SAP-Chef Bill McDermott ist überraschend zurückgetreten

SAP CEO Bill McDermott: Im Jahr 2016 der absolute Spitzenverdiener unter den DAX-Vorstandschefs

SAP CEO Bill McDermott: Im Jahr 2016 der absolute Spitzenverdiener unter den DAX-Vorstandschefs

Der Konzern-Chef des größten europäischen Softwarehauses hat für seinen Rücktritt zunächst keinen konkreten Grund genannt. Die Anleger jubeln. Erst im Verlauf des Tages hieß es, der Abgang sei lange geplant. McDermott meinte selbst dann doch, dass er was Neues tun wolle. SAP wird künftig von einer Doppelspitze geführt.

Walldorf. - Überraschender Führungswechsel bei SAP: Der langjährige Chef des deutschen Softwareriesen Bill McDermott gibt seinen Posten vorzeitig an eine jüngere Doppelspitze ab. Mit sofortiger Wirkung übernehmen die Amerikanerin Jennifer Morgan (48) und der Deutsche Christian Klein (39) die Leitung des größten IT-Konzerns Europas. SAP ist damit der erste Dax-Konzern mit einer Frau an der Spitze.

Die Anleger freuen sich offenbar über den Abgang von McDermott. Die SAP-Aktien [ISIN DE0007164600] legten am Freitag um mehr als 9,3 Prozent [MEZ 16 Uhr] zu. Was nicht nur mit dem Abgang des SAP-CEO alleine zu tun haben dürft. Europas größtes Softwarehaus konnte zugleich unerwartet gute Zahlen für das dritte Quartal präsentieren.

Kam für die Öffentlichkeit der Abgang nun überraschend, soll der US-Amerikaner seine Demission angeblich schon vor über einem Jahr vorbereitet haben. Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte nach der plötzlichen Botschaft nachgelegt. In einer E-Mail an die Mitarbeiter hatte SAP-Aufsichtsratschef Plattner erklärt bereits vor einem Jahr erstmals über eine Nachfolgeregelung gesprochen zu haben. Dann seien die ersten Schritte eingeleitet worden, um das Doppel Morgan/Klein in neuen Führungspositionen auf ihre Aufgabe als neue Chefs vorzubereiten.

Einfach was anderes tun

McDermott erklärte seinerseits in einem Schreiben an die Beschäftigten, er habe Plattner im vergangenen Jahr darüber informiert, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wolle. Nach 17 Jahren bei SAP sei es Zeit, etwas Neues zu machen. "Mit der Zustimmung des Aufsichtsrates nahmen wir Veränderungen vor, damit die Führungskräfte ihre Aufgaben erweitern und neue Bereiche unseres Unternehmens kennenlernen konnten."

McDermott war seit 2010 Vorstandssprecher des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns, zunächst als Co-Vorstandschef, seit 2014 dann allein. Der Vertrag des 58-jährigen US-Amerikaners lief eigentlich noch bis 2021. Bei SAP ist er im Jahr 2002 eingetreten als er als CEO von SAP America geholt wurde. Einen konkreten Grund für den Rücktritt nannte das Unternehmen zunächst nicht. Erst im Lauf des Tages hatte das Unternehmen nachgelegt.

Der US-Amerikaner hatte den Konzern stark in Richtung Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet umgebaut. "Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren", sagte Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner. "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen", sagte McDermott. Er hatte zuletzt noch einen Plan zur längerfristigen Effizienzsteigerung für November angekündigt.

Die neue Doppelspitze

Mit sofortiger Wirkung übernehmen somit die Amerikanerin Jennifer Morgan und der Deutsche Christian Klein die Leitung des größten IT-Konzerns Europas. SAP ist damit der erste Dax-Konzern mit einer Frau an der Spitze.

Bill McDermott (Mitte) und seine Nachfolger. Die Doppelspitze Jennifer Morgan und Christian Klein übernehmen die Leitung des deutschen Vorzeigeunternehmens SAP. [Archivfoto SAP-Hauptversammlung, Mai 2018]

Bill McDermott (Mitte) und seine Nachfolger. Die Doppelspitze Jennifer Morgan und Christian Klein übernehmen die Leitung des deutschen Vorzeigeunternehmens SAP. [Archivfoto SAP-Hauptversammlung, Mai 2018]

Über seine Nachfolger erklärte der scheidende CEO McDermott mit der für ihn typischen Begeisterung: "Es wäre untertrieben zu sagen, dass ich ein Fan von Jen und Christian bin. Ich sehe in ihnen die Weisheit, das Talent, die Leidenschaft und die Fähigkeit, dieses Unternehmen noch weiter nach oben zu bringen." Klein sagte in einem Telefoninterview mit dem TV-Sender n-tv, die neuen Chefs setzten auf Kontinuität bei der Strategie von SAP. Sie wollten auch das Effizienzprogramm weiterführen, das zu greifen beginne.

