Runtastic-CEO Gschwandtner: "Wer Mathematik lernt, wird Erfolg haben"

Runtastic-CEO Gschwandtner: "Wer Mathematik lernt, wird Erfolg haben"

Runtastic-CEO Florian Geschwandtner, in Mathematik einst eher Mittelmaß, fordert eine Revolution in der schulischen Ausbildung.

Runtastic-Chef Florian Gschwandtner fordert eine Revolution des Bildungssystems. Der CEO des österreichischen Start-ups Runtastic, wünscht sich einen Big Bang in der schulischen Ausbildung und das Fach Informatik ab der ersten Schulstufe.

Runtastic-CEO Florian Geschwandtner fordert eine Revolution des Bildungssystems, um einem Mangel an IT-Fachkräften und Technikern in Österreich entgegenzuwirken. Im Interview mit dem "trend" sagt Gschwandtner, eine Änderung der schulischen Ausbildung sei "allerhöchste Eisenbahn" für die Wirtschaft des ganzen Landes.

"Es ist so schade für den Standort Österreich, denn wir haben das Potenzial, doch wir vergeigen es einfach in der Grundausbildung und erzählen den Kindern nicht, was sie lernen sollen, damit sie nachher eine Chance haben", sagt Gschwandtner. Und weiter: "Was wir brauchen ist eine Revolution, keine Evolution. Wir brauchen einen Big Bang. Wir müssen radikal in das ganze System reinschneiden und es modernisieren."


Man muss den Zugang zu Mathe verändern, alles in der Wirtschaft basiert auf Mathematik.

Vor allem die Vermittlung von Mathematik müsse völlig verändert und deutlich praxisnäher gestaltet werden. Geschwandtner: "Wer Mathematik lernt, wird Erfolg haben. Mathematik ist eine Notwendigkeit, um im Wirtschaftsleben, im Job und bei allem, was man später in seinem Leben macht, erfolgreich zu sein."

Der 34-jährige Gschwandtner war in Mathematik selbst alles andere als ein Vorzugsschüler: "Meine Noten lagen zwischen gut und befriedigend – also weit weg von meinen Gründerkollegen, die schon damals exzellent in Mathe waren." Mathematik hat der Runtastic-Mitgründer daher "eher geduldet, ohne dabei zu wissen, wie wichtig das später einmal für mich sein wird."

Die Jobgarantie

Die rasante digitale Revolution des Wirtschaftslebens mache eine gute mathematische Grundausbildung mit ganz konkretem Bezug zum täglichen Leben für alle immer wichtiger, "aber das pädagogische Konzept ist seit Jahrzehnten unverändert". Gschwandtner kritisiert: "Den Kindern wird ein völlig falsches Verständnis von Mathematik vermittelt."

Viele der jetzigen Jobs wird es laut Gschwandtner bald nicht mehr geben, weil sie durch digitale Technologie ersetzt werden. Das bedeute aber auch, dass es viel mehr Leute geben müsse, die diese Technologie verstehen und weiterentwickeln können: "Jeder der eine technologische Affinität hat und weiß, wie das alles funktioniert, hat praktisch eine Jobgarantie."

Viele offene Stellen

Außerdem wünscht sich Geschwandtner, dessen zu Adidas gehörende Fitness-App-Start-up Runtastic derzeit 40 offene Stellen nicht besetzen kann, weil es schon jetzt zu wenige IT-Fachkräfte in Österreich gebe, das Schulfach Programmieren "am besten gleich ab der ersten Schulstufe".

Am Anfang der Ausbildung soll es nicht gleich um das Programmieren von Software an sich gehen, sondern darum, ein Verständnis für digitale Technologien zu wecken. Im Idealfall soll Programmieren kombiniert mit Mathematik unterrichtet werden, "schließlich wird unsere Zukunft immer softwarelastiger", sagt Gschwandtner.

Wenn Österreich nicht rasch reagiere und zu größeren Veränderungen des Bildungssystems bereit sei, könne das gefährliche Folgen haben. Gschwandtner: "Wir reden uns die Dinge in Österreich immer schön, sind stolz auf jede kleine Veränderung, so wie aktuell auf das sogenannte Schulautonomie-Paket. Doch das ist nicht genug. Am Ende des Tages bekomme ich als Unternehmer nicht das, was ich brauche."


Zur Person

Florian Gschwandtner , 34, studierte nach der Höheren Lehranstalt für landwirtschaftliche Berufe „Mobile Computing“ sowie „Supply Chain Management“ an der Fachhochschule Oberösterreich. Vor acht Jahren gründete er mit drei Kollegen Christian Kaar, Rene Giretzlehner und Alfred Luger das Fitness-App-Start-up Runtastic.

Im August 2015 übernahm der Sportartikelhersteller Adidas das Unternehmen um 220 Millionen Euro, von denen die vier Gründer jeweils knapp 24 Millionen kassierten. Gschwandtner ist nach wie vor CEO von Österreichs erfolgreichstem Start-up mit aktuell 195 Mitarbeitern. Die erweiterte und runderneuerte Firmenzentrale in der PlusCity in Pasching bei Linz wird Anfang Mai im Beisein von Kanzler Christian Kern und Außenminister Sebastian Kurz wiedereröffnet.


Lesen Sie das ganze Interview mit Runtastic-CEO Florian Geschwandtner in der trend-Ausgabe 13/2017 vom 31. März 2017.
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