Reisefrust: Coronavirus trifft Luftfahrt-Branche und Aktien

Ansteckungsgefahr, Sperrzonen, abgesagte Veranstaltungen und Geschäftsreisen: Nicht nur Bundeskanzler Sebastian Kurz muss Auslandsreisen wegen der Corona-Epidemie absagen. Am Flughafen Wien wird ein Sparpaket geschnürt, weltweit streichen Airlines Flüge. Ihre Aktien stürzen ab.

Flughafen Wien Vorstände Günther Ofner (li.) und Julian Jäger

Hand vor den Mund: In der Luftfahrt-Branche herrscht höchste Ansteckungsgefahr. (Im Bild: Die Flughafen Wien Vorstände Günther Ofner, links und Julian Jäger)

Am Samstag, dem 29. Februar, forderte die Corona-Epidemie in Östererich besonders prominente Opfer: Die ÖVP-Delegation rund um Bundeskanzler Sebastian Kurz, Außenminister Alexander Schallenberg, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Europaministerin Karolina Edtstadler musste die Absage ihrer geplanten Reise in die USA, inklusive Besuch bei Präsident Donald Trump im Weißen Haus hinnehmen.

Der Grund für die Absage, nur einen Tag vor der geplanten Abreise, durch das Weiße Haus in Washington ist die "allgemeine Coronavirus-Situation".

Die Minister-Delegation ist nicht die einzige, die geplante Reisen aufschieben oder gänzlich stornieren muss. Viele Geschäftsreisen werden abgesagt und auch die Urlauber sind seit das Virus Europa erreicht hat vorsichtig geworden. Am Flughafen Wien-Schwechat sind seither die Passagierzahlen deutlich zurückgegangen. Zur Illustration: Während am Montag, den 24. Februar, gegenüber dem Vorjahrestag noch ein Passagierplus von 6,2 Prozent verzeichnet wurde, gehen die Passagierzahlen seither gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück. Am Dienstag um 2,1 Prozent, am Mittwoch um 9,3 Prozent, am Donnerstag um 9,1 Prozent, am Freitag um 10,2 Prozent und am Samstag um 13,7 Prozent.

Der Flughafen Wien schnürt deshalb nun vorsorglich ein Sparpaket - obwohl man überzeugt ist, dass die erst im Jänner ausgegebenen Ziele für 2020 noch erreicht werden können - wenn die Epidemie nicht zu lange andauert und eine breite Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Die Flughafen -Aktie [ISIN AT00000VIE62] hat prompt reagiert und weiter an Wert verloren. Im laufenden Jahr hat sie somit bereits über 22 Prozent abgegeben. (siehe Chart)

FLUGHAFEN WIEN AG (AT00000VIE62)

FLUGHAFEN WIEN AG (AT00000VIE62)

Flughafen Wien Vorstand Günther Ofner betonte zwar, dass die langfristige Entwicklung auch von anderen Krisen wie der SARS-Epidemie, der Aschewolke in Island oder der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht gebremst worden sei. "Derartige Schocks hat es immer wieder gegeben", so Ofner. Co-Vorstand Julian Jäger macht sich allerdings keine Illusionen. "So mild wie bei SARS wird der Flughafen nicht davonkommen", gab er zu bedenken.

Obwohl im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis erzielt wurde werden nun nicht notwendige Aufwendungen zurückgestellt oder gestrichen. Eine Höhe für die Sachkostenreduktion nannte der Vorstand nicht. Auch Urlaube und Überstunden sollen abgebaut werden.

AUA streicht Flüge

Italien, wo mittlerweile 1.695 Infektionen, 34 Todesfälle und erst 83 überstandene Corona-Erkrankungen gezählt wurden, wird aktuell besonders auffällig gemieden. Deshalb fahren die Austrian Airlines nun auch ihr Flugangebot nach Italien zurück. Im März und April werden 40 Prozent der Flüge aus dem Plan genommen. Betroffen sind Verbindungen von Wien nach Mailand, Venedig, Bologna, Florenz, Rom und Neapel.

Noch länger ausgesetzt bleiben die Flüge nach China und in den Iran. Peking und Shanghai werden bis 24. April 2020 nicht angeflogen, Teheran bis zum 30. April. Ursprünglich war die Sperre der Strecken nur bis zum 28. März geplant.

