechten Drittel. Sie fordern mehr Steuertransparenz, internationale Kooperationen und öffentliche Register für Eigentum.


Intransparenz 2020 - 2012

Das Ranking der 50 intransparentesten Staaten der Jahre 2012, 2015, 2018 und 2020. Die jeweiligen Platzierungen einzelner Staaten können Sie auch durch Eingabe in das Suchfeld abfragen.

Rang 2020 2018 2015 2012
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Der Nebel lichtet sich - doch nicht überall

In Summe dokumentiert der Index leichte Verbesserungen an Transparenz im globalen Finanzsystem – vor allem weil Staaten verstärkt am automatischen Informationsaustausch der Steuerbehörden teilnehmen, das Bankgeheimnis schwächen oder verlangen, dass die wirklichen Eigentümer von Gesellschaften und Immobilien in einem Register erfasst werden. Doch vor allem anglo-amerikanische Finanzzentren wie die Cayman Islands, die USA und Großbritannien trotzen dem internationalen Trend.


Welt der Schattenfinanz

Die globalen Schattenfinanz-Zentren. Um zur interaktiven Karte zu gelangen klicken Sie auf die Abbildung oder hier.

Financial Secrecy Index 2020

Financial Secrecy Index 2020


Wenig Fortschritte gibt es auf globaler Ebene bei der Steuertransparenz von Konzernen. Obwohl immer mehr Konzerne bereits freiwillig ihre Steuer- und Gewinndaten veröffentlichen, gibt es auch in der EU immer noch keine Offenlegungspflichten. Der jahrelange Kampf gegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption zeigt aber langsam Wirkung. "Der Schattenfinanzindex bietet den Regierungen eine Richtschnur für mehr Transparenz im Finanzsektor. Damit ist er auch ein Werkzeug gegen Steuerbetrug und die wachsende globale Ungleichheit“, erklären Martina Neuwirth vom VIDC und David Walch von Attac Österreich. Dennoch zeigt der Index, dass für alle Staaten Verbesserungen nötig sind.


Geld im Schatten von Palmen, Regierungen und Banken

Cayman Islands, USA und die Schweiz - die Top-Sünder und das Sorgenkind Großbritannien

Ugland House in George Town, Cayman Islands. In dem Bürogebäude haben über 18.000 Unternehmen ihren Firmensitz - von der Größe eines Postkastens.

Ugland House in George Town, Cayman Islands. In dem Bürogebäude haben über 18.000 Unternehmen ihren Firmensitz - von der Größe eines Postkastens.

  • Die Cayman Islands haben sich der Ansicht der Index-Ersteller zufolge den Titel als wichtigstes Schattenfinanzzentrum ‚redlich‘ verdient. Die Intransparenz ist seit 2018 deutlich gestiegen. Das Volumen an Finanzdienstleistungen für nichtansässige Personen ist seither um um 21 Prozent gestiegen. Die Cayman Islands sind das globale Zentrum für Hedgefonds, die Briefkastenfirmen, Trusts und Limited Partnerships für ihre intransparenten Geschäfte nutzen. Ein Großteil der Finanzaktivitäten wird aufgrund der geografischen Nähe von der Wall Street gesteuert. Auch Konzerngewinne werden in hohem Ausmaß auf die Inseln verschoben. Die dort geparkten ausländischen Vermögen übersteigen das nationale BIP der Caymans mittlerweile bereits um mehr als das 1.500-fache.

  • Die USA bleiben auf Platz 2 des Index, überholen aber das bisher wichtigste Schattenfinanzzentrum, die Schweiz. Entgegen aller Versprechen ist es weiterhin möglich, gestohlenes Geld in den Vereinigten Staaten zu parken. Die USA verweigern unter Präsident Trump die Teilnahme am automatischen Informationsaustausch der Steuerbehörden. Das Ausmaß an Geheimhaltung hat sich sogar noch erhöht – etwa durch ein neues Gesetz, das intransparente Privatstiftungen in New Hampshire ermöglicht. Doch der Druck auf die USA steigt. Für 2020 sind daher einige Gesetze in Planung, um das US-Finanzsystem besser vor Missbrauch zu schützen.

