Raus aus der Krise: OECD-Empfehlungen für Österreich

Die Bewältigung der COVID-19 Krise hängt nicht nur an Impfstoffen und Medikamenten. Die OECD hat untersucht, welche Maßnahmen die Mitgliedsstaaten setzen sollten, um die Krise rasch hinter sich lassen zu können. Die Empfehlungen für Österreich.

Raus aus der Krise: OECD-Empfehlungen für Österreich

Raus aus der Krise, zurück in die Normalität - nach über einem Jahr des Pandemie-geprägten Lebens, der Einschränkungen, Beschränkungen und Lockdowns ist das der weltweit wohl am meisten geäußerte Wunsch. Der Weg zurück wird jedoch nicht so einfach möglich sein, denn die Pandemie hat viele seit langem bestehende Probleme in Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen verschärft und neue Diskrepanzen und Spannungen geschaffen.

Vorausgesetzt das Corona-Virus und seine Ausbreitung kann mit Impfstoffen und Medikamenten kontrolliert werden liegt es an der Politik, die richtigen Schritte für eine nachhaltige und resiliente Entwicklung zu setzen. Einige grundlegende Empfehlungen dafür liefert nun die OECD. Unter dem Titel "Going for Growth 2021: Shaping a Vibrant Recovery" hat sie die Auswirkungen der COVID-19 Krise auf die Ökonomien ihrer Mitgliedsstaaten untersucht und Empfehlungen für konkrete Maßnahmen abgegeben.

OECD Generalse kretär Angel Gurría und der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Daniele Franco präsentieren den "Going for Growth" Report 2021

Prä-COVID-Analyse

Für Österreich hat die OECD ein ganzes Bündel an Empfehlungen parat, die von vielen Seiten auch vor Beginn der Corona-Pandemie von vielen Seiten seit langem eingefordert wurden.

In einigen Bereichen sahen die OECD-Ökonomen Österreich vor Beginn der COVID-19-Krise recht gut situiert. So lag etwa das BIP pro Kopf auf Augenhöhe mit den besten OECD-Mitgliedsstaaten, die Produktivität sogar um sechs Prozent über den besten Ländern und die Beschäftigungsquote deutlich über dem OECD-Schnitt (siehe Grafik).

Auch die Ungleichheit wurde in Österreich im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten als deutlich geringer bewertet. Mit einem Gini-Koeffizient von 28 lag Österreich unter dem für fortgeschrittene Ökonomien errechneten Median von 30,3 (siehe Grafik).

Hinsichtlich Umweltschutz und CO2-Emissionen zählte Österreich innerhalb der OECD ebenfalls zu den Guten. Die Treibhausgas-Emissionen (GHG) lagen klar unter dem OECD-Schnitt und konnten zudem über das letzte Jahrzehnt kontinuierlich reduziert werden - wenn auch nicht im aus klimapolitischer Sicht notwendigem Ausmaß (siehe Grafik).

Österreichs Baustellen

Digitalisierung

Eine der größten Baustellen und Hemmnisse auf dem Weg zu einer raschen Erholung nach der COVID-19-Krise sieht die OECD allerdings im Bereich der Digitalisierung. "Österreich ist in diesem Bereich langsamer als vergleichbare Länder", attestiert die OECD, die daher über alle Altersstufen der Bevölkerung Bildungsmaßnahmen empfiehlt, begleitet von einer besseren Versorgung mit Hochgeschwindigkeits-Internetanbindungen als Schlüssel um die modernen Technologien schneller verfügbar und nutzbar zu machen.

Um das Umfeld für Wirtschaftstreibende und Unternehmer zu verbessern sieht die OECD zudem Bedarf beim Abbau von Barrieren für den digitalen Handel und Investitionen und der Förderung von Venture-Kapital - Initiativen, die die Durchdringung neuer Technologien beschleunigen sollten.

Arbeitsmarkt und Demographie

Richtig entscheidend wird es für Österreich, die Entwicklung des Arbeitsmarkts und den Rückgang der arbeitenden Bevölkerung zu korrigieren. Die Problematiken der hohen Langzeitarbeitslosenquote und des niedrigen effektiven Pensionsantrittsalters haben sich während der COVID-19-Krise weiter verschärft. Die OECD sieht besonders in Verbindung mit den in internationalen Vergleich großzügigen Pensionsbezügen dringenden Handlungsbedarf. Entscheidend werde es sein, Anreize abzubauen, die Arbeitnehmer dazu bringen, frühzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden. Die OECD empfiehlt umgehende Anpassungen der relevanten Parameter zur Pensionsberechnung und der Beitragszahlungen unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung.

Entscheidend wird es sein, dass Österreich seinen Talente-Pool besser nützt. Dafür müssen einerseits die Digital Skills der arbeitenden Bevölkerung verbessern werden - hier empfiehlt die OECD etwa Angebote zum Lebenslangen Lernen, die gemeinsam mit Arbeitnehmer-Vereinigungen entwickelt werden sollten sowie gezielte Maßnahmen für ältere und weniger gut ausgebildete Arbeitnehmer.

Andererseits müssen auch bessere Voraussetzungen geschaffen werden, um es in Familien beiden Elternteilen zu ermöglichen, Vollzeitbeschäftigungen nachzugehen. Dazu führt die OECD etwa einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kinderbetreuung sowie den Aufbau eines bundesweiten Ganztages-Schulsystems.

Diese Maßnahmen sollten auch dazu führen, dass der in Österreich überdurchschnittlich hohe Gender Pay Gap abnimmt und für Frauen gerechtere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten am Arbeitsmarkt geschaffen werden (siehe Grafik).

Elementar wird es für Österreich auch sein, seine Integrationspolitik zu verbessern. Die Integration von Migranten und ihrer Familien hinkt der OECD zufolge in Österreich deutlich hinter anderen Staaten hinterher, und die Pandemie dürfte diese Position weiter verschlechtert haben. Das Angeot an Deutschkursen sollte massiv erweitert werden und die Integrationspolitik besser zwischen dem Bund, den Ländern und den Gemeinden koordiniert werden.

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