Rewe in der Pandemie: Kalt-warm für Billa, Bipa & Co

Die Corona-Pandemie brachte der Lebensmittelhandelskette Rewe Österreich an einem Tag den größten Umsatz ihrer Firmengeschichte ein. Der Umsatz der Drogerie-Kette Bipa stürzte hingegen ab. Schutzmaßnahmen kosteten zudem Millionen und Prämien für Mitarbeiter sorgten für Kritik.

Rewe in der Pandemie: Kalt-warm für Billa, Bipa & Co

Am Freitag, den 13. Mai bunkerten die Österreicher Lebensmittel für die Zeit der Corona-Krise und bescherten damit dem Lebensmittelhandel Rekordumsätze.

Im Lebensmittelhandel gibt es in normalen Jahren keine großen Schwankungen. Dann kam die Coronavirus-Epidemie. "Der berühmte Freitag, der 13. März, hat zum größten Umsatz der Geschichte der Rewe Österreich geführt", sagte Marcel Haraszti, Chef der Supermarktketten Billa, Merkur, Penny und Adeg sowie der Drogeriekette Bipa.

Als Krisengewinner sieht Haraszti den Rewe-Konzern aber trotzdem nicht. Schutzmaßnahmen und Prämien kosteten das Unternehmen "einen beträchtlichen zweistelligen Millionenbetrag". Bei Bipa folgte auf eine Hochphase mit Vorratseinkäufen ein drastischer Absturz mit Umsatzrückgängen im zweistelligen Bereich. "Der Drogeriehandel hat sehr stark gelitten. Die Kunden kauften ihr Deo im Supermarkt und generell war der Bedarf an Beauty-Produkten nicht sehr hoch", so Haraszti. Am Höhepunkt der Coronakrise gingen die Menschen nicht mehr in mehrere Geschäfte einkaufen, sondern besorgten alles im Supermarkt.

Bipa: Schieriges Jahr 2020
Laut Gewerkschaft hat das Handelsunternehmen einen Teil der Bipa-Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. "Sie überlegen aber bereits, erste Mitarbeiterinnen wieder aus der Kurzarbeit zu holen", sagte die KV-Verhandlerin der GPA-djp, Anita Palkovich. Die Drogeriekette beschäftigt sonst in ihren knapp 600 Filialen rund 4.200 Personen.

Die Delle, die die Krise bei Bipa hinterlassen hat, werde man heuer nicht komplett aufholen können, räumte Haraszti ein. "Die Coronazeit hat uns aber nicht vom Weg abgebracht. Wir sehen, dass sich das langsam wieder stabilisiert."

Bipa war bereits in den vergangenen Jahren das Sorgenkind von Rewe International. Mit einem neuen Konzept, Umbauten und einer Straffung des Filialnetzes versucht der Konzern, die Drogeriekette seit einiger Zeit wieder flott zu machen. 2019 wurden 185 Filialen an das neue Ladenlayout angepasst, 16 Standorte wurden neu eröffnet. Der Umsatz stieg um 1,86 Prozent auf 730 Mio. Euro. Heuer sind bei Bipa 17 Neueröffnungen geplant, 140 bestehende Filialen werden umgebaut.

Hohe Zusatzkosten
In seinen Lebensmittelgeschäften erzielte Rewe im März zweistellige Umsatzzuwächse, im April immer noch einstellige. "Auf der anderen Seite stehen hohe Zusatzkosten", sagte Haraszti. In den ersten Wochen änderte sich die Lage fast täglich, Öffnungszeiten wurden geändert, Schutzmaßnahmen für Beschäftigte und Kunden mussten beschafft werden. Allein bei Billa wurden über 1.000 Menschen aufgenommen, teils Beschäftigte von Branchen, die geschlossen halten mussten. In den Lagern halfen vorübergehend Soldaten und Vertragsbedienstete des Heeres aus.

"Das Tempo war gewaltig. Es gab sehr viele Entscheidungen, wo wir uns flexibel zeigen mussten", sagte Haraszti. Von der Politik habe er sich gut informiert gefühlt, so der Handelsmanager. Die Zusammenarbeit sei konstruktiv gewesen. Kleinere Händler wie Nah & Frisch fühlten sich bei der Einführung der Schutzmaskenpflicht überrumpelt und kritisierten, vorher nicht von der Regierung informiert worden zu sein. Auch sonst verlief die Coronazeit nicht friktionslos. Der Lebensmittelhandel wurde vielfach kritisiert, in fremden Revieren zu wildern, während die anderen Händler geschlossen halten mussten. "Wir haben die Kritik verstanden, dass es nicht notwendig ist, Fernseher und Waschmaschinen zu verkaufen", meinte Haraszti.

Kritik an 200 Euro Mitarbeiterprämie
Rewe schüttete noch im März an seine Beschäftigten eine Prämie von bis zu 200 Euro pro Person aus, erntete aber dennoch Kritik, diese sei zu niedrig. Die Gewerkschaft pocht auf höhere Grundgehälter. Zwei Drittel der Beschäftigten im österreichischen Handel sind weiblich. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte liegt derzeit im alten Kollektivvertrag bei 1.675 Euro brutto pro Monat, im neuen KV macht es 1.714 Euro brutto aus. Allerdings arbeitet ein Großteil Teilzeit.

"Die Prämie war mit dem Betriebsrat abgestimmt und wurde als sehr anständig empfunden", sagte Haraszti. Die Beschäftigten bekamen den Bonus brutto für netto auf ihre Mitarbeiterkarte aufgebucht. Hohe Kollektivvertragssprünge im Herbst sieht Haraszti nicht kommen. Der Handel stehe massiv unter Druck, der Kollektivvertrag werde für die gesamte Branche abgeschlossen, nicht nur für den Lebensmittelhandel. "Ich bin für einen fairen Abschluss, wir sind gesprächsbereit. Aber man muss verstehen, dass sich der Handel nicht so viel leisten wird können."

Billa-Betriebsrat Werner Hackl schlägt für die "Corona-Helden" im Nachgang eine Prämie vor. "Die sollte aber vom Ministerium kommen. Wenn man ein Hilfspaket von 38 Mrd. Euro schnürt, dann muss auch für die Beschäftigen was rausschauen", sagte Hackl.

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