Die Rosen für die Nachfolger und das Effizienzprogramm

Branchenexperten und Kunden von SAP begrüßten den Wechsel. Mit dem Deutschen Klein als Co-Chef werde der Heimatmarkt gestärkt, erklärte Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). "Das Team an der Spitze der SAP mit Jennifer Morgan sehen wir als moderne Führungskultur." Eine Doppelspitze war bei SAP schon früher üblich. Die Betriebswirtin Morgan ist seit 2004 bei SAP, sie arbeitete früher als Unternehmensberaterin. Klein, ebenfalls Betriebswirt, begann vor 20 Jahren als Student bei SAP. Er war zuletzt unter anderem für die Weiterentwicklung des neuen Kernprodukts S/4-Hana zuständig. Jetzt soll Morgans Expertise über Kundenpflege und Vertrieb in Kombination mit Kleins Technikverständnis das Unternehmen erfolgreich halten.

"Jen und Christian" stünden jetzt vor einer großen Aufgabe, erklärte Joshua Greenbaum, Berater von EAConsult. Sie müssten den Umbau von SAP vorantreiben und gleichzeitig den Kunden die Technologie zur Firmentransformation liefern. "Es wird bei weitem nicht einfach sein, aber die Grundlagen sind vorhanden." Die Kompetenzen der beiden neuen Co-CEO ergänzten sich gut, erklärte Wolfgang Donie, Analyst von der Norddeutschen Landesbank. Anleger hätten jetzt hohe Erwartungen an den Kapitalmarkttag am 12. November, bei dem die Neuen darlegen müssten, wie sie den Gewinn in den kommenden Jahren steigern wollen.

"Ohne Bill stünde die SAP heute nicht dort, wo sie ist", sagte Aufsichtsratschef und Mitbegründer Plattner zum Ende der fast zehn Jahre langen Ära McDermott. Er sei die treibende Kraft beim Schwenk zur Zukunftstechnologie Cloud-Software gewesen, bei der Programme und Datenbanken mit flexiblen Abonnementsverträgen über das Internet bezogen werden. McDermott, ein talentierter Verkäufer, trieb den Wandel mit etlichen, teils milliardenschweren Übernahmen voran. An der Börse wuchsen nach der acht Milliarden Dollar (7,25 Mrd. Euro) teuren Übernahme des Kundenmanagementspezialisten Qualtrics zuletzt aber die Bedenken, SAP könne sich verzetteln. Erzrivale Oracle brüstete sich vor Kurzem damit, mit seinem Cloud-Programmpaket SAP viele Kunden abspenstig gemacht zu haben.

Ein potenzieller Drängler

Mit dem Hedgefonds Elliott hat der Dax-Konzern seit heuer einen Aktionär, der schon bei anderen deutschen Unternehmen wie etwa Thyssenkrupp den Vorstand mit seinen Renditeforderungen unter Druck setzte.

McDermott erklärte zu seinem Rücktritt, er sei nicht von Elliott gedrängt worden. Er hatte in diesem Jahr ein Sparprogramm eingeleitet, das auch mit Personalumbau einhergeht. Die Rendite soll bis 2023 um fünf Prozentpunkte steigen. Nach einem schwachen zweiten Quartal konnte SAP nach vorläufigen Zahlen von Juli bis September die um Sondereffekte bereinigte Marge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozentpunkte steigern auf 30,6 Prozent. Der Umsatz legte währungsbereinigt um 10 Prozent auf 6,8 Mrd. Euro zu.

McDermott will dem neuen Führungstandem bis Ende des Jahres noch als Berater zur Seite stehen. "Ich habe einen tollen Lauf und eine aufregende Fahrt genossen", sagte der New Yorker, der eine dunkle Brille trägt, seit er durch einen Unfall zu Hause auf einem Auge blind wurde. Zu seinen Zukunftsplänen sagte McDermott, der gerne auf Sport-Metaphern zurückgreift: "Ich wärme mich gerade erst auf."

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