Red Bull: Exportschlager an syrisch-türkischer Grenze

Red Bull: Exportschlager an syrisch-türkischer Grenze

Täglich kommen vier bis fünf LKW-Ladungen Red Bull aus der Türkei nach Syrien.

Seitdem Assad die Kontrolle über die Grenze zum Nachbarland verloren hat, schießen türkische Exporte in die Höhe. Auch Red Bull soll dort ein echter Hit sein: Ein türkischer Frächter behauptet, täglich vier bis fünf LKW-Ladungen des österreichischen Energydrinks über die Grenze zu schaffen.

Während der Kampf um die syrisch-türkische Grenze anhält, floriert der Export türkischer Unternehmen in das von Bürgerkrieg zerrüttete Syrien - das besagt zumindest ein aktueller Bericht der Agentur Bloomberg, der sich auf Handelsstatistiken aus der türkischen Hauptstadt Ankara beruft: Demnach wurden bis September 1,3 Milliarden Dollar an Gütern über die Grenze geschafft - der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Den großen Zuwachs gibt es, seit Syriens Präsident Bashar Al-Assad die Kontrolle über die Grenze verloren hat - nun kontrollieren dort unterschiedliche Gruppen das Geschehen, darunter die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS).

Die Transporteure betreten dabei ein rechtliches Niemandsland und bezahlen jene Menschen, die gerade den Grenzübergang kontrollieren. "Wer auch immer die Seite einer Grenze kontrolliert, der kann die dort gültigen Zölle und Abgaben bestimmen", sagt Francis Riccardione, ehemaliger US-Botschafter in der Türkei, gegenüber Bloomberg: "Und wo es kein Gesetz gibt, da werden kriminelle Banden alles an sich reißen was der Markt hergibt." Das bestätigt auch Charles Lister, ein Nahost-Experte am Brookings Doha Center in Katar: "Die Transaktionsgebühren, die von den LKW-Fahrern gefordert werden, werden zu einer essentiellen Einkommensquelle", schreibt er via Email: "Unglücklicherweise treibt dies die Wirtschaft der Rebellengruppen an."

LKWs voller Red Bull

Erwähnt wird in dem Bericht auch die hohe Nachfrage nach einem österreichischen Produkt im Bürgerkriegsland: "Jeden Tag liefern wir vier bis fünf LKW-Ladungen Red Bull nach Syrien", sagt Mustafa Yilmiz, Eigentümer des türkischen Frächters Cem-Ay Transport. Käufer auf der anderen Seite der Grenze legen meist ihre Identität nicht offen, fügt der Geschäftsmann hinzu. Sind die Güter einmal über die Grenze gebracht, werden sie auf inländische LKW umgeladen und weiter transportiert - wer also in Syrien den Energydrink konsumiert, das weiß Yilmiz nicht.

Als der Bürgerkrieg in Syrien 2011 begann, lagen die türkischen Exporte noch bei 1,3 Milliarden Dollar; im nächsten Jahr fielen sie auf 391 Millionen Dollar. Ein Zuwachs an Handel könnte auch damit zusammen, dass viele Industrielle inzwischen ihre Fabriken aus dem Krisenland abgezogen haben - stattdessen produzieren sie in der Türkei und exportieren ins Nachbarland, vermuten Experten. "Der Krieg zerstört so viel Infrastruktur, dass die Syrer keine andere Wahl haben, als ihre Waren aus der Türkei zu importieren", sagt etwa Henri Barkey, Türkei-Experte an der Lehigh Universität in Pennsylvania.

Jegliche Spekulationen und Aussagen dieser Art sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. So dementiert etwa die Industrie- und Handelskammer in der syrischen Metropole Aleppo die türkischen Aussagen bezüglich eines zunehmenden Handelsvolumens: "Nehmen wir mal an, es gäbe regulären Handel, keinen Krieg und keine Unterstützung von Terroristen", sagt Fares Shihabi, Leiter der Organisation: "Dann sprechen wir trotzdem noch von einem deutlich geschrumpften Markt, weil drei bis vier Millionen Menschen aus dem Land geflüchtet sind."

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