Die Samsung-Affäre steht vor dem Finale

Samsung kommt nicht zur Ruhe: Nach der Mega-Pleite mit brennenden Smartphones geht es nun um Bestechung. Gegen Samsung-Vize-Präsident Lee, einziger Sohn von Samsung-Patriarch Lee Kun-hee, wurde ein Haftbefehl erlassen. Er soll Haupttäter eines Bestechungsskandal sein, in dem Staatspräsidentin Park und ihre beste Freundin involviert sind.

Die Samsung-Affäre steht vor dem Finale

Samsung-Vize Lee Jae-yong (i.Bi. Mitte) , Sohn des langjährigen Wirtschaftsmagnaten und Samsung-Konzern-Chefs Lee Kun-hee, steht vor Gericht. Lee droht ein Haftstrafe.

Seoul. In Südkorea fallen im Korruptionsskandal nun offenbar sämtliche Dämme: Ermittler in Südkorea haben einen Haftbefehl für den De-facto-Chef des Mischkonzerns Samsung, Lee Jae-yong beantragt. Gleich drei Anklagepunkten wurde gegen den derzeitigen Firmenchef aufgefahren. Es geht um Bestechung, Veruntreuung und falsche Zeugenaussage, wofür sich der Samsung-Erbe Lee nun vor Gericht zu verantworten hat.

Hintergrund ist der Korruptionsskandal um eine Vertraute der vorläufig entmachteten Staatspräsidentin Park Geun-hye. Der 48jährige Samsung-Vize Lee soll 43 Milliarden Won (rd. 34 Millionen Euro) an Unternehmen und an die zwei Stiftungen Mir und K-Sports überwiesen haben, wodurch sich Samsung wirtschaftliche Vorteile erkauft haben soll. Die beiden Stiftungen sind Parks umstrittener Freundin Choi Soon-sil zuzuordnen. Samsung habe im Zuge der Fusion zweier Konzerntöchter somit von höchster Stelle Rückendeckung bekommen.

Lee ist der Sohn des schwer erkrankten früheren Chefs und einst allmächtigen Patriarchen der Samsung-Gruppe, Lee Kun-hee. Der Samsung-Grande ist seit einem Herzinfarkt im Jahr 2014 arbeitsunfähig. Am Mittwoch soll nun das Gericht über die Causa und somit die Zukunft des Samsung-Spross entscheiden.

Das Team einer Sonderstaatsanwaltschaft warf dem Vize-Vorsitzender von Samsung Electronics zudem Untreue und Meineid vor. Der Spross des langjährigen Samsung-Patriarchen sollte das Unternehmen in die Zukunft führen. Zwar habe der Schritt eine große Auswirkung auf die Wirtschaft des Landes, doch sei es wichtiger, "uns an Recht und Gesetz zu halten", sagte ein Sprecher des Teams, wie südkoreanische TV-Sender berichteten. Daher hätten sie den Haftantrag bei einem Gericht in Seoul gestellt.

Der Elektronikriese hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Die Entscheidung der Ermittler sei schwer zu verstehen, hieß es in einer Erklärung. Das Unternehmen hoffe, das Gericht werde eine "angemessene Entscheidung" treffen.

Der Parteien-Filz

Südkoreas Präsidentin Park wird selbst verdächtigt, direkt oder indirekt auf den staatlichen Pensionsfonds eingewirkt zu haben, damit dieser die Übernahme des Bauunternehmens Samsung C&T durch Cheil Industries im Jahr 2015 bewilligt. An beiden hatte der Fonds Anteile. Kritiker sahen in der Fusion eine Stärkung der Gründerfamilie des Konzerns.

Die Staatsanwaltschaft stellte bereits Fondschef Moon Hyung-pyo wegen des Vorwurfs des Machtmissbrauchs unter Anklage. Moon soll in seiner früheren Funktion als Gesundheitsminister den Fonds angewiesen haben, die Firmenfusion zu bewilligen.

Die Samsung-Gruppe gilt als größter Förderer der beiden Stiftungen Mir und K-Sports, die von Choi kontrolliert worden sein sollen. Ein südkoreanischer Sender berichtet, dass im August 2015 ein Vertrag über 22 Milliarden Won abgeschlossen wurde. Der Vertrag mit dem von Choi in Deutschland gegründeten Unternehmen soll unter dem Vorwand abgeschlossen worden sein, den Pferdereitsport zu fördern.

Choi sitzt seit November in Haft. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, mit Hilfe ihrer Beziehung zu Südkoreas Präsidentin Park Sponsorengelder von zahlreichen Unternehmen eingetrieben und sich dabei persönlich bereichert zu haben. Bei einer Anhörung vor dem Verfassungsgericht hat Choi die Vorwürfe der Korruption, des Machtmissbrauchs und versuchten Betrugs erneut zurückgewiesen.

Das System unter Beschuss

Das südkoreanische Parlament leitete im Dezember ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin ein. Das Verfassungsgericht muss nun über die Absetzung von Staatschefin Park entscheiden, die ihrer langjährigen Freundin auch die Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt haben soll.

Die Samsung-Gruppe kommt auf einen Jahresumsatz von umgerechnet 217 Milliarden Dollar. Juwel des Konglomerats ist Samsung Electronics, der weltweit größte Smartphone-Produzent. Der Aktienkurs des Apple-Rivalen gab zu Wochenbeginn mehr als zwei Prozent nach.

Muss der Samsung-Thronfolger hinter Gitter, würde dies nach Einschätzung von Investoren zwar nicht das Tagesgeschäft von wichtigen Samsung-Firmen beeinträchtigen, aber wichtige Strategieentscheidungen der Konzernmutter bremsen.

Dem Samsung-Konzern und dem angeklagten Samsung-Erben Lee macht hingegen der Arbeitgeberverband die Mauer. Eine Verhaftung Lees würde das Vertrauen in Samsung und Asiens viertgrößte Volkswirtschaft untergraben. Dem hält der Sprecher der Sonderermittler entgegen, zwar seien die ökonomischen Bedingungen des Landes wichtig, vorrangig sei aber die Wahrung der Gerechtigkeit.

Die Technik-Front

Eine zweite Front wird gegen Samsung wieder aktuell. Ende des Monats soll der Elektronikriese werden nun endgültig die Gründe bekanntgegeben, die im Vorjahr kurz nach der Einführung des Top-Handy-Modells Galaxy Note 7 geführt hatte. Etliche Geräte hatten plötzlich Feuer gefangen. Daraufhin folgte ein weltweites Verbot, das Gerät in Flugzeugen mitzunehmen.

Der Konzern musst im September zunächst 2,5 Millionen Modelle zurückrufen. Nachdem das Problem nicht beseitigt werden konnte, musste Smartphone das als Flaggschiff apostrophierte Edelmodell ganz vom Markt nehmen. Samsung kostete der Rückruf mehrere Milliarden an Gewinn und vor allem einen immensen Imageschaden.

Die Ergebnisse der Untersuchung würden voraussichtlich am 23. Jänner veröffentlicht, einen Tag vor den Geschäftszahlen zum vierten Quartal

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