René Benko übernimmt Galeria Karstadt Kaufhof komplett

Kaufhaus- und Immobilien-Tycoon Renè Benko

Kaufhaus- und Immobilien-Tycoon Renè Benko

Milliarden-Investor Rene Benko greift noch einmal tief in die Tasche: Sieben Monate nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof sichert sich Benko über seine Signa-Gruppe für rund eine Milliarde Euro die alleinige Macht beim deutschen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof.

Rene Benko übernimmt für rund eine Milliarde Euro die alleinige Macht bei Deutschlands Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof. Er muss nun beweisen, dass er auch dem oft totgesagten Warenhausgeschäft neues Leben einhauchen kann. Es ist eine Mammutaufgabe. Denn seit Jahrzehnten geht es mit den Warenhäusern in Deutschland nur noch bergab.

In den Wirtschaftswunderjahren kamen Karstadt, Kaufhof und ihre inzwischen vom Markt verschwundenen Konkurrenten wie Hertie oder Horten im Einzelhandel noch auf einen Marktanteil von bis zu 15 Prozent. Inzwischen ist er auf deutlich weniger als drei Prozent geschrumpft. Der Online-Handel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut. Und bisher ist es noch niemandem gelungen, den Abwärtstrend zu stoppen.

Benko ist dennoch zuversichtlich. "Man kann das Geschäft nicht nur retten, sondern sogar ausbauen" sagte er nach dem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt dem "Handelsblatt". Ende November 2018 sicherte er sich zwar die Mehrheit von 50,01 Prozent am neuen Warenhausriesen mit 243 Innenstadt-Standorten in Europa mit einem Umsatz von rund fünf Milliarden Euro und rund 32.000 Mitarbeitern. Doch blieb der bisherige Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) mit 49,99 Prozent an Galeria Karstadt Kaufhof beteiligt und behielt sogar 50 Prozent am gemeinsamen Immobilienportfolio.

Große Herausforderungen

Nur knapp sieben Monate später übernimmt Benko nun auch die restlichen Anteile am Unternehmen und den Immobilien. Die Verträge sind bereits unterschreiben. Karstadt-Kaufhof-Chef Stephan Fanderl sieht in dem Schritt, der noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden muss, eine gute Nachricht für das Unternehmen: "Die Entscheidungswege werden kürzer und einfacher - das ist wichtig und richtig", betonte er. Auch der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein bewertet den Ausstieg der Kanadier positiv. "Der Komplett-Rückzug von HBC erhöht die Chancen auf eine Sanierung", urteilte er.

René Benkos Kaufhaus-Imperium

René Benkos Kaufhaus-Imperium

Doch sind die Herausforderungen nach wie vor groß: Benko und Fanderl müssen nicht nur eine Antwort auf den Siegeszug des Online-Handels und die rückläufigen Besucherzahlen in den Innenstädten finden. Auch die Zusammenführung der Kulturen in den über Jahrzehnte hinweg rivalisierenden Unternehmen ist eine schwierige Aufgabe. Krach gibt es auch mit der deutschen Gewerkschaft Verdi. Sie bemängelt das Fehlen eines "überzeugenden Zukunftskonzepts" für die Warenhäuser. Schließlich schrieben zuletzt sowohl Kaufhof als auch Karstadt rote Zahlen.

Auf der Kostenbremse

Der Zusammenschluss gilt als letzte Chance für das in die Jahre gekommene Geschäftsmodell Warenhaus - vorausgesetzt es gelingt, die Stärken von Karstadt und Kaufhof zu vereinen. Denn die gibt es durchaus. Bei Karstadt gelang es Fanderl bereits, die Kosten deutlich zu senken. Nun ist er dabei, das Gleiche bei Kaufhof zu tun. Rund 2.600 Vollzeitstellen sollen dort gestrichen werden, hatte er im Jänner angekündigt - ebenso wie den Abschied aus der Tarifbindung.

Konflikte sind dabei vorprogrammiert: Die deutsche Gewerkschaft Verdi fordert nach der Komplettübernahme von Galeria Karstadt Kaufhof ein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Warenhausriesen. "Wir haben den Sachverhalt zur Kenntnis genommen", sagte der Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel der Gewerkschaft, Orhan Akman. Die Gewerkschaft erwarte nun "die richtigen Entscheidungen für ein überzeugendes Zukunftskonzept, das diesen Namen auch verdient." Zudem pocht Verdi auf eine Rückkehr in die Tarifbindung.

Da es in den Kaufhof-Warenhäusern viele Teilzeitkräfte gibt, liegt die Gesamtzahl der bedrohten Arbeitsplätze deutlich höher. Fanderl hatte angekündigt, die Sanierung nach dem Abschied von HBC entschieden fortführen zu wollen: "Die Entscheidungswege werden kürzer und einfacher – das ist wichtig und richtig." Der Warenhaus-Konzern kämpft mit dem erbitterten Wettbewerb durch Online-Händler von Amazon bis Zalando und der Konkurrenz durch Modeketten. - auch durch die Streichung von Arbeitsplätzen.

Das Kaufhaus als Shopping-Center

Der Kaufhof hat zwar in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht, doch hat er auch gezeigt, wie man Warenhäuser attraktiver machen kann: Etwa durch die Zusammenarbeit mit dem Kosmetikhändler Sephora oder dem Modehändler Topshop, die inzwischen in einigen Warenhäusern eigene Flächen betreiben.

Handelsexperte Heinemann ist jedenfalls davon überzeugt, dass derartige Konzepte in Benkos Zukunftsplänen eine große Rolle spielen werden. "Schon heute sind ja bei vielen der Warenhäuser große Bereiche untervermietet, so dass man eigentlich genauso gut von Shopping-Centern sprechen könnte. Und der Trend wird wohl in Zukunft weiter in diese Richtung gehen", meinte er.

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