Roland-Berger-Studie: Konjunktur brummt - Manager bremsen

Roland-Berger-Studie: Konjunktur brummt - Manager bremsen

Die Konjunktur ist hervorragend, doch viele Manager stehen offenbar auf der Bremse, wenn es um die Zukunft des Unternehmens geht. Eine Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger warnt vor Genügsamkeit und Business-as-usual angesichts eines gravierenden Strukturwandels, der so gut wie alle Branchen erfassen wird. Eine Analyse und Standortbestimmung von den 6 Top-Branchen.

Hochkonjunktur ist auch die Zeit der Warnung vor Zeiten, wo es für Unternehmen und Mitarbeiter ungemütlich, gar existenziell wird. Daher schießen die Studien für den Tag X derzeit wie das Gras aus dem Feld. Die Warnmelder sind vor allem bei Beratungsunternehmen in Position gegangen, wo mit dem erhobenen Zeigefinger Unternehmer verschiedenster Branchen ein Warnung bekommen. Duktus der Botschaft: Nicht untätig bleiben, vorausschauen und agieren, solange die Konjunktur passt. Eigentlich selbstredend, das Unternehmer das antreibt, um die Unsicherheit der Zukunft so gut wie möglich ins unternehmerische Handeln einzubeziehen.

Das Beratungsunternehmen Roland Berger ist eines der Beratungsunternehmer, das den Warnmelder eingestellt hat. Trotz Konjunkturhoch und optimistischem Blickwinkel in die Zukunft warnt das deutsche Beratungshaus vor Genügsamkeit und Business-as-usal. Zu viele Zukunftsthemen würde es geben, mit denen sich Unternehmen nicht ausreichend oder gar nicht auseinander gesetzt haben. Und zwar quer durch so ziemlich alle Branchen. Digitalisierung, Fachkräftemangel, nachlassende Innovationskraft sowie protektionistischen Tendenzen machen in vielen Branchen einen Strukturwandel dringend nötig, warnt das Beratungsunternehmen. "Doch viele Unternehmen machen sich das nicht rechtzeitig bewusst oder sind nicht darauf ausreichend vorbereitet."

Besonders betroffen sind die Vorzeigebranchen Automobil und Maschinenbau. Und da wird dann der Bogen auch größer. Da sind dann nicht nur Unternehmen in Deutschland, sondern auch die Zulieferer in der Schweiz und Österreich betroffen. "Sturmtief voraus! Wo Unternehmen trotz guter Konjunktur mit sektoralen Krisen rechnen müssen", lautet auch die jüngste Studie von Roland Berger.

Der träge Unternehmer

"Die gute Konjunktur führt leicht zu Trägheit", warnt Falco Weidemeyer, Senior Partner bei Roland Berger und Leiter des Bereichs Corporate Performance. "Dabei sollten Unternehmen in guten Zeiten ihre Geschäftsmodelle hinterfragen, Business-as-usual ist gerade jetzt gefährlich."

Viele Industriebereiche stünden demnach vor erheblichem Strukturwandel. Das bestätigt die Roland-Berger-Studie. Trotz guter Konjunktur glauben 88 Prozent der befragten Restrukturierungsexperten, dass ein branchenspezifischer Strukturwandel für Anpassungsbedarf sorgt. Dazu kommen der technologische Wandel (ca. 86%) und der globale Wettbewerb (75%).

Von dem Strukturwandel betroffen sind vor allem die deutschen Vorzeigeindustrien wie Automobil (ca. 95%), Anlagenbau (ca. 87%) und Handel (ca. 84%). Sie werden Veränderungen stark zu spüren bekommen. "Die Veränderungen bergen auch Wachstumschancen", sagt Sascha Haghani, Co-Geschäftsführer in der DACH-Region und globaler Leiter des Competence Center Restructuring und Corporate Finance von Roland Berger. "Allerdings gilt das nur für Unternehmen, die Entwicklungen aktiv mitgestalten. Doch genau das gelingt vielen Unternehmen noch nicht."

Die Gründe für das Zaudern und Zögern der Unternehmen sind vom Berater schnell entdeckt: Im Management scheint das Gespür und der Wille, die Zukunft jetzt schon anzupacken, nicht sonderlich stark ausgeprägt zu sein. Managementfehler (90%) sind mit Abstand der Hauptgrund dafür, den Strukturwandel nicht anzugehen. Ebenso werden neue Wettbewerber (ca. 78%) sowie disruptive Technologien (ca. 74%) von der Führung der Unternehmen unterschätzt.

"Unternehmen müssen schneller auf unvorhergesehene Veränderungen reagieren können, nur so können sie zukunftsfähig bleiben", appelliert Haghani.

In ihrer Studie haben die Experten von Roland Berger die sechs wichtigsten Industriebranchen in Deutschland genauer analysiert und unterschiedliche Herausforderungen festgestellt.

