SAP winkt Aktionären mit einer Sonderdividende

SAP winkt Aktionären mit einer Sonderdividende

Europas größtes Softwarehaus SAP will nach dem überraschenden Abgang des Vorstandschefs Bill McDermott die Aktionäre an der Stange halten. Trotz Gewinnrückgang soll eine Sonderdividende und Aktienrückkäufe die Stimmung der Anteilscheinbesitzer aufheitern.

Bill McDermott ist bei SAP Geschichte - die Doppelspitze Jennifer Morgan und Christian Klein haben sein Erbe in der Geschäftsführung angetreten. "Alles neu" - so könnte das Motto lauten. Denn kaum vier Wochen an der Spitze lässt die Doppelspitze mit einem neuen Kapitalmaßnahme aufhorchen,, die vom Aufsichtsrat prompt genehmigt wurde. Die neuen SAP-Chefs wollen den Aktionären im Jahr 2020 eine Sonderdividende im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro ausschütten. Zudem sollen bis zum 31. Dezember 2020 Rückkäufe von Aktien durchgeführt werden.

“Das Programm zur Optimierung der Geschäftsprozesse der SAP resultiert in einer weiteren Steigerung unserer Finanzleistung. Wir freuen uns, dass die SAP diesen Erfolg nun mit ihren Aktionären teilen kann", teilt das Vorstandsduo Morgan/Klein in einer Aussendung mit. Die erhöhte Kapitalausschüttung im nächsten Jahr würde somit die "große Bedeutung" unterstreichen, die SAP einer angemessenen Rendite für die Aktionäre und einer disziplinierten Verwendung der finanziellen Mittel beimisst.

Die Ausschüttung einer Sonderdividende bedarf der Zustimmung der Aktionäre im Rahmen der Hauptversammlung im kommenden Mai 2020.

SAP verfolgt damit zweierlei: Einerseits werden die Aktionäre an der Stange gehalten, andererseits sind Aktienrückkaufprogramme der legale Weg, Kurspflege und somit den Unternehmenswert an der Börse zu steigern. SAP kann es sich zudem leisten, mehr Gewinn an die Aktionäre auszuschütten, obwohl zuletzt der Gewinn etwas zurückgegangen war, aber dennoch die Erwartungen der Analysten getroffen hatte.

Der Gewinneinbruch

McDermott hatte im April noch angedeutet, SAP in den kommenden Jahren unter anderem über Margensteigerungen attraktiver für Aktionäre zu machen. Für 2018 hatte SAP 1,50 Euro je Aktie an Dividende gezahlt und damit rund 1,8 Milliarden Euro ausgeschüttet.

Allerdings hatte SAP überraschenderweise in den ersten neun Monaten 2019 mit kräftigen Gewinneinbußen zu kämpfen. Unter dem Strich schrieb der Konzern mit 1,73 Milliarden Euro 28 Prozent weniger Gewinn als ein Jahr zuvor. Vor allem die Kosten für den Personalumbau wurde für den rückläufigen Gewinn angeführt.

Die SAP-Aktie [ISIN DE0007164600] notierte am Dienstag bei 121,14 Euro leicht im Plus. Nach dem Abgang von McDermott hat sich der Kurs der SAP-Aktie nach einem kurzen Einknicken wieder erholt.

Erstmals richtig spannend werden für das neue Führungsduo Morgan/Klein der Kapitalmarkttages am 12. November 2019 in New York. Vor den US-Analysten werden die beiden neuen SAP-Vorstände erstmals Rede und Antwort stehen müssen. Sie werden nähere Details zur Kapitalallokationspolitik sowie zur weiteren SAP-Strategie samt Optimierung von Geschäftsprozessen und der Wertschöpfung bekannt geben.

Das symbolträchtige Zuckerl

Als einen Neubeginn, Re-Start würden IT-Experten dazu sagen, ist die Kapitalmaßnahme des im deutschen Nordbaden angesiedelten Softwarekonzerns allemal zu deuten. Nach dem überraschenden Abgang von McDermott streut die SAP-Führung nun ein erstes Zuckerl, um die Aktionäre, aber auch Kunden zu beruhigen.

Bill McDermott (Mitte) und seine Nachfolger: Die neue Doppelspitze Jennifer Morgan und Christian Klein wurden iim Oktober überraschend schnell mit der Leitung des deutschen Vorzeigeunternehmens SAP betraut.

Bill McDermott (Mitte) und seine Nachfolger: Die neue Doppelspitze Jennifer Morgan und Christian Klein wurden iim Oktober überraschend schnell mit der Leitung des deutschen Vorzeigeunternehmens SAP betraut.

Denn der Abgang von Bill McDermott war alle andere als glatt.. Am 11. Oktober wurde zunächst ohne Angabe von Gründen der sofortige Abgang von McDermott angekündigt. Und die Einsetzung der SAP-Manager Jennifer Morgan und Christian Klein als Doppelspitze verkündet.

Erst mit einer Verzögerung von Stunden wurden dem gebürtigen US-Amerikaner noch Rosen gestreut. Er war 17 Jahre für den deutschen Softwarekonzern tätig, leitete seit 2014 als Alleinvorstand und CEO den Softwarekonzern mit seinen gut 96.000 Mitarbeitern aus 154 Nationen.

Allerdings gab es zuletzt immer wieder Kritik von Kundenseite, die angeblich unter McDermotts Leitung abgeblockt wurde. Kunden beklagten das Kundenservice und die Ansprache. Gerade das Verhältnis zu den Kunden wurde vom SAP-Granden, Aufsichtsratschef und Co-Gründer Hasso Plattner immer wieder hervorgehoben.

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