Rapid Wien stellt neues Millionen-Programm auf

Rapid Wien stellt neues Millionen-Programm auf

Christoph Peschek (Geschäftsführer SK Rapid GmbH) und Michael Krammer (Präsident SK Rapid Wien).

Österreichs Rekordmeister legt finanziell nach: Rapid Wien will bis 2019 Millionen für seine neue Jugendakademie investieren. Das Top-50-Ziel bei der Profi-Truppe bleibt aufrecht. Die Rapid GmbH soll Aktiengesellschaft werden. TV via Internet wird 2018 gestartet. Für die Crowdinvestoren wird es auch bei einer „Schwarzen Null“ eine Ausschüttung geben.

Es war eine Art Halbzeitbilanz, die Rapid Wiens Präsident Michael Krammer vor der Ordentlichen Hauptversammlung 2017 gezogen hatte. Sechs Hauptversammlungen, davon eine außerordentliche, hat Krammer bereits seit seinem Antritt seiner Präsidentschaft im Jahr 2013 absolviert. Doch die Und zwei Bilanzen – die sportliche und die kommerzielle sind noch nicht so ausbalanciert, dass der Ökonom und Telko-Manager Krammer von einem maximalen Grenznutzen sprechen könnte.

„Na ja, den Cupsieg haben wir knapp verpasst, das Ziel in die Top-50 in Europa zu kommen, könnte noch erreicht werden", sagt der Rapid-Präsident. Laut Rangliste des Europäischen Fußballverbandes UEFA halten die Grün-Weißen derzeit bei Rang 64. Und das selbst gesteckte sportliche Ziel binnen zehn Jahren mit drei nationalen Titeln ist noch nicht abgeschrieben. „Zählt man ab 2013 ist es noch möglich“, bleibt Krammer optimistisch.

Nach der sportlich katastrophalen Saison 2016/17 mit Rang 5, drei Trainerwechseln, einem Managerwechsel, einem verlorenen Cupfinale und der verpassten Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, umstrittener Managemententscheidungen – unter anderem auch von Krammer - scheint nun wie Ruhe in Hütteldorf eingekehrt zu sein. Die jüngsten Erfolgen aus der laufenden Saison stimmen hoffnungsvoll. Stabilität und vor allem Ruhe ist wieder eingekehrt. Was auch auf der Hauptversammlung zum Ausdruck kam. Applaus, keine Buhrufe – trotz der „Seuchensaison“, wie viele Rapid-Getreuen die abgelaufene, erste Saison im neuen Allianz-Stadion nannten.

Rapid-Präsident Krammer legt zusammen mit Geschäftsführer Peschek nach. Die Entscheidung für die neue Jugendakademie soll im kommenden Jahr auf jeden Fall gefällt werden. Zwei von bisher vier Standorten sind nun in der engeren Auswahl. Variante 1 ist im Wiener Prater beim Ernst-Happel-Stadion. Dazu zählen bereits die bestehende Trainingsplätze neben dem Stadion sowie das Wiener Energiezentrum. Variante 2 ist in Tullnerfeld ein Grundstück auf der grünen Wiese mit 100.000 Quadratmetern wenige Meter vom Bahnhof entfernt.

Die Kosten belaufen sich auf „einen gerade noch einstelligen Betrag, in Millionen“, sagt Krammer. Wie das Projekt finanziert wird? „Es gibt da verschiedene Möglichkeiten, von Baustein, Crowdinvesting, Bankkrediten, Förderungen, Finanzierung durch Namensgeber und ähnlichem“, so der Rapid-Präsident. Die definitive Entscheidung soll spätestens vor dem Sommer 2018 fallen. Die bauliche Umsetzung soll 2019 abgeschlossen werden. Teil der neuen Jugendakademie sind auch Kooperationen mit Schulen im zweiten und dritten Bezirk.

Für die Rapid-Chefs ist das Gelände beim Praterstadion die favorisierte Variante, was auch die günstigere Variante sein sollte. Allerdings ist dort auch der Heimplatz von ASK Elektra, für die im zweiten Bezirk eine neue Spielstätte gefunden werden muss. Und außerdem müsste der Vertrag auf mindestens 30 Jahre abgeschlossen werden. „Das Thema Nationalstadion ist ja noch nicht abgehakt, nur dann ist es sinnvoll dort zu investieren, wenn wir einen langfristigen Vertrag haben“, sagt Krammer

Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek ist voller Optimismus, das Thema für alle zufriedenstellend lösen zu können und in Wien die Jugendakademie zu bauen: „Wir sind in guten Gesprächen.“ Acht bis neun Trainingsplätze mit entsprechenden Fitness- und Klubeinrichtungen sollen entstehen. Die Wiener Variante wäre wohl auch die kostengünstigere Variante, weil Plätze und Gebäude zum Teil vorhanden und nur noch modernisiert werden müssten.

