Rauchverbot: Keine negativen Auswirkungen auf Geschäft der Gastronomie

Rauchverbot: Keine negativen Auswirkungen auf Geschäft der Gastronomie

Die Regierung begründet ihre Absicht, das Gesetz für ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie zu kippen, unter anderem mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Diese Annahme ist einer Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) zufolge falsch. Internationale Vergleiche zeigen, dass die Gastronomie von einem Rauchverbot profitieren würde.

In der Debatte um das Rauchverbot in der Gastronomie wird gerne das Argument des drohenden 'Wirtesterbens' ins Treffen geführt. Das ist jedoch ein völlig unbegründetes Argument, erklärt Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS), der zur Überprüfung der Behauptung über 200 Einzelstudien aus 16 verschiedenen Länder untersucht hat. Im Gegenteil: "Es zeigten sich in der ganz überwiegenden Zahl der Studien keine Umsatzeinbußen, teilweise sogar Umsatzsteigerungen", erklärt der Ökonom.

Der weit überwiegende Teil der internationalen Evidenz deute demnach darauf hin, dass Rauchverbote keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen für die Gastronomie mit sich bringen. Eine bereits 2014 publizierte internationale Übersichtsarbeit hätte beispielsweise in 88 Prozent der darin betrachteten Einzelstudien keine oder positive Effekte eines Gastro-Rauchverbotes festgestellt.

Eine ähnliche "Reviewstudie" hat bereits 2008 darauf hingewiesen, dass wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen Rauchverbote in der Gastronomie einen wirtschaftlichen Schaden erbringen, von deutlich schlechterer wissenschaftlicher Qualität waren und außerdem größtenteils von der Tabakindustrie finanziert oder mitfinanziert waren.

Restaurants profitieren deutlich

Im Durchschnitt sind Czypionkas Analyse zufolge Rauchverbote in Restaurants vorteilhafter als in der Getränkegastronomie. In Bars und Pubs ist es in Einzelfällen und kurzfristig zu Rückgängen in Umsätzen Beschäftigung gekommen. Die Autoren der Übersichtsarbeit dazu: "Mit Ausnahme von Schottland, wo das Rauchverbot zu Umsatzrückgängen in Pubs führte, blieben negative Auswirkungen trotzdem in allen Ländern weitgehend aus." Untersucht wurden Studien aus den USA, Belgien, Deutschland (Bayern), Irland, Italien, Norwegen, Schweiz (Tessin), und Schottland.

Trotz der unterschiedlichen verwendeten Methoden, Datenquellen, betrachteten Zeiträume und Länder könne auf Basis festgehalten werden, dass "der Großteil der empirischen Evidenz für ausbleibende oder gar positive Effekte von Rauchverboten auf die wirtschaftliche Situation gastronomischer Betriebe" spricht, wird vom IHS-Ökonom festgehalten.

Das IHS folgert: "Auf Basis der internationalen Literatur lässt sich daher erwarten, dass durch ein generelles Rauchverbot kein wirtschaftlicher Schaden für die österreichische Gastronomie als Ganzes zu erwarten ist." Lediglich die Situation kleinerer Schankbetriebe müsste beobachtet, gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen abgeleitet werden.

Positive Effekte

Abgesehen von den allfälligen wirtschaftlichen Effekten stehen einem Rauchverbot eindeutig positive gesundheitliche Effekte gegenüber, "Insbesondere auch für unbeteiligte Nichtraucher unter dem Personal und den Gästen der Betriebe", stellte das IHS fest.

In einer früheren Studie zu den Volkswirtschaftlichen Effekten des Rauchens im Jahr 2008 hatte Czypionka gemeisnam mit weiteren Ökonomen des IHS erhoben, dass trotz der hohen steuerlichen Belastung von Tabakprodukten die volkswirtschaftliche Bilanz zu Ungunsten des Rauchens ausfällt. Der seinerzeit erfolgten Berechnung zufolge, bei der der fiskalische Nutzen den Kosten gegenübergestellt wurde, lagen die jährlichen Netto-Kosten des Rauchens bei 511,4 Millionen Euro.

