RBI-Chefanalyst Brezinschek: "EU kein Musterschüler" im Handelskonflikt

RBI-Chefanalyst Brezinschek: "EU kein Musterschüler" im Handelskonflikt

RBI-Chefanalyst Brezinschek wünscht sich einen Vorstoß von Österreich in Handelsfragen im Rahmen des EU-Vorsitzes anstatt nur Thema "Sicherheit" zu beackern. Im Handelskonflikt mit den USA sei die "EU kein Musterschüler".

Wien/Washington/Brüssel. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China beschäftigt Exporteure, Volkswirtschafter und Wirtschafts- bzw. Finanzanalysten gleichermaßen. Der Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI), Peter Brezinschek, sieht US-Präsidenten Donald Trump grundsätzlich die richtigen Fragen stellen. "Nur gibt er die falschen Antworten", sagte der Experte am Freitag in einem Gespräch mit Journalisten.

China und andere ehemalige asiatische Emerging Markets seien nach wie vor sehr geschützte Volkswirtschaften und würden hohe Zölle einheben. Dazu käme die Frage des Geistigen Eigentums, da ausländische Unternehmen meist nur mit Joint Ventures Fuß fassen könnten. Das bedeute gleichzeitig einen Technologietransfer. Dagegen wollte Trump eben vorgehen, denn die US-Volkswirtschaft sei viel offener als die asiatischen und auch offener als die europäischen Volkswirtschaften, so Brezinschek.

Grundsätzlich habe es Trump mit seiner Handelspolitik viel stärker auf China als auf die EU abgesehen. Sollte er sich für höhere Zölle auf EU-Kfz entscheiden, dann würde sich das spürbar auswirken, so der RBI-Chefanalyst. "Kommt sofort die Retourkutsche, dann kann das natürlich weiter eskalieren." Der gesamte Konflikt habe bisher keine dramatischen Auswirkungen auf die Stimmung von Einkaufsmanagern in Europa gehabt. Asien ist mehr betroffen. Komme es zu einer Eskalation würde das reale Wachstum wohl aufgefressen werden, so der Fachmann.

Brezinschek ist überzeugt, dass Europa - "im Wissen selbst nicht der Musterschüler zu sein" - über die höheren Zölle nachdenken müsse, das es im Vergleich zu den USA einhebt. Eine "richtige Antwort" wäre ein Versuch eines Handelsabkommens mit den USA - um dann WTO-Regeln entsprechend die Zölle gegenseitig zu senken.

Der Experte bedauert, dass es nicht zu TTIP kam und würde sich einen zweiten Anlauf wünschen. Dann könnten auch gemeinsame Industriestandards festgelegt werden, was Vorteile gegenüber China bedeuten würde, da man Rahmenbedingungen selbst vorgebe.

Die Uneinigkeit Europas

Der RBI-Chefanalyst schlug vor, dass sich Österreich im Rahmen seiner EU-Präsidentschaft nicht nur auf "Sicherheit" konzentrieren sondern auch einen Vorstoß in Handelsfragen tätigen könnte. Es gehe darum, Mitgliedsländer mit Industrie- und Mitgliedsländer mit Agrarschwerpunkt zu einigen um gemeinsam vorzugehen. "Europa ist ein bisserl in einer Zwickmühle - es herrscht Uneinigkeit und keine besondere Offenheit in Handelsfragen. Es gibt einzelne Mitgliedsländer die sich ganz gerne bei gewissen Handelsthemen abschotten. Daher soll sich Europa nicht immer als Moralapostel in Handelsfragen darstellen", sagte Brezinschek.

Österreich und Europa sollten zeigen, "wir können noch etwas positives draus machen" und "nicht bei den Zöllen auf die Amerikaner hinzeigen". Die EU und die USA sollten sich stärker zusammenschließen, so der Aufruf des Fachmanns.

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