RHI, Magnesita und die Zukunft der Veitsch

RHI-CEO Stefan Borgas

RHI-CEO Stefan Borgas

Die Fusion des Feuerfest-Konzerns RHI mit der brasilianischen Magnesita ist bereits so gut wie abgesegnet. Nach der Genehmigung der US Federal Trade Commission rechnet RHI CEO Stefan Borgas mit keinen nennenswerten Hürden oder Auflagen seitens der EU oder aus Brasilien. Auf die Präsenz in Österreich und das seit 135 Jahren bestehende Werk in der Veitsch hat das jedoch erhebliche Auswirkungen.

Auf Stefan Borgas, den neuen Vorstandschef der RHI - per Dezember 2016 hat er die Agenden offiziell von seinem Vorgänger Franz Struzl übernommen - kommen in den nächsten Monaten entscheidende, die Zukunft des Feuerfest-Konzerns bestimmende Aufgaben zu.

Aufgabe Nummer eins ist die Finalisierung der im Oktober 2016 bekannt gegebenen Fusion der RHI mit der brasilianischen Magnesita. Aufgabe Nummer zwei ist die Restrukturierung des aus dem Zusammenschluss des größten Anbieters am Feuerfestmarkt (RHI) mit der dem drittgrößten (Magnesita). Aufgabe Nummer drei ist die Migration des fusionierten Unternehmens (RHI Magnesita NV) von der Wiener an die Londoner Börse.

Für Österreich und die 1.800 Mitarbeiter, die hier für den Konzern arbeiten stellt sich bei alldem die Frage, wie es weitergeht. Nun hat Borgas dazu etwas Licht ins Dunkel gebracht.

Kartellrechtliche Hürden

Beim ersten Punkt hat Borges quasi ein Einstandsgeschenk von der US Federal Trade Commission bekommen. Noch vor seinem Amtsantritt hat die Behörde den geschätzt 450 Millionen Euro teuren Zusammenschluss der beiden Unternehmen genehmigt. Nun stehen noch Zustimmungen der EU-Wettbewerbsbehörde und aus Brasilien aus, von denen Borgas jedoch keine großen Widerstände erwartet. Der Hintergrund dafür ist, dass die Fusion zwar einen klaren Weltmarktführer schafft - eine Position, von der sich Borgas eine neue Stärke erhofft, der Feuerfest-Markt jedoch extrem fragmentiert ist. Auch die beiden fusionierten Unternehmen werden am Weltmarkt lediglich einen Anteil im einstelligen Prozentbereich haben. Borgas rechnet daher mit der Genehmigung der EU zu Jahresmitte, per Ende Juni bis Anfang Juli.

Im Sommer soll die Akquisition der Magnesita in einer HV abgesegnet werden, danach im Herbst 50 Prozent plus eine Aktie von Magnesita übernommen und den Aktionären der Magnesita ein Pflichtangebot unterbreitet werden. Borgas schätzt, dass es dann bis zu einem Jahr dauert, bis dass alle Magnesita-Aktien in den Besitz der RHI gelangt sind. Die Aktionäre der heutigen RHI werden ihre Aktien 1:1 gegen Papiere der neuen holländischen RHI Magnesita NV umtauschen können. Für das Pflichtangebot an die Magnesita-Aktionäre hat die RHI 244,6 Millionen Euro und 5,4 Millionen neue Aktien reserviert.

RHI Veitsch

Schritt Nummer zwei ist die Restrukturierung des Konzerns, und zu diesem Punkt gibt es interessante Details, auch für die österreichischen Standorte. Von den aktuell rund 30 weltweiten RHI-Standorten sollen nämlich als Folge der Magnesita-Übernahme fünf bis zehn geschlossen werden. Details dazu will das Unternehmen im Juli bekanntgeben. Österreichische Standorte stünden zwar zunächst nicht zur Disposition - Borgas verspricht sogar, sie zu stärken - dennoch werden etwa auf das seit 135 Jahren bestehende Werk Veitsch (Steiermark) gravierende Änderungen zukommen.

So ist etwa geplant, die Produktion komplett umzustellen. Aktuell werden in dem steirischen Werk großteils Produkte produziert, die anschließend in die USA exportiert werden. Diese sollen den Plänen des neuen CEO zufolge künftig in den USA hergestellt werden. Stattdessen soll die Produktion aus den stillgelegten Werken in die Steiermark wandern. Konkrete Angaben zu diesem Vorhaben hat Borgas vorerst jedoch noch nicht gemacht.

