Russland droht neue Finanzmarktkrise

Russland droht neue Finanzmarktkrise

Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) wird 2015 die Wirtschaft in Russland schrumpfen - auch wenn der Ölpreis noch steigen wird. Die Verschuldungs- und Entschuldungsprozesse werlden laut Wifo die weltweiten Konjunkturaussichten prägen.

Wien. In Russland drohe eine neue Finanzmarktkrise, befürchtet das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo in seiner mittelfristigen Prognose der Weltwirtschaft bis 2019. Die russische Wirtschaft werde 2015 wegen des Rohölpreisverfalles schrumpfen, der abgewertete Rubel wirke inflationstreibend, was die Zahlungsausfälle bei Fremdwährungsschulden erhöhe und die in Russland tätigen Banken belaste.

Der schwächere Rubel mildere andererseits aber die negativen Effekte des Ölpreisverfalls auf die Exporterlöse und den Staatshaushalt. Auch mittelfristig bleibe die russische Wirtschaft getrübt, da die hohen Rohstoffpreise in der Vergangenheit ähnlich wie in Brasilien die Defizite der Wirtschaftsstruktur überlagerten.

Die Wifo-Experten gehen davon aus, dass sich der Rohölpreis bereits 2015 wieder leichte erholt und rechnen mit einem Jahresdurchschnittspreis von 75 Dollar je Barrel. Bis 2019 dürfte es zu einem weiteren Anstieg auf 105 Dollar kommen.

Die Konjunktur im Euro-Raum werde durch den Ölpreisverfall zwar etwas gestärkt, mittelfristig werde sie aber von Nachfragemangel und schwacher Preisentwicklung dominiert. Auch das Fehlen von Auf- und Abwertungsmöglichkeiten, insbesondere die relative Unterbewertung für Deutschland, hemme die Wachstumsaussichten. Die deutsche Wirtschaft wachse zulasten ihrer Handelspartner. Neben der schwachen Preisentwicklung werde in den kommenden Jahren auch die Verschärfung der Fiskalregeln die Konjunktur belasten. Die Unterstützung der Nachfrage durch die öffentliche Hand sei zu gering.

Den neuen Investitionsplan der EU-Kommission ("Juncker-Paket") sehen die Wifo-Experten kritisch: Dieser sehe vor allem Bürgschaften für private Investitionen vor. Die Ursache der Investitionsschwäche, mangelnde Absatzperspektiven wegen zu geringer Einkommenszuwächse, werde dadurch nicht behoben. Mittelfristig rechnet das Wifo für den Euroraum mit einer realen Wachstumsrate von 1,3 Prozent.

Österreichs wichtigster Handelspartner Deutschland leide vor allem unter einem Rückgang der Exportnachfrage aus den Schwellenländern. Beim zweitwichtigsten Handelspartner Italien störten zudem auch mangelhafte ordnungspolitische Rahmenbedingungen. So sei etwa die dortige Justiz laut einem Weltbank-Bericht äußerst ineffizient.

Am günstigsten fällt der Konjunkturausblick für die USA aus. So habe dort etwa eine schuldnerfreundliche Insolvenzgesetzgebung für einen raschen Abbau des Privatschuldenüberhanges nach der Finanzmarktkrise gesorgt. Darüber hinaus stützt ein großzügiges öffentliches Budgetdefizit die Konjunktur. Die reale Wachstumsrate beträgt in den USA mittelfristig 2,8 Prozent.

China, das auf Basis der neuberechneten internationalen Kaufkraftparitäten die USA 2014 als weltgrößte Volkswirtschaft abgelöst haben dürfte, bleibt auch laut Wifo weltweite Wachstumslokomotive mit einer realen Wachstumsrate von 6,5 Prozent. In Japan könnte die jahrelange Rezession überwunden werden.

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