Mund-Nasen-Schutzmasken: Neue Corona-Lifestyle-Produkte

Seit April müssen in Supermärkten und an Orten, an denen die Einhaltung des Mindest-Abstands von einem Meter nicht möglich sein könnte, einfache Mund- und Nasen- Schutzmasken getragen werden. Die Wirtschaft reagiert prompt mit kreativen Angeboten.

Schutzmasken als Lifestyle-Produkt

Seit Montag reißen sich Firmen und Private um einfache Mundschutzmasken.

Am Montag, dem 30. März hat Bundeskanzler Sebastian Kurz eine neue Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus und die von ihm ausgehende tödliche Lungenkrankheit COVID-19 gesetzt. Das Betreten von Supermärkten ist bis auf weiteres nur noch gestattet, wenn man eine einfache Mund- und Nasen- Schutzmaske (MNS-Maske) trägt. Diese einfachen Schutzmasken bieten zwar, wie Kurz erklärte, keinen Schutz vor einer Infektion, können aber die Übertragung des Virus durch Tröpfcheninfektionen - wie beim Niesen oder Husten - eindämmen.

"Diese Masken sind in unserer Kultur ungewohnt. Man kennt sie bisher nur von asiatischen Touristen, aber wir werden uns daran gewöhnen müssen", ergänzte Gesundheitsminister Rudolf Anschober und erklärte das geplante Prozedere: Die MNS-Masken würden ab dem 1. April bei den Eingängen von Lebensmittelgeschäften ausgegeben, das Tragen sei in der Folge im Supermarkt verpflichtend, ebenso in Apotheken, Trafiken und auch an Orten, an denen der von der Regierung vorgegebene Mindestabstand von einem Meter nicht eingehalten werden kann.

Die Ankündigung der Politiker hat im Land prompt viele Hebel in Gang gesetzt, denn MNS-Masken waren - wie auch die dem medizinischen Personal und anderen Sicherheitskräften vorbehaltenen Schutzmasken der Kategorie FFP1, 2 und 3, zuletzt schon Mangelware. Praktisch über Nacht haben sich Unternehmen daran gemacht, die Produktion für Schutzmasken zu forcieren und MNS-Masken über Online-Shops anzubieten.

Hemdenhersteller Gloriette produziert 10.000 Stoffmasken am Tag

Eines der Unternehmen, das die Marktlücke sofort erkannt hat, ist der Wiener Kostümhersteller Lambert Hofer, der nun für die Wiener Hemden-Manufaktue Gloriette Schutzmasken aus Hemdenstoff näht.

"In der Vorwoche hatten wir, entsprechend der Nachfrage, nur 200 Stück pro Tag produziert, seit Montag werden täglich rund 10.000 Stück geordert", so Cornelia Hofer, Gesellschafterin von Lambert Hofer. Mit ihrem 20-köpfigen Team verarbeitet sie nun die Hemdenstoffe ihres Vaters, Eigentümer des Hemdenherstellers Gloriette, um daraus Stoffmasken zu schneidern.

Hofer: "Viele Firmen und Privatkunden ordern derzeit auf Gloriette.shop.at Masken." Da zuletzt schon für die Mitarbeiter der Volkshilfe solche Masken herstellt wurden, hat sich Hofer mit Ärzten zuvor beraten, welche Stoffe geeignet sind. "Wir achten darauf, dass die Materialien mit 60 Grad waschbar sind und so wenig Chemie wie möglich enthalten."

Derzeit sind die in schlichtem blau gehaltenen Masken, um 9,90 Euro pro Stück erhältlich. "Wir überlegen auch unterschiedliche Muster, aber derzeit sind wir froh, überhaupt genügend Stoff zu haben und produzieren je nach Lagerbestand", erzählt Hofer. Denn die Lieferungen stocken.

