SBO kämpft weiter mit der Flaute: 2017 Trendwende am Ölmarkt?

SBO kämpft weiter mit der Flaute: 2017 Trendwende am Ölmarkt?

Der niedrige Ölpreis macht dem heimischen Ölfeldausrüster SBO weiterhin zu schaffen: Der Umsatz bricht ein, unter dem Strich steht ein Verlust von 17 Millionen Euro, seit 2014 mussten 40 Prozent der Mitarbeiter gehen. Geschäftsführer Gerald Grohmann glaubt aber, dass 2017 alles besser wird - weil eine Trendwende am Ölmarkt bevorsteht.

Wenn am Ölmarkt eine Flaute herrscht, dann investieren die Unternehmen auch ungern in neues Equipment - das bekommt der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment auch heuer wieder deutlich zu spüren: Im ersten Halbjahr 2016 wurde nur noch ein Umsatz von gut 88 Millionen Euro erwirtschaftet, nach gut 186 Millionen Euro im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Dementsprechend weitete sich auch der Verlust nach Steuern aus, der sich im ersten Halbjahr auf knapp 17 Millionen Euro summierte - im ersten Halbjahr 2015 war unter dem Strich zumindest noch ein kleines Plus gestanden. Immerhin: Im Quartalsvergleich verringerte sich der Verlust von 15 Millionen Euro im ersten Quartal 2016 auf nur 1,8 Millionen Euro im zweiten Quartal 2016. Das, so betont SBO-Chef Gerald Grohmann, ist jedoch einem Einmaleffekt zu verdanken, der mit der Neubewertung einer Option zum Erwerb von Minderheitsanteilen an der Tochter Resource zusammenhängt. Im Halbjahr führte die Bewertung zu einem nicht cash-wirksamen Einmalertrag von 10,5 Millionen Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte im Jahresabstand von positiven 45,1 Millionen Euro auf negative 5,7 Millionen Euro, nachdem heuer auch im ersten Quartal schon ein kleines Minus stand. Das operative Betriebsergebnis (EBIT) vor Sondereffekten lag bei minus 28,9 Millionen Euro; das berichtete EBIT sackte auf minus 36,2 Millionen nach positiven 19,3 Millionen Euro ab.

Der Auftragseingang sank um 28,4 Prozent auf 75 Millionen Euro, der Auftragsstand lag zum 30.6. bei 21,1 Millionen Euro - nach 34,3 Millionen Euro Ende 2015, beziehungsweise 60,9 Millionen Euro Mitte 2015.

Entsprechend der schwierigen Marktsituation muss das Unternehmen weiterhin den Rotstoift ansetzen. So wurden die Investitionen in Sachanlagen und immaterielles Vermögen (CAPEX) im Halbjahr um 54,0 Prozent auf 5,9 (12,9) Mio. Euro zurückgefahren - ausgenommen davon blieb jedoch der Bereich F&E. Zudem werden die Betriebe in Singapur restrukturiert: Zu Ende des zweiten Quartals wurde beschlossen, die beiden Töchter dort miteinander zu verschmelzen, das soll nachhaltige Kostenvorteile bringen.

Service-Link: Der SBO-Aktionärsbericht zum ersten Halbjahr 2016.

Auch das Personal bleibt nicht verschont: Die Kurzarbeit am Standort Ternitz in Niederösterreich wurde bis 31. Jänner 2017 verlängert, der Personalstand von SBO lag Ende Juni bei 1.183, ohne die in Texas zugekaufte Downhole Technology waren es 1.028 (nach 1.135 Ende 2015 und 1.279 Mitte 2015). Ende 2014 hatte der Ölfeldausrüster noch 1.720 Mitarbeiter gezählt - seit Beginn des Abschwungs im besagten Jahr haben somit mehr als 40 Prozent der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Kommt 2017 die Trendwende?

Nicht nur SBO, sondern die gesamte Branche der Ölfeldausrüster ist von der aktuellen Flaute betroffen - allerdings erwartet Grohmann für das kommende Jahr 2017 endlich ein Ende des Ungleichgewichts am Ölmarkt, wodurch die Ölindustrie zu neuen heiß ersehnten Investments veranlasst werden könnte. sei aber auch für SBO ein "extrem schwieriges Jahr", das gelte auch für die nächsten Quartale, so Grohmann: "Der Abschwung ist noch nicht vorbei."