Volkswirtschaftliche Bilanz des Tabakrauchens in Österreich

Volkswirtschaftliche Bilanz des Tabakrauchens in Österreich

Österreich liegt laut „Eurobarometer“ mit 33 Prozent Raucherinnen und Rauchern an vierter Stelle unter den 27 europäischen Ländern und fünf Prozentpunkte über dem Europäischen Mittel. Auch die durchschnittlich gerauchte Stückzahl ist mit 18 Zigaretten pro Tag deutlich höher als in den EU-Ländern, wo ein mittlerer Konsum von 14 Stück verzeichnet wird. Laut einer Schätzung des Gesundheitsministeriums sterben in Österreich jährlich 14.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Einer Umfrage des Jobportals karriere.at zufolge spricht sich auch die absolute Mehrheit der Österreicher für Rauchverbote am Arbeitsplatz aus. 70 Prozent der Befragten sind demnach für ein generelles Rauchverbot, ein Viertel würde eine Lösung mit einem "Raucherkammerl" begrüßen und nur fünf Prozent votieren dafür, dass Rauchen prinzipiell erlaubt sein sollte.

COPD, eine Chronisch obstruktive Lungenerkrankung, ist eine anerkannte, durch Passivrauchen verursachte Berufskrankheit im Gastgewerbe. "Das Lungenkrebsrisiko verdoppelt sich in acht Jahren beim Servieren im Raucherbereich und kann sich in 40 Jahren verzehnfachen", weiß der Internist, Arbeits- und Umweltmediziner Manfred Neuberger. Er betont zudem, dass der Rauch auch in den Nichtraucherbereich vordringt und dort höhere Feinstaub-Konzentrationen verursacht als an einer verkehrsreichen Straße. Auch die Belastung mit Karzinogenen ist höher und wird nur von jener im Raucherraum übertroffen.

Mediziner für Rauchverbot

Das von der Wiener Ärztekammer und der Österreichischen Krebshilfe initiierte Volksbegehren "Don't Smoke", das sich für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie einsetzt, wurde mittlerweile von rund 540.000 Österreichern unterschrieben. Zuletzt haben sich weitere Prominente als Unterstützer deklariert. Markus Müller, Direktor der MedUni Wien, betonte etwa im Sinne der Verantwortung und für die Gesundheit der Bevölkerung die gesundheitsschädliche Wirkung des Tabakrauchs und den notwendigen Schutz der Nichtraucher.

„Passivrauchen erhöht erheblich das Risiko für Herzkreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen, die zu einer verkürzten Lebenserwartung und Frühinvalidität führen. Über ein allgemeines Rauchverbot konnte durch die Beendigung des Passivrauchens in der Gastronomie in Australien, Nordamerika, Nord- und Westeuropa und Italien gezeigt werden, dass das Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Atemwegserkrankungen deutlich sinkt“, sagen Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie, und Marco Idzko, Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien.

Der international beobachtete rasche Rückgang der Zahl der Herzinfarkte nach der Einführung des ausnahmslosen Rauchverbots für Gaststätten ist den Medizinern zufolge vor allem auf den Wegfall des Passivrauchens zurückzuführen. Der stärkste Rückgang fand sich bei jüngeren Nichtrauchern, die häufig Lokale aufsuchten, so der Kardiologe. „Weiterhin wird über den Zigarettenrauch Feinstaub freigesetzt, der sowohl mit der Entwicklung von Herzkranzgefäßverkalkungen als auch von akuten Herzinfarkten in Zusammenhang steht. Denn die hohe Feinstaubbelastung beim Passivrauchen aktiviert sofort den Blutdruck, stört den Herzrhythmus, reduziert die automatische Erweiterung der Herzkranzgefäße, um ausreichend Sauerstoff zur Verfügung zu stellen, und erhöht die Blutgerinnung.“

Don't Smoke: Ünterstützungen für das Volksbegehren für ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie können noch bis zum 4. April abgegeben werden.

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