Ratingagentur Moody's droht China mit Herabstufung

Ratingagentur Moody's droht China mit Herabstufung

China bekommt wegen ausbleibender Reformen und steigender Schulden Druck von den Ratingagenturen. Moody's drohte am Mittwoch mit einer Senkung der Kreditwürdigkeit des Landes, während Konkurrent Fitch die lockere Geldpolitik der Zentralbank kritisierte.

Damit steigt weniger Tage vor der Entscheidung des Nationalen Volkskongresses über einen neuen Fünfjahresplan der Druck auf die Regierung, die Wirtschaft umzubauen und wieder in Schwung zu bringen.

Moody's senkte den Ausblick für Bonitätsnote von "stabil" auf "negativ", was die Vorstufe für eine Herabstufung ist. Die Bewertung wurde vorerst bei "Aa3" belassen. Das ist die vierthöchste Note, die eine sichere Anlage mit einem so gut wie vernachlässigbaren Ausfallrisiko verspricht - längerfristig aber Probleme nicht ausschließt. "Ohne glaubhafte und effiziente Reformen wird sich das Wachstum in China kräftig abkühlen, weil die hohe Verschuldung bei Unternehmen Investitionen lähmt und der demografische Wandel sich zunehmend bemerkbar macht", schrieben die Experten von Moody's. "Die Staatsverschuldung würde daher stärker steigen als wir es bisher erwartet haben."

Auch wird darauf hingewiesen, dass die Devisenreserven in den vergangenen eineinhalb Jahren um 762 Mrd. Dollar (700,9 Mrd. Euro) geschrumpft seien. Noch verfüge China über ausreichend große Reserven und habe daher Zeit für Reformen, erklärte Moody's. Sollte aber das Tempo nachlassen und nicht mehr ausreichen, um das Wachstum zu sichern und die Staatsfinanzen zu schützen, sei eine Herabstufung möglich.

Die Ratingagentur Fitch wiederum sieht die erneute Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbank kritisch. Diese gesteht den Geschäftsbanken zu, weniger Geld bei ihr als Sicherheit zu hinterlegen und den so gewonnenen Spielraum für die Kreditvergabe zu nutzen. "Das könnte auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit hindeuten, dass die Behörden ein mehr kreditgetriebenes Wachstum ermöglichen wollen", erklärte Fitch. "Mehr Schulden verzögern nur den erwarteten Anstieg notleidender Kredite, lösen das Problem aber nicht."

Mit 6,9 Prozent ist die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt 2015 so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Für dieses Jahr wird ein noch kleineres Plus erwartet. Die Führung in Peking versucht gegenzusteuern und die Wirtschaft umzubauen. Insidern zufolge sollen in der Industrie fünf bis sechs Millionen Arbeitsplätze ihren Job verlieren. Diese Stellen fallen in den nächsten zwei bis drei Jahren bei sogenannten Zombie-Firmen weg, die seit langem Verluste schreiben und oft über den Bedarf hinaus produzieren.

Experten trauen der Volksrepublik zu, die Modernisierung hinzukriegen. "Es gibt genügend Spielraum", sagte Analyst Trinh Nguyen vom Vermögensverwalter Nataxis. "Von den Schwellenländern hat China die niedrigste Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung." Zudem habe das Land hohe Überschüsse in der Handelsbilanz, exportiert also mehr als es importiert. Moody's zufolge liegt die Staatsverschuldung bei knapp 41 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Konkurrent Standard & Poor's verweist aber darauf, dass die Verbindlichkeiten der Unternehmen 2014 auf 160 Prozent des BIP gestiegen seien, was doppelt so viel wäre wie in den USA.

Die Märkte reagierten gelassen auf den Warnschuss der Ratingagentur. Die Börse in Shanghai legte 4,3 Prozent zu, der Index für die wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen gewann ebenfalls mehr als vier Prozent.

Alfons Mensdorff-Pouilly

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