Die Erwartung sei, dass es 2017 zu einer Balance von Angebot und Nachfrage auf den internationalen Ölmärkten kommt und deshalb von den Playern der Ölindustrie wieder mehr investiert wird. Je länger die Investitionsflaute anhalte, desto größer werde auch der Nachholbedarf sein, "denn man kommt möglicherweise in eine Under-Supply-Situation hinein".

Irak: Freiwillige unterstützen die Armee im Kampf gegen die sunnitische Terrorgruppe IS.

Sunniten und Schiiten: Klicken Sie auf das Bild, um mehr über die Machtverhältnisse im Nahen Osten zu erfahren.

Bis dahin müsse man sich auf eine gewisse Zeit der Volatilität einstellen. Ja, die Zahl der Ring-Counts, also der neuen Bohrlöcher, sei schon länger - etliche Wochen - im Steigen begriffen, "aber wir sehen noch nicht, dass die Ölfirmen in einem größeren Ausmaß in Exploration und Produktion investieren - ganz im Gegenteil". Die entsprechenden Investitionen würden nämlich heuer um weitere 26 Prozent zurückgehen, lauten Schätzungen, nach bereits 21 Prozent Minus im Jahr 2015.

Seitens der Konjunktur sieht Grohmann durchaus eine lebhaftere Ölnachfrage. In China habe sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Aber die ohnedies recht vorsichtige Internationale Energie-Agentur (IEA) habe die Erwartung für den weltweiten Ölverbrauchsanstieg im Jahr 2016 von früher plus 1,2 Mio. Barrel täglich auf nunmehr +1,5 mb/d hinaufgesetzt - und im letzten Quartal habe der Anstieg im Schnitt sogar 1,6 Mio. Fass pro Tag betragen, so der SBO-Chef.

Wenig Erwartung an die OPEC

Die Erwartungen für das geplante OPEC-Treffen Ende September in Algerien hängt Grohmann entsprechend früherer Erfahrungen nicht allzu hoch: "Auch bisherige Treffen sind meist ohne große Auswirkungen geblieben." Es gebe ein Tauziehen zwischen sunnitischen und schiitischen Einflussbereichen, und der auf den Ölmarkt zurückgekehrte Iran wolle auch sein Stück vom Kuchen. Endlos könne "das Spiel" aber nicht gehen, denn die Saudis und der Iran würden bereits nahe ihres Maximums fördern. Allerdings könne dieser "Poker um Marktanteile" den Aufschwung noch etwas hinauszögern, sagt der SBO-Chef.

Aufgrund der guten Bilanzstruktur sieht Grohmann die SBO gut gerüstet für den für 2017 erhofften Rebound. Möglicherweise könne man von der Trendwende sogar besser profitieren als andere Ölfeldausrüster: "Es wird eine Marktbereinigung kommen, die vielleicht nicht alle Konkurrenten so gut überleben wie wir".

Aktie fällt

Die Analysten von der Baader Bank empfehlen bei der Aktie an der Seitenlinie zu bleiben, da die Titel außerordentlich hoch bewertet seien. Die SBO-Papiere reagierten nach Eröffnung der Börse mit einem Kursverlust von 2,17 Prozent und weiteten diesen Verlust bis kurz vor 12 Uhr um 4,14 Prozent auf 57,42 Euro aus. Im laufenden Jahr hat die Aktie 13,91 Prozent an Wert gewonnen, dem war jedoch ein langer Verfall vorweggegangen: Im Juli 2014 hatte die Aktie noch 96,16 Euro gekostet.

Auf den Chart klicken, um mehr über die SBO-Aktie zu erfahren.

OeNB: Immo-Preisauftrieb in Wien geringer, außerhalb beschleunigt

Wirtschaft

OeNB: Immo-Preisauftrieb in Wien geringer, außerhalb beschleunigt

EU nimmt wegen Kartellermittlungen "Nachprüfung" bei Daimler vor

Wirtschaft

EU nimmt wegen Kartellermittlungen "Nachprüfung" bei Daimler vor

Domino's American Style Pizza nimmt Anlauf nach Österreich.

Wirtschaft

US-Kette Domino's Pizza mit großen Plänen für Wien