René Benko: Kommt der nächste Mega-Coup?

René Benko: Kommt der nächste Mega-Coup?

Vielleicht kann Signa-Boss René Benko schon bald auf einen gelungenen großen Deal in Deutschland anstoßen: Signa hofft, diesmal bei der Kaufhof-Gruppe zum Zug zu kommen.

Die jüngste Kapitalerhöhung beim Signa-Konzern von René Benko soll der Übernahme der deutschen Warenhausgruppe Kaufhof dienen. Die Chancen dafür stehen diesmal recht gut.

Für rund 500 Millionen Euro verkaufte der Immobilienkonzern Signa in der Vorwoche den Bürokomplex Austria Campus in Wien. Wenige Tage später wurde das Kapital der Signa Prime Selection AG um eine Milliarde Euro erhöht -und zwar zusätzlich. Das heißt: Der soeben erzielte Verkaufserlös wird dafür nicht herangezogen. Die - größtenteils prominenten -Gesellschafter zahlen die gesamte Summe ein. Rund 600 Millionen kommen von der Familienstiftung des Signa-Gründers René Benko, deren Anteil von 60 auf 61 Prozent steigt. Auf die Stiftung des Bautycoons Hans Peter Haselsteiner entfallen 50 Millionen und auf "Kleinaktionär" Niki Lauda immer noch gut acht Millionen.

Ein Unternehmen, das seine Kapitalbasis innerhalb weniger Tage um 1,5 Milliarden aufstockt, hat üblicherweise Großes vor. Und das ist auch bei Signa der Fall. Das viele Geld soll der Übernahme der deutschen Warenhausgruppe Kaufhof dienen, wie der trend aus Unternehmenskreisen erfuhr. Den Konkurrenten Karstadt besitzt Benko, 40, schon. Klappt der nun geplante Kaufhof-Deal tatsächlich, würde er Herr über einen Handelsgiganten mit zusammen über 46.000 Mitarbeitern und quasi Monopolist in der deutschen Kaufhausbranche. Laut Insidern könnte die spektakuläre Transaktion noch 2017 über die Bühne gehen.

Die Chancen stehen nicht schlecht. Schon 2015 bot Benko für Kaufhof. Der damalige Boss des Eigentümers Metro wollte jedoch nicht an den Österreicher verkaufen, und so ging Kaufhof an die kanadische Hudson's Bay Company (HBC), der die New Yorker Luxus-Kaufhauskette Saks Fifth Avenue gehört. Nach zwei Jahren ist HBC mit der deutschen Beteiligung aber nicht entscheidend vorangekommen. Man kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Die Situation erinnert frappant an jene von Karstadt vor dem Einstieg von Signa. So liegt die Kaufhof-Führung derzeit ebenfalls im Clinch mit der Gewerkschaft Verdi, weil die Sanierung durch Senkung der Personalkosten und Aufkündigung des Kollektivvertrags beschleunigt werden soll.

Benko wäre über Nacht zur Stelle

Bis dato haben die Kanadier zwar betont, sich vom deutschen Warenhausgeschäft nicht wieder trennen zu wollen. Aber große HBC-Investoren machen Druck, genau das zu tun. Gut möglich, dass der Stimmungswandel rasch erfolgt.

Für diesen Fall wäre René Benko über Nacht zur Stelle. Den Preis für Kaufhof, der auf über zwei Milliarden Euro geschätzt wird, könnte die Signa locker stemmen, zumal sie auch in den Besitz wertvoller deutscher Innenstadt-Immobilien käme. Konkurrent Karstadt ist unter der Ägide von Benko schon mehr oder weniger saniert. Im kürzlich abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 wurde bei zwei Milliarden Euro Umsatz ein positives Betriebsergebnis von 48 Millionen erzielt. Unterm Strich steht nach schweren Verlusten über viele Jahre eine rote Null.

Die Ablehnung gegenüber den Eindringlingen aus Österreich hat sich gelegt, auch bei der Gewerkschaft Verdi. Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der als Berater seines Nachnachfolgers Christian Kern schwer in die Kritik geriet, hat als Chefberater von Signa gute Dienste geleistet. Über seine Vermittlung kam eine Dreijahresvereinbarung zwischen Karstadt und Verdi zustande, die dem Unternehmen hilft und den Mitarbeitern die Rückkehr in den Tarifvertrag verspricht. Die Kaufhof-Belegschaft will Benko nun ebenfalls ködern.

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