Goldgräberstimmung in Onlineshops

Betreiber von Onlineshops, die oft gerade noch über zu geringe Einnahmen klagten, sind von einem Tag auf den anderen in Goldgräberstimmung. Sie nähen derzeit Masken was das Zeug oder lassen nähen. Vom kleinen regionalen Onlineshop bis zum großen Hersteller. Jeder will angesichts der hohen Nachfrage ein Stück vom Kuchen abbekommen.

Und gleichzeitig die neue Schutzbekleidung zum modischen Accessoires, zum Lifestyle-Produkt und zum Fan-Artikel. Als Mund- und Nasen- Schutz sind nämlich nicht nur die von Arztbesuchen bekannten medizinischen Schutztücher erlaubt.

Rapid-Schutzmaske für Fans um 5,99 €

Rapid-Schutzmaske für Fans um 5,99 €

Selbst Fußballfans bekommen ihre eigene Schutzmaske: Der SK Rapid bietet etwa seinen Fans jetzt im eigenen Onlineshop in den grün-weißen Klubfarben mit Logo an. Die Masken sind heiß begehrt. SK Rapid Geschäftsführer Christoph Peschek jubelt auf Twitter, dass bereits kurz nach Verkaufsstart über 1.000 Bestellungen eingegangen waren. Einziger Nachteil: Die Masken, sie sind aus waschbarer Microfaser, werden erst ab Mitte April geliefert. Mit einem Preis von 5,99 Euro je Stück zählen die Rapid-Stoffmasken aber aktuell zu den günstigsten Angeboten am Markt.

Jedem seine Maske

Beim Kremser Unternehmen "fashionmanufaktur.at" kosten die MNS-Masken pro Stück 11,88 Euro und sind mit Sprüchen wie "Alles wird gut" "Wüst Schmusn", Kussmunden oder Österreich-Wappen bedruckt.Fabric Fabrik bietet schalenförmige oder Falt-Gesichtsmasken in trendigem Handsiebdruck.

Auch Gerhard Frewein, Geschäftsführer von zirbenshop.at, staunt über die große Nachfrage. "Gestern hatten wir erstmals auf unserem Portal Mundschutzmasken angeboten. Heute haben wir schon 150 Bestellungen. Damit hatten wir nicht gerechnet", erzählt Frewein. Jetzt werde bis in die Nacht hinein zugeschnitten und genäht, damit die Lieferungen auch rasch hinausgehen können.

Im Zirbenshop ist das neue Produkt ab neun Euro pro Stück erhältlich. "Die Masken sind aus Baumwolle und damit auch bei 60 Grad waschbar", sagt Frewein.

Zirbenshop-Chef Frewein: "Plötzlich angestiegene Nachfrage."

Kurzfristig umgesattelt, hat auch der deutsche Matratzen- und -Zubehörspezialist Procave. Da das Stammgeschäft mit Matratzen derzeit eingebrochen ist, werden nun eben nun eben Mund-und-Nasenschutz-Masken produziert. Wie Lambert Hofer / Gloriette hat auch Provace die Produktion binnen kürzester Zeit auf 10.000 Stück pro Tag hochgefahren.

Über die Website matratzenschutz.net werden zehn Stück um knapp 30 Euro angeboten. "Durch diesen Schwenk in der Produktion sind wir weder gezwungen unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, noch staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen", so Procave-Gründer Oliver Schramm.

Vorsicht bei der Kennzeichnung

Medizinische Produkte sind die neuen MNS-Masken allesamt nicht. Und die Anbieter und Hersteller tun auch gut daran, das in der Produktbeschreibung entsprechend hervorzuheben und die MNS-Masken auch tunlichst nicht als Atemschutzmasken zu bezeichnen.

Das auf die Aufdeckung von Internet-Fakes spezialisierte Online-Portal mimikana.at weist etwa darauf hin, dass es Anwälte gibt, die Hersteller und Anbieter abmahnen, wenn sie die einfachen Schutzmasken als Atemschutzmasken deklarieren. Ebenfalls sollte in der Artikelbeschreibung der Hinweis vorhanden sein, dass die Masken keinen wirksamen Schutz des Trägers vor einer COVID-19-Infektion darstellen.

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