Russland-Sanktionen: Milliardenschaden für Österreich

Russland-Sanktionen: Milliardenschaden für Österreich

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat die Folgekosten der Russland-Sanktionen errechnet. Österreich ist demnach aufgrund reduzierter Exporte ein Schaden von rund einer Milliarde Euro entstanden, EU-weit wird der Schaden mit 30 Milliarden Euro beziffert.

Seit dem März 2014 ist Russland als Folge der Krimkrise mit Sanktionen aus Europa, den USA; Kanada, Australien, Neuseeland und Japan belegt. Die als Druckmittel erlassenen Sanktionen, die den Hintergedanken hatten, Russland zu einem Umlenken in seiner Politik zu bewegen und die territorialen Ansprüche auf die Halbinsel Krim aufzugeben, haben ihr politisches Ziel weitgehend verfehlt. Russland hat die Krim nach wie vor annektiert und es ist nicht absehbar, dass sich daran etwas ändert.

Aus wirtschaftlicher Sicht können die Sanktionen auch nur als bedingt erfolgreich bewertet werden. Das an Rohstoffen reiche Russland hat zwar als Folge des Ölpreisverfalls und der Rubel-Krise deutlich gelitten, aber eben nicht nur Russland, sondern auch die EU und mit ihr Österreich, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO errechnet hat.

Die Handelsbeziehungen der EU-Länder zu Russland haben durch die Sanktionen und dem mit diesen verbundenen wirtschaftlichen Abschwung stark gelitten. In den Jahren 2014 bis 2016 sind die Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent gesunken. Während im Jahr 2013 noch Waren, Güter und Dienstleistungen im Wert von 120 Milliarden Euro nach Russland exportiert wurden, ist der Wert bis 2016 auf 72 Milliarden Euro gesunken. Bis zu 40 Prozent des gesamten Exportrückganges sind den Schätzungen des WIFO zufolge auf die Sanktionen zurückzuführen, was einem Rückgang von rund 30 Milliarden Euro entspricht.

Eine Milliarde Verlust für Österreich

In Österreich sind die Exporte nach Russland sanktionsbedingt um 9,5 Prozent zurückgegangen, was für die heimische Wirtschaft einen Verlust von rund einer Milliarde Euro bedeutet. . Zu den höchsten absoluten Rückgängen führten die Sanktionen in Deutschland mit einem Minus von 11,1 Milliarden Euro, somit trägt Deutschland mehr als ein Drittel des sanktionsbedingten Exportrückganges der EU. Polen und Großbritannien verzeichneten ein Minus von je rund drei Milliarden Euro

Am schwierigsten war die Situation für die Unternehmen im Jahr 2014. In den Folgejahren ist es ihnen gelungen, den Rückgang im Russland-Geschäft zumindest teilweise andernorts zu kompensieren.

Erhebliche Einbrüche gab es auch als Folge der russischen Gegensanktionen beim Handel mit Agrarprodukten und Nahrungsmitteln. Hier sank das Exportvolumen nach Russland zwischen 2013 und 2016 um 22,5 Prozent. Betroffen waren vor allem Milchprodukte und Früchte. Exporte in der Warenherstellung - vor allem Fahrzeuge - sanken um 17,7 Prozent, Rohstoffexporte, vor allem Eisen und Stahl, um rund 15 Prozent.

In den Jahren vor der Krimkrise waren die Handelsbeziehungen zwischen Russland und der EU zunehmend enger geworden: Von 2009 bis 2012 stiegen die EU-Exporte nach Russland um jährlich durchschnittlich 23,5 Prozent. 2013 war Russland mit einem Exportanteil von 7,7 Prozent der viertgrößte Handelspartner der EU, hinter den USA, der Schweiz und China. Russland wiederum lieferte im selben Jahr 42,4 Prozent seiner Exporte an EU-Länder. 2016 lag Russland im Ranking der wichtigsten EU-Handelspartner mit einem Anteil von 4,6 Prozent nur noch auf dem 5. Platz hinter der Türkei.

Brigitte Ederer

Wirtschaft

Brigitte Ederer wird Aufsichtsrätin beim Börsekandidat Marinomed

Wirtschaft

Wifo: Steuerverluste durch EU-Unternehmensbesteuerung

Interview

Auto & Mobilität

Miba-CEO: "Klimaschutz nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen"