Aufsichtsrat greift durch: ÖBAG-Chef Thomas Schmid tritt zurück

Die Ära Thomas Schmid als Alleinvorstand der staatlichen Beteiligungsgesellschaft ÖBAG ist vorüber. Schmid legt auch alle Aufsichtsratspositionen in Beteiligungsgesellschaften der ÖBAG zurück, Christine Catasta übernimmt interimistisch.

Aufsichtsrat greift durch: ÖBAG-Chef Thomas Schmid tritt zurück

Thomas Schmid, zurückgetretener ÖBAG-Chef

"Nach intensiven Beratungen innerhalb des Aufsichtsrats ist der Aufsichtsrat gemeinsam mit MMag. Schmid zur Erkenntnis gekommen, dass die sofortige Beendigung der Vorstandstätigkeit von MMag. Thomas Schmid einen notwendigen Schritt für die ÖBAG darstellt", erklärt die Staatsholding per Aussendung. Die Ära Thomas Schmid an der Spitze der Staatsholding ÖBAG ist somit vorüber.

Schmid tritt auch von allen für die ÖBAG gehaltenen Aufsichtsratspositionen in Beteiligungsgesellschaften zurück. "Nach der anhaltenden Diskussion der letzten Monate hat der Aufsichtsrat der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG) die Situation um den ÖBAG-Vorstand mit juristischer Beratung neuerlich bewertet", heißt es dazu in der Erklärung.

Schmid war bislang Aufsichtsratschef beim Verbund, der Bundesimmobiliengesellschaft BIG und bei der Austrian Real Estate ARE. Bei der OMV war er stellvertretender des Vorsitzenden des Aufsichtsgremiums. Dazu kamen noch Aufsichtsposten bei der Telekom und den Lotterien.

Vertrag wird aufgelöst

Der Vertrag des 45 Jährigen Schmid wird nicht voll ausbezahlt, wie OBAG-Aufsichtsrat-Chef Helmut Kern erklärt. Es wurde eine einvernehmliche Auflösung vereinbart. Der "Golden Handshake" wird jedoch geringer ausfallen, als eine Auszahlung des noch bis März 2022 laufenden Vertrags. Die Höhe dieser Zahlung an Schmid wollte Kern nicht nennen.

Die ÖBAG verwaltet die Anteile des Staates an wichtigen börsennotierten Unternehmen wie der OMV (ÖBAG-Anteil: 31,5 Prozent der Aktien), der Telekom Austria (28,42 % der Aktien), der Post (52,85 % der Aktien), dem Verbund (51 Prozent der Aktien) sowie an den Casinos Austria (33,24 % der Anteile) und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG-Gruppe/ 100%). Der Marktwert der Beteiligungen beläuft sich derzeit auf rund 27 Milliarden Euro.

Eine Zeitbombe

Schmids Abgang hatte sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet, er selbst wollte allerdings noch bis März 2022 bleiben (siehe Artikel) und somit den auf drei Jahre befristeten Vertrag erfüllen. Er hatte seinen Dienst an der Spitze der ÖBAG am 29. März 2019 angetreten.

Schmid stand bereits im September 2019 vor der Ablöse, als bekannt wurde, dass gegen ihn eine anonyme Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft auf Grund seiner mutmaßlichen Beteiligung in der Casinos-Affäre einlgelangt war.

Letzter Auslöser des Rücktritts waren die Handy-Chats des ÖBAG-Alleinvorstands mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, Finanzminister Gernot Blümel und seiner Assistentin Laure, von denen sich der Aufsichtsrat der ÖBAG in der öffentlichen Erklärung ausdrücklich distanziert. Es heißt darin: "Der Aufsichtsrat bedankt sich bei Thomas Schmid für die ausgezeichnete inhaltliche Arbeit der letzten zwei Jahre, distanziert sich aber gleichzeitig von den Chatnachrichten."

Der trend hatte bereits am 12. März 2021 in seiner Titel-Geschichte "Die Zeitbombe - ÖBAG-Chef Thomas Schmid" davon berichtet, dass der Top-Manager für die türkise ÖVP zu einer Zeitbombe werden könnte. Angesichts der 300.000 Chat-Nachrichten war die umstrittenste Figur im türkisen Machtsystem schon damals für Bundeskanzler Sebastian Kurz und Finanzminister Gernot Blümel zur Belastung geworden.

Die Chat-Nachrichten (siehe unten) waren im Zuge des Ibiza-Untersuchungsausschuss in die Hände der Justiz gelangt.