"Die rasche Ausbreitung des Covid-19 Virus in Europa und die damit im Zusammenhang stehenden wirtschaftlichen Effekte treffen die Reisebranche und uns Airlines besonders hart", erklärte AUA-Vorstand Andreas Otto. "Weltweit stornieren Unternehmen ihre Reisen, belegen ihre Mitarbeiter mit Reiseverboten oder verordnen Kurzarbeit. Wir müssen auf den Nachfragerückgang mit Streckenausdünnungen reagieren und können zu diesem Zeitpunkt weitere Maßnahmen nicht ausschließen." Passagiere, deren Flug gestrichen wurde, können gratis umbuchen oder erhalten auf Wunsch eine Erstattung.

Weitere Flugausfälle

Die AUA ist jedoch bei weitem nicht die einzige Fluglinie, die angesichts der Corone-Epidemie ihr Angebot anpasst. Allen Reisenden ist in der aktuellen Situation daher zu empfehlen, sich vorab zu erkundigen, ob ihre Flüge auch planmäßig absolviert werden. Das betrifft auch Anschlussflüge.

So wurden etwa in der gesamten Lufthansa-Gruppe, bei der Kernmarke Lufthansa, der Swiss, den Brussels Airlines und bei Eurowings Flüge nach China und Teheran ausgesetzt und das Angebot Richtung Italien reduziert.

Die Air France KLM und die IAG-Gruppe [ISIN ES0177542018], zu der die British Airways, Aer Lingus und Iberia gehören, haben ebenfalls Flüge in kritische Regionen gestrichen. Easyjet hat angekündigt, auf die gesunkene Nachfrage reagieren zu wollen und das Reiseangebot in Europa entsprechend zu reduzieren.

Der Reisekonzern TUI [ISIN DE000TUAG000], der mit TUIfly auch eine eigene Luftflotte unterhält, überlegt ebenfalls, den Corona-Dämpfer mit Sparmaßnahmen. ausgleichen.

Schwerer Dämpfer für Airline-Aktien

Einige Fluglinien haben ihre Ziele für 2020 bereits abgeschrieben. Finnair [ISIN FI0009003230] hat etwa schon erklärt, wegen der Epidemie 40 bis 50 Millionen Euro einsparen zu müssen und weder die angestrebten Passagier- noch die Gewinnziele erreichen zu können.

Auch der spanische Aiport-Technologie-Anbieter Amadeus [ISIN ES0109067019 ] hat seine Forecasts bereits nach unten revidiert.

Deutsche Lufthansa AG (US2515613048)

Deutsche Lufthansa AG (US2515613048)

Fluglinien-Aktien gehörten in der Folge zu den größten Verlierern an den internationalen Börsen. Die Lufthansa [ISIN DE0008232125] hat etwa im Lauf der letzten Woche 20 Prozent und seit Jahresbeginn bereits 35 Prozent an Wert abgegeben. Bei Air France KLM [ISIN FR0000031122] liegt das Wochenminus bei rund 25 Prozent, der Jahresverlust bereits bei 37 Prozent. Die Aktien von Eaysjet [ISIN GB00B7KR2P84], Ryanair [ISIN IE00BYTBXV33], der IAG [ISIN ES0177542018] aber auch der Delta Air Lines aus den USA [ISIN US2473617023] kennen derzeit ebenfalls nur eine Richtung, und die ist nach unten.

ANA HOLDINGS INC. (JP3429800000)

ANA HOLDINGS INC. (JP3429800000)

Wenn die Papiere dem Beispiel der japanischen AHA Holding [ISIN JP3429800000] folgen, dann könnte sich jedoch bald ein Einstieg lohnen. Die ANA-Aktie scheint nämlich den Turnaround bereits geschafft zu haben. Sie hat nach dem Kursrutsch von 29 Euro auf 23 Euro im Zeitraum vom 6. bis zum 28. Februar am 1. März wieder einen Sprung auf 24 Euro gemacht und somit an einem Tag knapp zehn Prozent an Wert zugelegt.

Tourismus: kurzfristiger Dämpfer

Tourismusexperten gehen allerdings nicht davon aus, dass die Luftfahrt-Branche längerfristig mit Einbußen rechnen muss. "Reisen ist mittlerweile ein Grundbedürfnis", betont etwa Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft, Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er geht davon aus, dass die Menschen angesichts der Virus-Epidemie nun eben zuwarten und es im Jahr 2020 vermehrt zu kurzfristigen Buchungen kommen wird. "Die Leute werden weiter reisen. Bis komplett darauf verzichtet wird, muss schon noch viel passieren", sagt Schmude.

Selbst das Osterreisegeschäft sieht er noch nicht als komplett verloren an. Sollte sich die Lage in den nächsten Wochen beruhigen, dann werde sich dieses nahezu normal entwickeln.

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