Nach dem kika/Leiner Coup: René Benko und sein Signa-Reich

Mit kika/Leiner hat der Signa-Konzern schon 100-mal mehr Mitarbeiter im Handel als im Immobilienbereich. René Benko baut unbeirrt einen europäischen Handelsriesen auf.

Vom Immobilien- zum Handelstycoon: René Benko

Vom Immobilien- zum Handelstycoon: René Benko

Der Übernahme-Deal von kika/Leiner war bis kurz vor dem Zuschlag für Signa wie ein atemberaubender, an solchen Skurrilitäten reicher Krimi - bis zuletzt. Vorige Woche wurde der Deal dann noch abgeschlossen. Mittlerweile sind die Verträge unterschrieben. Das operative Geschäft der 68 Filialen wechselt um einen Euro den Besitzer.

Für die Immobilien wird Signa - vorbehaltlich einer eingehenden Prüfung - rund 450 Millionen Euro an die bisherige kika/Leiner-Mutter Steinhoff überweisen. Signa-Gründer René Benko, der am heimischen Immobilienmarkt schon in einer eigenen Liga spielt, hat wieder einen ebenbürtigen Rivalen: Er wird sich im Handel künftig mit XXXLutz matchen.

Langsam erreicht auch die Einzelhandelssparte des Tirolers XXL-Format. 250 Leute beschäftigen sich in der Signa mit dem Immobilienbusiness -über 25.000 Mitarbeiter zählt Signa Retail nun! Die Geschäftsfelder lassen sich zwar nicht vergleichen, aber das Verhältnis von eins zu 100 beim Personal zeigt deutlich, wie weit Signa inzwischen von einem klassischen Immobilienunternehmen entfernt ist.


Für uns ist der Einstieg in den stationären Handel in Österreich schon eine Art Ritterschlag.

Als Händler ist Signa bislang vor allem in Deutschland bekannt, wo unter anderem 79 Karstadt-Kaufhäuser betrieben werden. In seinem Heimatland wollte Benko mit einem richtigen Paukenschlag in den Markt einsteigen, was mit kika/Leiner ohne Zweifel gelungen ist. "Für uns ist der Einstieg in den stationären Handel in Österreich schon eine Art Ritterschlag", sagt Signa-CEO Christoph Stadlhuber.

Das anfängliche Misstrauen ist gewichen. Als Benko 2013 die marode Karstadt-Kette kaufte, waren die meisten Beobachter überzeugt, er habe nur die Immobilien in Toplagen im Auge, den Handel werde er bald bleiben lassen. Es kam anders. Und bei kika/Leiner besteht dieser Verdacht von Anfang an nicht, denn die erworbenen Liegenschaften sind weder so attraktiv, noch passen sie in die Immo-Strategie der Signa. Benko will kika/Leiner sanieren -und zumal in Österreich unter keinen Umständen dabei scheitern. Stadlhuber: "Die Aufgabe ist eins zu eins wie bei Karstadt, wo wir auch kurz vor einer drohenden Pleite eingestiegen sind."

Sanierungskonzept

Die Handelsprofis, die Benko um sich geschart hat, sollen es auch bei kika/Leiner richten: vor allem Signa-Retail-Chairman Dieter Berninghaus, früher CEO von Rewe und Metro, und Karstadt-Boss Stephan Fanderl, ehemals Rewe-Topmanager. Unter ihrer Führung werden bis Ende Juli die Strategie und das Sanierungsprogramm für den Möbelhändler erstellt.

Bei der anfangs schwer defizitären Karstadt-Gruppe wurden an die 2.000 Stellen und sechs Führungsebenen gestrichen. Dafür installierte Fanderl ein Bonussystem für engagierte Mitarbeiter. Er bereinigte Sortimente, holte Drittanbieter in die Warenhäuser, schloss verlustträchtige Standorte. Der Umsatz sank auf rund zwei Milliarden Euro -aber operativ kehrten die schwarzen Zahlen zurück.

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Ob bei kika/Leiner mehr als die bereits unter Steinhoff fixierten vier Filialen geschlossen werden und wie viele der über 5.000 Mitarbeiter gehen müssen, steht noch nicht fest. Möglicherweise wird Signa aber ein paar weitere der 46 österreichischen Standorte abgeben. Der Grazer Investor Frank Albert, der sich mit Signa einen beinharten Fight um kika/Leiner geliefert hatte, bevor er sich geschlagen gab, bestätigt sein Interesse an acht Filialen. Albert war im Boot mit dem 35-jährigen Michael Seifert, der gemeinsam mit seinem Onkel Andreas Seifert das Welser Familienunternehmen XXX-Lutz führt - an das ein Teil von kika/Leiner gefallen wäre. Zudem hatte der gebürtige Deutsche Albert, dessen Unternehmen Supernova 2015 die bauMax-Märkte aus der Insolvenz kaufte und verwertete, angeblich eine ausländische Möbelkette an der Hand. Und in einigen Standorten wollte er neue Mieter wie Lidl oder Obi einquartieren. Trotz der Auseinandersetzungen ist nicht ausgeschlossen, dass Albert diese Flächen von der Signa doch noch bekommen könnte.

Abschied von der Mahü

Mittelfristig nicht mehr zu der Gruppe gehören wird wahrscheinlich der Leiner-Flagship- Store in der Wiener Mariahilfer Straße. Die Lage ist ideal für eine Dependance des Berliner Luxuskaufhauses KaDeWe, die Benko nach Wien bringen möchte. Geplant ist sie an diesem Topstandort.

Die Immobilie des Leiner-Flagships in der Wiener Mariahilfer Straße hat Benko vor dem Jahreswechsel übernommen, als kika/Leiner schon einmal in Finanznot war. Jetzt, wo der Signa das ganze Unternehmen gehört, kann er auch den Mietvertrag mit sich selbst lösen und dort seinen Plan realisieren, einen Ableger des Berliner Luxuskaufhauses KaDeWe nach Wien zu bringen.

Noch ist das nicht entschieden, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, ist durchaus hoch. Ein Haken allerdings ist: Das Penthouse auf dem Dach bewohnt das Ehepaar Koch, einst die Besitzer von kika/Leiner. Für sie müsste standesgemäßer Ersatz gefunden werden.


Mehr über René Benko und den kika/Leiner-Coup lesen Sie in der trend-Ausgabe 25/2018 vom 22. Juni 2018

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