Zitate aus den Chatprotokollen

Im Zuge des Ibiza-Untersuchungsausschuss wurde das Handy von Thomas Schmid beschlagnahmt. In der Folge sind Chatnachrichten an die Öffentlichkeit gelangt.

  • Kriegst eh alles, was Du willst.

    Kanzler Kurz an Schmid zu dessen Wünschen rund um die Aufsichtsratsposten bei börsennotierten Betrieben mit Staatsbeteiligung.

  • Ich bin so glücklich :-)))!

    Antwort von Schmid an den Bundeskanzler nach dessen beruhigenden Worten zu den Aufsichtsrat-Posten.

  • Du bist Familie.

    Der damalige Kanzleramtsminister Blümel an Schmid zu dessen Sorgen, ob bei seiner Kür zum ÖBAG-Chef alles rund und ohne mediales Störfeuer läuft.

  • Oh Gott. Reisen wie der Pöbel.

    Schmid an seine Assistentin Laure nachdem er beim Wechsel vom Finanzministerium an die ÖBAG-Spitze seinen Diplomatenpass abgeben musste.

Vorstandssuche läuft

Der Nominierungsausschuss der ÖBAG unter Aufsichtsratschef Kern hat nun die Egon Zehnder Ges m.b.H, als begleitenden Personalberater für die Suche nach einem neuen Vorstand beauftragt. Nach Erarbeitung der Anforderungskriterien wird die Ausschreibung zum Vorstand der ÖBAG Mitte Juni veröffentlicht. Die Ausschreibung für den Posten muss Kern zufolge international erfolgen

Damit soll anders als bei der Bestellung Schmids Transparenz gesichert werden. Schmid hatte die Jobbeschreibung für den OBAG-Chefposten den er dann bekam zuvor noch als Kabinettschef und Generalsekretär im Finanzministerium selbst verfasst.

Christine Catasta

Ex-PwC-Chefin Christine Castata übernimmt die Leitung der ÖBAG bis zur Bestellung des neuen Vorstands.

Als Interimsvorständin wurde Christine Catasta bestellt. Catasta war bis 2020 CEO des Beratungsunternehmens PwC in Österreich und ist seit Oktober 2020 die für die Beteiligungsgesellschaften verantwortliche Direktorin der ÖBAG.

"Die Übernahme der Vorstandsfunktion durch unsere Direktorin stellt Kontinuität und die weitere volle Handlungsfähigkeit der ÖBAG sicher", teilt die ÖBAG in ihrer Aussendung mit. Catasta wird sich, wie der ÖBAG-Aufsichtsrat weiter betont, im laufenden Prozess der Vorstandssuche nicht bewerben.

Die Entscheidung über Schmids Nachfolger oder Nachfolgerin dürfte bis Mitte September fallen. Als aussichtsreiche Kandidaten werden der frühere Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, BIG-Chef Hans-Peter Weiss und Siemens-Chef Wolfgang Hesoun gehandelt. Dienstantritt für den neuen Vorstand könnte Anfang 2022 sein.

Nachbesetzt werden müssen auch die durch den Rücktritt Schmids frei gewordenen Aufsichtsratsmandate. Die diesbezüglichen Gespräche werden wird Kern und Castata mit den Aufsichtsräten und Vorständen der ÖBAG-Unternehmen führen.

"ÖBAG neu aufstellen"

NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn sieht Schmids Rücktritt als "richtigen und längst überfälligen Schritt" und fordert, dass auf den Rücktritt des Alleinvorstands eine Neuorganisation der ÖBAG folgen muss.

"Die ÖBAG muss in Zukunft von einer Doppel-Vorstandsspitze geführt werden und die Suche nach den neuen Vorständen muss professionell und transparent ablaufen. Schmids Nachfolgerin oder Nachfolger muss Erfahrung im Beteiligungsmanagement, am internationalen Kapitalmarkt und in der Betriebswirtschaft mitbringen und für das Hearing muss der Aufsichtsrat klare Kriterien festlegen", betont Schellhorn. Die Debatte über die neuen Vorstände müsse zudem zumindest teilöffentlich passieren.

Schmid sei einzig und allein aufgrund seiner türkisen Familie und nicht aufgrund seiner Qualifikation in die Position gekommen. Schellhorn verweist darauf, dass Schmid weder Industrieerfahrung und noch internationale Erfahrung mitgebracht habe.



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