Mit der Übernahme der Magnesita ist auch geplant, deren bestehendes Hauptquartier in Brasilien zu schließen. Etliche brasilianische Manager sollen in der Folge nach Europa geholt werden.

Börsen-Notierung

Im Übernahmepaket wurde auch festgehalten, dass die neue RHI nicht mehr in Wien, sondern an der London Stock Exchange notiert. Auch wegen der besseren Vergleichbarkeit mit den Mitbewerbern, deren Papiere vielfach ebenfalls in London gehandelt werden Aktuell arbeitet man im Unternehmen am Kapitalmarktprospekt für London.

Mitte März 2017 hält das unter der ISIN AT0000676903 gehandelte Papier bei 22,94 Euro. Nach einem starken Jahr 2016 - die Aktie hatte Anfang August von rund 18 Euro auf etwa 24 Euro angezogen und im Jahresabstand knapp 33 Prozent an Wert zugelegt.

RHI-Aktie; Entwicklung im Jahresverlauf. Stand vom 15. März 2017: 22,94 Euro. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

RHI-Aktie; Entwicklung im Jahresverlauf. Stand vom 15. März 2017: 22,94 Euro. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Den heimischen Keinanlegern zuliebe - und auch als Folge des Drängens der Wiener Börse - hat Borges nun in Aussicht gestellt, dass die neue RHI auch in Wien gelistet bleiben könnte. Jedoch nicht mehr im ATX Prime, sondern in einer Zweitnotierung im Drittmarkt. Dort gelistete Aktien sind jedoch weder zum amtlichen Handel noch zum geregelten Freiverkehr zugelassen.

Den Aktionären hat die RHI nach dem vorläufigen Ergebnis für das Jahr 2016 eine Dividende von 75 Cent pro Aktie in Aussicht gestellt. In Zukunft werden sich die Aktionäre mit einer Dividende von 60 Cent pro Aktie begnügen müssen. "Wir haben angekündigt, die Dividendenausschüttung gleich zu belassen und werden auch in Zukunft 30 Millionen Euro ausschütten. Allerdings wird es statt wie heute 40 Millionen Aktien rund 50 Millionen Aktien geben", erklärt RHI-CFO Barbara Potisk-Eibensteiner.

Kennzahlen und Ausblick

Aus dem vorläufigen Konzernergebnis für das Jahr 2016 sind sowohl positive als auch belastende Faktoren herauszulesen. Die schwache Nachfrage aus dem Stahlsektor, aus dem die RHI zwei Drittel ihrer Umsätze erwirtschaftet - das Neugeschäft ist praktisch ausgeblieben - konnte durch andere Aufträge wie Reparaturen oder kleinere Projekte nicht wettgemacht werde. Dass das Umsatzminus auf rund 100 Millionen eingegrenzt werden konnte (von 1,75 Milliarden Euro auf 1,65 Milliarden Euro) ist der neuen Produktlinie "Eco" zu verdanken, einer günstigeren Reihe, mit der die RHI auch eine höhere Marge erzielen kann.

"Uns beschäftigt die schlechte Auslastung der Kunden. Und die Total Cost of Ownership ist aktuell nicht das beste Verkaufsargument", erklärt Borgas. Die Kunden schauen aktuell mehr auf den Preis der Produkte als auf deren Haltbarkeit.

Dank der Eco-Linie konnte die RHI ein, wie es CFO Potisk-Eibensteiner formuliert, gutes operatives Ergebnis erzielen, wenngleich das Finanzergebnis mit 21,2 Millionen Euro im Minus war. Das EBIT liegt bei 116,1 Millionen Euro und beinhaltet de vollständige Abschreibung auf zwei Standorte zur Herstellung von Feuerfest-Produkten für die Glasindustrie (acht Millionen Euro). Weiters sind negative Ergebniseffekte in Höhe von 4,6 Millionen aus der Entkonsolidierung des US Tochter RHI Monofrax, LLC inkludiert. Für 2017 rechnet die RHI mit einem positiveren Marktumfeld und folglich auch mit einem besseren Ergebnis.

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