René Benko besiegelt Fusion von Galeria Kaufhof und Karstadt

René Benko

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Der Tiroler Handels- und Immobilientycoon René Benko macht seinen nächsten Coup perfekt: Die Galeria Kaufhof GmbH und die Karstadt Warenhaus GmbH, zwei traditionsreiche Namen des deutschen Einzelhandels, werden zu einem Unternehmen zusammengeschlossen.

Der Tiroler Immobilien- und nun auch Warenhaus-Tycoon René Benko hat sein nächstes großes Ziel erreicht. Nach der Übernahme der österreichischen Möbelhandelsketten Kika und Leiner konnte Benko nun den Zusammenschluss seiner in Deutschland erworbenen Handelsketten Galeria Kaufhof und Karstadt besiegeln. Es entsteht eine der größten europäischen Warenhausgruppen mit aktuell rund 32.00 Mitarbeitern.

Benkos SIGNA und Hudson´s Bay Company (HBC) gehen dafür ein Joint Venture ein und gründen gemeinsame neue Holding. Durch die Fusion entsteht ein führender Omnichannel-Anbieter mit insgesamt 243 Standorten und einer breiten E-Commerce-Plattform. HBC und SIGNA sind zu gleichen Teilen am Immobilienportfolio von Galeria Kaufhof beteiligt, Stephan Fanderl wird CEO des Gemeinschaftsunternehmens.

Der aus einer Ingolstädter Kaufmannsfamilie stammende, 54-jährige Fanderl leitet seit bereits seit 2014 Karstadt und musste dort einen extrem schwierigen Job erledigen. Nach der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hatten sich unter dem nächsten Eigentümer, dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen, die Probleme eher noch verschärft. Am Ende musste Berggruen die Karstadt Warenhaus GmbH für den symbolischen Preis von einem Euro an die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko verkaufen.

Unter Fanderls Führung wurde Karstadt komplett umgekrempelt, er zog ein radikales Sparprogramm durch, dass beim Top-Management ansetzte und sich bis in das Produktsortiment durchzog - mit Erfolg: Im Geschäftsjahr 2016/17 konnte Karstadt zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder einen Gewinn verbuchen. Der war zwar mit 1,4 Millionen Euro noch ziemlich bescheiden, der Turnaround war aber geschafft und mittlerweile läuft das Geschäft so wieder gut, dass demnächst sogar zwei neue Karstadt-Filialen eröffnet werden könnten - die ersten seit 30 Jahren.

Geschäfte in Deutschland, Belgien, Niederlande und im WWW

Das strategische Ziel hinter dem Zusammenschluss ist, das Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig zu machen und einen der führenden Omnichannel-Anbieter zu formen, der mit den Mitteln der Digitalisierung sowohl im stationären Einzelhandel als auch mit Online-Plattformen neue Akzente setzen will, unterstützt von einem noch breiteren Warenangebot, für das man mit der gemeinsamen Größe bessere Einkaufskonditionen erreichen will.

Gewerkschaften fürchten natürlich wie bei jeder Fusion, dass es zu einem Verlust von Arbeitsplätzen kommen wird. Aus der Unternehmensführung gibt es dazu noch kein Statement, die Forderungen der deutschen Verdi-Bundesvorsitzenden Stefanie Nutzenberger nach einer Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie nach einer Tarifbindung scheinen jedoch in Zeiten der Digitalisierung ohnehin ein Anachronismus.

Zum neuen gemeinsamen Unternehmen von SIGNA und HBC gehören die Galeria Kaufhof GmbH, die Karstadt Warenhaus GmbH, das gesamte Einzelhandelsgeschäft von HBC Europe (Saks OFF 5TH, Galeria Inno in Belgien, Hudson‘s Bay in den Niederlanden) sowie auch Karstadt Sports und der gesamte Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen (Dinea, Galeria Gourmet, Karstadt Feinkost, Le Buffet). Es verfügt über 243 etablierte Standorte in Innenstadtlagen Europas und beschäftigt insgesamt 32.000 Mitarbeiter. SIGNA Retail wird 50,01 Prozent der Anteile an der Holdinggesellschaft halten und HBC 49,99 Prozent.

Am 6. September 2018 sprach René Benko am trend Editor's Dinner bereits über die bevorstehende Fusion von Karstadt und Kaufhof.

Die Fusion wird beinhaltet auch die Online-Plattformen der Häuser, galeria-kaufhof.de, saks-off-5th.de, inno.be, hudsonsbay.nl, dinea.de, karstadt.de, karstadt-restaurant.de, karstadt-reisen.de, hood.de, kisura.de und karstadtsports.de. Diese werden zusammengeführt. Die kombinierte Online-Präsenz soll eine starke Plattform für zukünftiges Wachstum im E-Commerce-Segment bieten.

Verträge sind unterschrieben

Die entsprechenden Verträge zwischen HBC und SIGNA wurden unterschrieben (Signing). Der Vollzug der Transaktion (Closing) steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Die Entscheidung sollte ohne nennenswerte Auflagen spätestens bis zum Jahresende fallen.

Im Rahmen der Partnerschaft erwirbt die SIGNA Prime Selection AG 50 Prozent am europäischen Immobilienbestand von HBC. Zu diesem Immobilienportfolio gehören zukünftig 39 Immobilien aus einem bestehenden Joint Venture von HBC in Europa sowie 18 weitere Immobilien, die sich bislang im Eigentum von Galeria Kaufhof befinden. HBC wird weiterhin 50 Prozent der Immobilien halten. Der Kaufhof-Standort in Köln und das Carsch-Haus in Düsseldorf werden von der SIGNA Prime Selection AG übernommen. Die daraus erzielten Erlöse werden in das operative Geschäft investiert und zur Rückführung der Verbindlichkeiten verwendet.

Für Einsparungen sind zunächst Gespräche mit den Arbeitnehmern nötig. Bei Karstadt gilt seit Dezember 2016 ein Zukunftstarifvertrag, der regelt, dass die Beschäftigten zeitweise auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgeldes sowie Tariferhöhungen verzichten. Spätestens ab April 2021 soll Karstadt wieder unter den Flächentarifvertrag fallen. Bei Galeria Kaufhof greift dagegen der Flächentarifvertrag für den Einzelhandel. Das Management der angeschlagenen Kette dringt aber auf einen Sanierungstarifvertrag. Entsprechende Gespräche standen im Sommer kurz vor dem Abschluss - dann waren sie aber wegen der Verhandlungen über eine Fusion auf Eis gelegt worden.

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