SAP will über die Wolke mehr Gewinn regnen lassen

SAP will über die Wolke mehr Gewinn regnen lassen

Drei Fakten sollen CEO Bill McDermott mit SAP voranbringen: Cloud, Zukäufe und Steuerzuckerln "Made in USA".

Der deutsche Softwareriese SAP legt durchwachsene Zahlen vor, präsentiert gleichzeitig einen Milliarden-Deal und bekräftigt, Umsatz und Gewinn massiv zu verbessern. Einen neuen Freund hat SAP mit Donald Trump - dank einer großzügigen neuen US-Steuerpolitik.

Walldorf. Europas größter Softwarehersteller SAP will die Milliarden-Investitionen in das Cloud-Geschäft heuer wieder in steigende Ertragskraft ummünzen. Zudem schaltet der deutsche Softwarekonzern aus dem süddeutschen Walldorf auch im Wettbewerb mit dem großen US-Rivalen Salesforce einen Gang höher: Für 2,4 Mrd. US-Dollar (1,94 Mrd. Euro) will er den US-Anbieter Callidus kaufen. Die Software des US-Softwareunternehmens soll Vertriebsprozesse von Unternehmen erleichtern und verbessern, was bisher eine Domäne von SAP-Konkurrenten Salesforce ist.

Im Cloud-Geschäft wird Software zentral in Rechenzentren betrieben und dann zur Nutzung quasi an die Kunden vermietet - und nicht auf deren Rechnern installiert. Das kostet SAP gerade am Anfang mehr Geld als das traditionelle Geschäft mit Lizenzen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 hat SAP insgesamt 23,46 Mrd. Euro umgesetzt - das ist ein Plus von 6 Prozent. Das operative Ergebnis legte um 2 Prozent auf 6,77 Mrd. Euro zu. Unter dem Strich stieg der Gewinn um 12 Prozent auf 4,06 Mrd. Euro. "Wir haben große Versprechen gegeben und wir haben diese Versprechen gehalten", sagte McDermott.

Vor allem mit dem Ausbau des Cloud-Geschäfts will SAP Umsatze und Erträge kräftiger steigen als zuletzt. Die Umsatzrendite - also das, was vom Umsatz als Gewinn vor Steuern und Zinsen übrig bleibt - soll zum ersten Mal seit 2013 wieder zulegen, wie Vorstandschef Bill McDermott in Walldorf sagte. Im Schlussquartal hatte SAP bereits zulegen können. Die versprochene Wende habe der Konzern im 4. Quartal eingeleitet. 28,9 Prozent waren es am Ende in 2017, 29,9 Prozent könnten es laut SAP-Prognose im besten Fall in 2018 werden. Dann will SAP auch erstmals mehr Umsatz mit der Cloud als mit dem Verkauf von Softwarelizenzen machen, wie Finanzchef Luka Mucic sagte.

Die viel beachteten neuen Buchungen im Cloud-Geschäft, die das Zukunftsgeschäft ausmachen, zogen im Weihnachtsquartal um 31 Prozent an. Firmenchef Bill McDermott erklärte deswegen: "Die Zukunft von SAP ist grundsolide."

Im traditionellen Geschäft mit Lizenzanwendungen läuft das Geschäft hingegen alles andere als rund: Der Umsatz ist fünf Prozent zurückgegangen. Der Betriebsgewinn stagnierte im Abschlussquartal bei 2,364 Mrd. Euro.

Die SAP-Aktie hatte zuletzt Federn gelassen. Das soll sich heuer wieder ändern.

Der Aktienkurs von SAP ist am Dienstag auf der Stelle getreten und notierte mit 92,49 Euro um 0,6 Prozent schächer als am Vortag. Die Resultate des Softwareherstellers zeigten mehr Licht als Schatten, schrieb Commerzbank-Analyst Thomas Becker. Zwar sei das Schlussquartal 2017 etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben, das Cloud-Geschäft habe sich aber ordentlich entwickelt.

Einen größeren Einkauf hatte SAP zuletzt 2014 mit dem acht Mrd. Dollar teuren Reisekostendienstleister Concur gewagt. Danach folgten Jahre mit kleineren Zukäufen. Nun macht McDermott wieder Dampf im Geschäft um die Kunden vor allem auf dem US-Markt, der schon deutlich stärker auf Software zur Miete aus dem Internet setzt. Die Schulden aus dem Concur-Geschäft hat der Konzern inzwischen wieder weitgehend abgebaut.

McDermott bezeichnete Callidus als innovativste Firma auf ihrem Gebiet. Die Callidus-Aktionäre müssen noch zustimmen, zudem braucht SAP die Erlaubnis der Wettbewerbsbehörden.

Das Steuerzuckerl

SAP-Chef McDermott zieht rund ein Jahr nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump eine positive Bilanz. "Es gibt keine Zweifel, dass die Steuerpolitik von Trump sehr positive Auswirkungen auf Wachstum und Fortschritt in den Vereinigten Staaten hat", sagte McDermott.

Zugleich wandte er sich gegen den Eindruck, dass neue Handelsbarrieren aufgebaut würden. In Davos sei es darum gegangen, wie man Zusammenarbeit in einer gespaltenen Welt erreichen könne. "Wir erleben gerade, wie das Umfeld immer unternehmens- und wachstumsfreundlicher wird. Besser geht es nicht." Das wiederum führe dazu, dass Unternehmen neue Mitarbeiter einstellten und wiederum mehr Steuern zahlten. McDermott hatte neben anderen Chefs europäischer Großkonzerne in Davos an einem Abendessen mit Trump teilgenommen.

Der 56-jährige US-Amerikaner, der in Deutschland wie auch den USA lebt, betonte: "Wir bei SAP sind stolz auf unsere deutschen Wurzeln." Das Geschäft hierzulande sei "sehr solide" und zeige nun große Fortschritte beim Übergang ins Cloud-Zeitalter. Bezüglich der Transformation in die Datenwolke sagte McDermott: "Die gute Sache ist, dass wir eine Wahl geben. Das zahlt sich aus."

Fürs laufende Jahr kündigte McDermott, der dem Walldorfer Konzern seit 2010 vorsteht, eine Straffung des Geschäfts an. Unter anderem dadurch werde es möglich sein, die Marge wie angekündigt zu verbessern. "Wir sind auf sehr gutem Weg, unsere Ziele für 2020 zu erreichen."

Der wertvollste Technologiekonzern Europas peilt unter anderem an, bis dahin den Umsatz auf 28 bis 29 Mrd. Euro zu steigern. Im abgelaufenen Jahr lagen die Erlöse bei 23,46 Mrd. Euro.

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