Ryanair und Lufthansa im Clinch wegen Lauda-Flugzeuge

Ryanair und Lufthansa im Clinch wegen Lauda-Flugzeuge

Lufthansa kündigt alle Leasingverträge mit Laudamotion. Der irische Neo-Eigentümer Ryanair sieht die Lage der österreichischen Tochter Laudamotion "bedroht". Den Flottenplan von Laudamotion hält Ryanair aufrecht. Die Parteien treffen sich demnächst vor Gericht.

Wien/Schwechat/Dublin Die Erzkonkurrenten Lufthansa und Ryanair streiten um die bei Laudamotion gelandeten Flugzeuge der früheren Air-Berlin-Tochter Niki. Die irische Billigairline Ryanair nahm die Genehmigung der EU-Kommission zur Übernahme von Laudamotion am Freitag zum Anlass für drastische Vorwürfe gegen die Lufthansa. Laudamotion werde derzeit vom Vorgehen der Lufthansa bedroht.

Der deutsche Luftfahrtkonzern wolle dem Ferienflieger aus Österreich neun Flugzeuge wieder wegnehmen, beklagte Ryanair. Die Lufthansa wolle Laudamotion destabilisieren und ihr schaden.

"Die Behauptungen entbehren jeder Grundlage", wehrte sich die Lufthansa. Laudamotion habe die Leasinggebühren für die neun Flugzeuge wiederholt nicht gezahlt. Deshalb seien die Verträge gekündigt worden, um die Flieger bei der Lufthansa-Tochter Eurowings einzusetzen.

Der schon länger schwelende Streit um die Flugzeuge gewinnt an Schärfe vor dem Hintergrund des stark wachsenden Luftverkehrs im Sommer und der notorischen Knappheit an Maschinen. Die deutsche AUA-Mutter Lufthansa hatte im Herbst 2017 während der Aufspaltung von Air Berlin zehn Flugzeuge der damaligen Air-Berlin-Tochter Niki gekauft, in der Hoffnung, die Tochter der Berliner übernehmen zu können.

Doch die EU-Kommission sah dadurch den Wettbewerb zu stark eingeschränkt, so dass die deutsche Kranich-Airline sich mit 77 der zuletzt 144 bei Air Berlin eingesetzten Flugzeugen zufrieden gab.

Die zehn Maschinen von Niki musste die Lufthansa nach einer Vorgabe der EU dem endgültigen Niki-Käufer Laudamotion herausgeben. Laudamotion-Teilhaber Niki Lauda beklagte sich schon früher, der Lufthansa-Konzern blockiere.

Lufthansa erklärte hingegen, sie habe die Flugzeuge dem Österreicher zum Kauf angeboten. "Dies hatte Laudamotion abgelehnt und ein Leasing der Flugzeuge vorgezogen."

Über die Kündigung der Leasingverträge ist an einem Gericht in London mittlerweile ein Verfahren anhängig. So lange dies nicht geklärt sei, blieben die Flugzeuge bei Laudamotion, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Ein Verhandlungstermin sei für den 20. Juli angesetzt, wann eine Entscheidung falle, sei offen.

Die Warnung von Ryanair

Ryanair hat heute jedenfalls schon eine deutliche Warnung abgesetzt: Man sehe Laudamotion durch das Lufthansa-Vorgehen "bedroht". Nur durch die Anmietung (Wet-Leasing) von zehn Boeing-737-Flugzeugen von Ryanair sei Laudamotion in der Lage, eine Flotte von 19 Flugzeugen im Sommer 2018 zu bedienen, schrieben die Iren in einer Aussendung. Bisher stehen neben diesen neun Airbussen zehn Boeing-Maschinen von Ryanair bei Laudamotion im Einsatz, in Summe also 19 Maschinen. Allerdings: Lauda-Piloten sind auf Airbus ausgebildet, nach bisherigen Plänen sollte Laudamotion - im Gegensatz zu Ryanair - als ein reiner Airbus-Operator tätig sein.

Bei der Laudamotion ist keine Umflottung auf Boeing geplant, versicherte Gruber heute. Es gebe eine klare Verständigung, dass Boeing-Maschinen von Ryanair, die vorübergehend bei der österreichischen Tochter fliegen, in Zukunft schrittweise durch weitere Airbusse ersetzt würden. Laudamotion werde künftig wie geplant ein reiner Airbus-Operator sein, sagte Gruber.

Der neue Laudamotion-Eigner Ryanair wandte sich heute, Freitag, an die EU-Kommission. Die EU-Wettbewerbsaufsicht möge weitere Versuche der Lufthansa unterbinden, den Wettbewerb zu beeinträchtigen. Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte, dazu wolle die Behörde keine Stellung nehmen. Auch von Laudamotion bzw. Niki Lauda gab es am frühen Freitagnachmittag zunächst kein Statement.

Der erneute Zahlungsverzug

Angesichts der gestern von der EU freigegebenen Übernahme der Fluggesellschaft Laudamotion durch Ryanair hat die Lufthansa bei den Österreichern heute jedenfalls die Daumenschrauben angezogen. Sie hat kurzfristig die Verträge für neun Flugzeuge gekündigt, die sie derzeit an Laudamotion vermietet hat. Das entspricht fast der Hälfte der Flotte des österreichischen Ferienfliegers, der im Frühjahr die Nachfolge der früheren Air-Berlin-Tochter Niki angetreten hatte.

Laudamotion sei ihren Zahlungsverpflichtungen "zum wiederholten Male nicht wie vereinbart nachgekommen", begründete die Lufthansa den Schritt. Die irische Ryanair beschuldigte ihrerseits die Deutschen, mit Zahlungen säumig zu sein, für Flüge, die Laudamotion im März, April und Mai für die Lufthansa bedient habe.

Es geht weiter

Laudamotion-Chef Andreas Gruber hat am Freitag seine Belegschaft über die aktuelle Lage im Streit mit der Lufthansa informiert. "Aus erster Hand", wie er betonte. Dass Laudamotion den Streit durchsteht, steht für ihn außer Frage: "Selbstverständlich halten wir das aus und es geht unverändert weiter", sagte Gruber am Nachmittag zur APA.

Der deutschen AUA-Mutter Lufthansa wirft er vor, zu versuchen, einen unliebsamen Wettbewerber zu zerstören und die Kapazitäten für sich selber einsetzen zu wollen. "Das hat natürlich Auswirkungen auf die Passagiere". Gruber macht geltend, dass Laudamotion seit der Gründung heuer binnen kürzester Zeit mehr als 2 Millionen Tickets verkauft habe.

Zusammen mit dem irischen Mutterkonzern Ryanair würden weitere rechtliche Schritte geprüft.

Für die Aufstockung der Anteile von Ryanair bei Laudamotion von knapp 25 auf 75 Prozent war das gestrige Grüne Licht aus Brüssel die rechtliche Voraussetzung. Vollzogen werde der Schritt in den nächsten Wochen.

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