1. Konsumgüter und Handel: Umbruch im Gange

Im Handel und Großhandel sei der Umbruch schon "voll im Gange" , aber bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Die Digitalisierung hat hier bereits schon zu starken Veränderungen geführt. "Disruptive digitale Entwicklungen haben vor allem die Geschäftsmodelle klassischer Händler erodiert", so die Studie. Für Händler heißt es hier schnell gegenzusteuern, um den Wettlauf um die Kunden nicht zu verlieren. Der Kunde will heute parallel über On- und Offline-Kanäle einkaufen. Was freilich auch auf den Umsatz im Netz Auswirkungen hat. Bis zum Jahr 2022 werden die E-Commerce-Umsätze weltweit um 65 Prozent wachsen - auf rund 2,6 Billionen Dollar. Investitionen in digitale Technologien seien daher unerlässlich.

2. Automobilindustrie: Im Jahrhundertwandel

Genauso wie im Handel werden in der Automobilindustrie zumindest die Karten neu gemischt. Trends wie E-Mobilität, autonomes Fahren oder neue Mobilitätskonzepte wie Car Sharing und Ride Hailing sind zwar derzeit noch ein Minderheitenprogramm, aber mittelfristig wird auch die Autoindustrie ihr traditionelles Geschäftsmodell kräftig runderneuern - müssen. Der Verkauf von Fahrzeugen alleine ist zu wenig. Die Branche muss sich umfassend für eine neue Generation von Mobilitätsnutzern öffnen. Dazu müssten passende datengetriebene Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Venture Capital Investoren haben hier ihre Chancen erkannt und vor allem verstanden, dass sie hier Geld nachlegen müssen. Ihre Investitionen in Mobilität stiegen von 2016 auf 2017 um 130 Prozent.

3. Energiewirtschaft: Sinkende Margen, hohe Verschuldung

Auch bei den Energieversorgern bleibt kein Stein auf dem anderen, was bereits an Kennziffern, vor allem am Profit abzulesen ist. Sie kämpfen unter anderem seit Jahren mit sinkenden Gewinnmargen im Erzeugungsgeschäft. Waren es vor zehn Jahren noch über 20 Prozent (EBITDA), sind es heute nur noch 6 Prozent. Dazu kommt eine hohe Verschuldung: Jedes fünfte Unternehmen ist bereits nicht mehr kreditwürdig.

Zwar hat die Branche bereits reagiert, doch Trends wie eine zunehmend dezentralisierte Energieerzeugung, vor allem die Abkehr von fossilen Brennstoffen oder die Sektorenkopplung erfordern weitere Anpassung. Die Netzbetreiber sollten daher neue Geschäftsfelder erschließen, etwa Ladeinfrastrukturen, dezentrale Erzeugungstechniken und Mobilitätsplattformen entwickeln.

4. Maschinenbau

Trügerische Sicherheit durch gute Lage - das scheint das Motto im Maschinenbau zu sein. Die Krise ist überwunden, zahlreiche Hidden Champions des deutschen Maschinenbaus sind relativ gut durch vergangene Krisen gekommen. Auch im aktuell schwierigen politischen und wirtschaftlichen Umfeld behauptet sich die Branche weiter, schreibt Roland Berger.

Doch steigt auch hier der Druckt: Abnehmer brauchen weniger Kapazitäten, Additive Manufacturing und neue Wettbewerber nehmen Marktanteile weg. Die Top-Branche müsse daher stärker ins Service-Geschäft investieren und in neue Einsatzbereiche für vorhandene Technologien investieren, wissen die Berater von Roland Berger Rat. Dafür braucht es eine gute Datenbasis und entsprechende Ressourcen.

5. Finanzindustrie: Gefangen in dauerhafter Transformation

Der Kampf der Banken gegen neu aufstrebende FinTechs zeigt bereits auf, wie eine Top-Branche ins Schleudern kommen kann. Margendruck, wachsende regulatorischen Anforderungen und vor allem anspruchsvolleren Kunden haben nach der Finanzkrise die Branche kräftig unter Druck gesetzt. "More of the same" hat speziell in der Bankenbranche ausgedient. "Die Branche braucht echte Innovation, um ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln", fordern die Roland Berger-Berater. Strategische Kooperationen mit externen Partnern, vor der Finanzkrise eher ein Nebenthema oder gar nur wenig verbreitet, die Optimierung von Prozessen sowie eine schnellere und flexiblere Organisation seien die drei Maßnahmen, die Banken jedenfalls umsetzen müssen..

6. Gesundheitswesen: Revolution rückt näher

Eine Revolution prophezeit Roland Berger für das Gesundheitswesen, wo die Digitalisierung maßgebend Einzug hält. Das Internet und Künstliche Intelligenz machen es möglich. Dank Angebot an hochwertigen medizinischen Informationen würde sich die Rolle von Patienten und Ärzten ändern. Eine wesentliche Rollte spielten in Zukunft die datengestützte Diagnosen auf Basis Künstlicher Intelligenz. Herausforderungen wie der demografische Wandel, Fachkräftemangel und der Zwang zu Effizienz kommen dazu.

Der demografische Wandel, Fachkräftemangel und der Zwang zu Effizienz seien zusätzliche Herausforderungen, auf die sich das Gesundheitswesen einzustellen habe. Die Akteure müssen Patientenbedürfnisse besser analysieren, maßgeschneiderte Angebote entwickeln und verstärkt in digitale Geschäftsmodelle investieren.

Fraglich ist die Finanzierung, auf die die Studie freilich keine Antwort, wer die Rechnung künftig in welcher Höhe zu bezahlen hat.

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