  • Die Schweiz, die bisher ein Dauer-Abo als intransparentestes Land der Welt hatte, verbesserte zumindest sich auf den dritten Rang, weil das Volumen an Finanzdienstleistungen für
    nichtansässige Personen sank. Auch der hohe Geheimhaltungswert verringerte sich, weil die Schweizer Steuerbehörden mehr als bisher Steuerdaten automatisch mit anderen Ländern austauschen. Doch das berühmte Schweizer Bankgeheimnis bietet vor allem Vermögenden aus Entwicklungsländern noch immer Schutz, da diesen Ländern die wirtschaftliche Macht als Hebel für entsprechende Abkommen fehlt.

  • Großbritannien besonders besorgniserregend in Zeiten des Brexit ist die Entwicklung in Großbritannien. Dort hat die Intransparenz seit der letzten Erhebung im Jahr 2018 am meisten zugenommen. Dieser Trend setzt sich auch in dem zum United Kingdom gehörenden seinen Überseegebieten und Kronbesitzungen fort. Von ihnen erhält die City of London einen großen Teil seiner intransparenten Finanzströme. „Mit dem Brexit ist diese Entwicklung in Großbritannien insbesondere für die EU-Staaten eine große Gefahr“, erklärt John Christensen vom Tax Justice Network. Großbritanniens Position im Index hat sich vom 23. auf den 12. Platz verschlechtert.

Österreichs Transparenzproblem

Österreich schneidet vor allem bei der internationalen Zusammenarbeit, wie dem automatischen Datenaustausch, gut ab. Den größten Verbesserungsbedarf zeigt der Index für Österreich weiterhin bei der Transparenz von Eigentum und Unternehmen. Das Firmen- und Grundbuch sind zwar öffentlich, aber nicht kostengünstig zugänglich (über 10 Euro pro Abfrage). Auch das Register der wirtschaftlichen Eigentümer von Unternehmen, Stiftungen und bestimmten Treuhandschaften ist ab Jänner 2020 nur eingeschränkt öffentlich zugänglich, auch dies nicht kostenlos. „Österreich gehört auch immer noch zu den Ländern, die sich dagegen sträuben, dass multinationale Konzerne öffentlich berichten müssen, wo sie tätig sind und wie viel Steuern sie dort zahlen“, sagt Neuwirth (VIDC).

Welche Verbesserungen möglich sind, zeigt ein Vergleich mit dem Nachbarland Slowenien, das mit dem geringsten Geheimhaltungswert aller Länder auf Platz 128 liegt. In Slowenien gibt es weder Trusts, noch Treuhandschaften oder Privatstiftungen. Viele Informationen sind kostenlos und öffentlich zugänglich sind. Dazu gehören auch Informationen über die wirtschaftlichen Eigentümer von Unternehmen. Jahresabschlüsse sind ebenfalls kostenlos einsehbar, und die Daten sind im Open Data-Format durchsuch- und herunterladbar.

Vorschläge für mehr Transparenz

Die NGOs fordern, den Druck für mehr Transparenz zu erhöhen. Dabei mache es wenig Sinn, Schwarzlisten zu erstellen, auf denen nur politisch und wirtschaftlich schwache Staaten landen. Es sollten jene, die keine Steuern zahlen wollen, ins Visier genommen werden. Auch im Sinne der Migrationspolitik wäre das entscheidend. Österreich solle sich daher in der EU und in der OECD dafür einsetzen, dass auch die Länder des globalen Südens einen gerechteren Anteil an den Steuerzahlungen erhalten und automatisch am Austausch von Steuerdaten beteiligt werden, auch wenn sie selbst noch keine Daten liefern können.

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption wären vor allem die folgenden drei Maßnahmen notwendig:

  1. Kein anonymer Besitz: Die rechtlichen und wirtschaftlichen Eigentümer von Unternehmen, Immobilien, Stiftungen oder Trusts sollten in allen Ländern registriert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Das globale Antikorruptionsgremium, die Financial Action Task Force (FATF), solle daher die Einrichtung solcher Register in ihre Standards aufnehmen.
  2. Mehr Steuertransparenz von Konzernen: Die Staaten sollten multinationale Konzerne zu länderweisen Finanzberichten über ihre weltweiten Tätigkeiten verpflichten sowie die Steuerabsprachen zwischen Konzernen und Staaten veröffentlichen.
  3. Effektivere internationale Kooperation: Der automatische, länderübergreifende Informationsaustausch von Steuerdaten ist nach wie vor löchrig und muss verbessert werden.

VIDEO: Schattenfinanzindex 2020

Webinar zum Schattenfinanzindex in deutscher Sprache (Dauer: 22 Minuten). Weitere Informationen finden Sie unter www.financialsecrecyindex.com


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