Renault, Nissan und Mitsubishi blasen die Fusion ab

Der französische Autohersteller Renault und die japanischen Marken Nissan und Mitsubishi werden doch nicht fusionieren. Stattdessen will man in Zukunft noch enger zusammenarbeiten und sich Aufgaben und Regionen aufteilen.

Renault, Nissan und Mitsubishi blasen die Fusion ab

Die unter der Coronakrise ächzenden Autobauer Renault (FR0000131906), Nissan (JP3672400003) und Mitsubishi (JP3899800001) werden nun doch nicht fusionieren, sondern wollen wollen durch eine noch engere Zusammenarbeit ihre Kosten massiv senken. Die Strategie, die die Chefs der drei Konzerne bei einer Videokonferenz präsentierten, sieht vor, dass die Partner ihre Aufgaben untereinander aufteilen und sich jeweils auf bestimmte Regionen fokussieren.

Nach diesem Prinzip soll je ein Partner in einer Region und bei der Entwicklung eines Fahrzeugtyps oder einer Technologie die Führung übernehmen und die anderen ihm folgen. Durch eine systematischere Abstimmung sollen die Entwicklungskosten um bis zu 40 Prozent sinken. Außerdem sollen Kostenvorteile beim Einkauf besser genutzt werden.

Das neue Geschäftsmodell soll es dem Bündnis ermöglichen, das Beste an Leistung aus jedem Unternehmen herauszuholen, wobei die einzelnen Partner ihre jeweilige Kultur und Unternehmensgeschichte behalten. "Die Allianz ist eine einzigartige strategische und operative Partnerschaft in der Automobilwelt und verschafft uns einen starken Vorteil in der sich ständig verändernden globalen Automobillandschaft", sagte Renault-Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard. Das Potenzial an zusätzlichen Einsparungen sei "gewaltig". Er rechne durch die bessere Abstimmung in der Allianz in einigen Bereichen mit Effizienzsteigerungen von etwa einem Fünftel. Die Vielzahl an Fahrzeugmodellen solle um 20 Prozent verringert werden. Auch dadurch sinkt der Aufwand. Mitsubishi-Chairman Osamu Masuko sagte, die Allianz habe in der Vergangenheit zu stark auf Expansion gesetzt. Dadurch seien die Fixkosten gestiegen.

Weltmarkt wird aufgeteilt

Nahezu die Hälfte aller in der Allianz hergestellten Fahrzeuge soll bis 2025 nach diesem neuen "Leader-Follower"-Prinzip entwickelt und gebaut werden. In der neuen Arbeitsteilung übernimmt Nissan die Führungsrolle in China, Nordamerika und Japan, während sich Renault auf Europa, Russland, Südamerika und Nordafrika konzentrieren soll. Mitsubishi soll seine Stärken in Südostasien und Ozeanien ausspielen.

Bei den Zukunftstechnologien übernimmt Nissan die Führung in der Entwicklung des Autonomen Fahrens. Die Vernetzung von Fahrzeugen fällt bei in Europa gängigen Android-basierten Systemen in die Verantwortung von Renault, Nissan hat diese Rolle in China. In der Elektromobilität teilen sich Nissan und Renault die Aufgaben auf. Mitsubishi ist für Plug-in-Hybride für Fahrzeuge der Mittelklasse zuständig.

Die neue Strategie soll an die Stelle der von dem geschassten Konzernlenker Carlos Ghosn favorisierten Verschmelzung von Nissan und Renault treten. "Wir brauchen keine Fusion, um effizient zu sein", erklärte Senard. Er wette darauf, dass das Bündnis in einigen Jahren die weltweit mächtigste Kombination von Unternehmen sein werde. Durch die Bewahrung der Eigenständigkeit soll auch der jahrelange Konflikt zwischen den durch Überkreuzbeteiligungen verflochtenen Partnern beigelegt werden, der die Allianz zeitweilig an den Rand des Bruchs brachte. Sowohl Nissan als auch Renault stehen wegen der Coronakrise zusätzlich unter Druck und müssen ihre Kosten massiv senken.

Renault braucht Staatshilfe

Renault setzt dabei auch auf staatliche Hilfe, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigt hat. Den geplanten Staatskredit in Höhe von fünf Milliarden Euro für Renault will die Regierung aber erst absegnen, wenn sich Management und Gewerkschaften auf die Zukunft der Arbeitsplätze in Frankreich geeinigt haben. Ihre Sparpläne wollen Renault und Nissan in den nächsten Tagen jeweils vorlegen. Nissan erwägt einem Agenturbericht zufolge, rund 20.000 der etwa 140.000 Arbeitsplätze zu streichen. Ein Schwerpunkt könnte Europa sein.

Renault will laut einem Medienbericht rund 5.000 Arbeitsplätze abbauen. Dafür sollen bis zum Jahr 2024 freiwerdende Stellen in Frankreich nicht wieder besetzt werden, wie die Zeitung "Le Figaro" berichtete. Der Konzern wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Damit würde Renault mehr als zehn Prozent seiner 48.000 Stellen in Frankreich streichen. Medienberichten zufolge ist die Schließung mehrerer Werke im Gespräch. Renault arbeitet an einen Sparplan im Umfang von rund zwei Milliarden Euro.

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