Rios Sambaschulen leiden unter der Wirtschaftskrise

Rios Sambaschulen leiden unter der Wirtschaftskrise

Der Karneval hat für sie noch gar nicht begonnen, und doch herrscht bei den berühmten Sambaschulen von Rio de Janeiro bereits Katerstimmung. Neben der Furcht vor dem Zika-Virus plagen sie vor allem finanzielle Sorgen: Die schwere Rezession im Land vertreibt die Sponsoren, und die massive Entwertung des brasilianischen Real verteuert jeden Import von Materialien für die Ausstattung.

In der Werkstatt der Sambaschule Uniao da Ilha herrscht hektisches Treiben. Helfer legen letzte Hand an die Kostüme und Karnevalswagen, bevor am Freitag die Paraden in Rios berühmtem Sambodrom offiziell beginnen. Thema von Uniao da Ilha sind die Olympischen Spiele im August. Hier steigen die griechischen Götter vom Olymp herab und sind von Rio derart verzaubert, dass sie bleiben, wie Choreograf Paulo Menezes berichtete.

Allerdings meinen es die Götter mit seiner Sambaschule gerade nicht gut, klagt Verwaltungschef Marcio Andre Mehry de Souza. "Schon seit vier oder fünf Jahren ist die Lage nicht einfach, doch dieses Jahr ist es besonders schlimm, weil jeder in der Krise steckt und zudem die Preise steigen", sagte er.

Bisher stammte die Hälfte der 15 Millionen Real (rund 3,45 Millionen Euro), die Uniao da Ilha für seine jährlichen Paraden ausgibt, von Sponsoren. Doch heuer fielen die größten Sponsoren aus, darunter die Stadt und der krisen- und affärengeschüttelte Ölgigant Petrobras. Nicht einmal das Organisationskomitee der Olympischen Spiele wollte einspringen, sagte de Souza, "obwohl wir doch für die Spiele werben".

Paraden boykottieren

Selbst die von noch großzügigeren Sponsoren verwöhnten wohlhabenderen Sambaschulen sind dieses Jahr in finanziellen Schwierigkeiten: Neguinho, der Sänger der berühmten Schule Beija Flor, sagte der Zeitung "O Globo", dass mit den Teilnehmern ihrer Parade bereits um die Gehälter gefeilscht wird, um die Kosten decken zu können.

In ihrem Frust ziehen einige Schulen inzwischen sogar das Undenkbare in Betracht, wie de Souza erzählte: Einen Boykott. Sollten Rios Behörden weiterhin kein Geld für die Hauptattraktion des Karnevals beisteuern, könnten die Sambaschulen in Zukunft eine Teilnahme an den Paraden verweigern, warnte der Manager von Uniao da Ilha. Nach seinen Worten wächst bei den Schulen die Zustimmung zu einem derart drastischen Schritt.

"Die Stadtverwaltung, die Hotels, die Geschäfte, sie alle füllen sich während des Karnevals die Taschen. Und wir? Nichts", klagte de Souza. Als Ausweg schlägt er eine zehnprozentige Touristensteuer vor, die in die Unterstützung des Karnevals fließen könnte.

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