Vorbild sind die Jugendakademien vom Hamburger SV und von Ajax Amsterdam, wo sich die Rapidler kundig gemacht haben.
Ein eigenes Internat, wie es Red Bull Salzburg auf seiner Jugendakademie errichtet hatte, ist nicht vorgesehen. Rapid will Anlaufstelle für die besten jungen Spiele in Zentraleuropa sein. „Die jungen Spieler, die nach Wien übersiedeln, sollen in Gastfamilien untergebracht werden“, sagt Rapid-Geschäftsführer Peschek.

Der Wandel zur AG

Nachdem die Profi-Abteilung im Jahr 2013 in eine eigene GmbH ausgegliedert wurde, wird bei Rapid nun überlegt, die Profi-Abteilung in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. „Eine Arbeitsgruppe ist gerade dabei, die Vor –und Nachteile zu prüfen“, sagt Kramer. Klarerweise handelt es sich dabei nicht um eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Das Abenteuer Börse hat Rapid nach dem Bauchfleck in den 1990er-Jahren kuriert. Soll heißen: Einen Börsegang wird es nicht geben.

„Der SK Rapid ist ein Mitgliederverein. Und das wird auch so bleiben“, sagt Rapid-Präsident Krammer auf der Hauptversammlung. „Wir sind die Alternative zum Oligarchenklub oder dazu, dass irgendein Investor oder ein Unternehmen den Klub zu einem Marketinginstrument macht.“ Dass sich der Fußball in den „letzten 20 Jahren massiv geändert hat“ ist für den Klub eine besondere Herausforderung. "Manche werfen uns die Kommerz vor vor, wir denken, dass wir mit Innovationen die Finanzierung sichern, um Fußball auf Top-Niveau zu präsentieren", sagt Krammer.

Mit der neuen Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) könnte sich der SK Rapid nach dem Vorbild von Bayern München dennoch neue Kapitalgeber als Minderheiten-Aktionäre an Bord holen, ohne sich von einem von Mitgliedern getragenen Verein loszulösen und das Mitspracherecht an die Kapitalgeber abzugeben. Bei den Münchnern sind Allianz, Audi und Adidas bei der FC Bayern München AG mit jeweils 8,33 Prozent als Aktionäre beteiligt. sie kommen zusammen auf weniger als die Sperrminorität von 25 Prozent. Der FC Bayern e.V hält mit 75 Prozent plus einer Aktie die Mehrheit.

Live im Internet

In der kommenden Saison wird es auch abseits der Live-Übertragungen durch Sky ein Novum in Österreich geben. Rapid verzeichnet mit einem Schnitt von 21.400 Zuschauern nicht nur zuhause Rekordwerte. Auch bei den Auswärtsspielen ist Grün-Weiß der Zuschauermagnet. Rund 43 Prozent aller Zuschauer der Bundesliga haben in der Saison 2016/17 demnach ein Spiel mit Rapid Wien gesehen. "Das bringt uns eine Sonderstellung", sagt Krammer.

Rapid wird daher ab der Saison 2018/19 alle Heimspiele via Internet zeitversetzt um drei Stunden übertragen. In den Genuss kommen dabei die Rapid-Mitglieder, die mit einem eigenen Account die Spiele in voller Länge via Internet empfangen können.

Das Geld für die Crowd

Für die Crowdinvestoren wird aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr eine Ausschüttung geben, auch wenn nur eine schwarze Null im kommenden Jahr unterm Strich stehen sollte. „Die Grundlage für die Auszahlung ist ein positives Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen“, sagt Rapid-Geschäftsführer Peschek. „Das werden wir schaffen, da geht es auch um das Vertrauen der Rapid-Fans, die ihr Geld investiert haben.“

Für heuer bekommen die 1500 Rapid-Crowdinvestoren zwischen zwei und drei Prozent, je nach Veranlagungsdauer von fünf, sieben oder neun Jahren. Rund drei Millionen Euro hatte Rapid mit dieser Finanzierungsform über die Crowdinvesting-Plattform Conda eingenommen. Im Vorjahr konnte Rapid noch Dank Teilnahme an der Europa League zwischen 3 und 4,5 Prozent Zinsen ausschütten. Rapid hatte via Crowdinvesting Schuldscheine ausgestellt. Das dabei erhaltene Geld wurde zur Tilgung von teuren Bankkrediten verwendet, die für den Stadionneubau aufgenommen wurde.

Das Geld für die Armen

Der soziale Aspekt kommt bei Grün-weiß auch nicht zu kurz. Zusammen mit der Volkshilfe startet Rapid eine österreichweite Initiative zur Unterstützung armutsgefährdeter Kinder. In Österreich sind rund 300.000 Kinder betroffen. Die Umsetzung startet im Februar 2018 mit speziellen Initiativen. So sollen bei bestimmten Spielen ein Euro an die Volkshilfe gehen. Im Fanshop oder am Getränkestand können die Käufer Beträge zugunsten der Initiative aufrunden.

Der Rekordmeister

Dass Rapid Österreichs Rekordmeister ist, hatten die Hütteldorfer nie in Frage gestellt. „Aus welchen Gründen auch immer, glaubten bestimmte Personen das in Frage zu stellen“, meinte Krammer anlässlich der Ordentlichen Hauptversammlung 2017. Doch das sei nun "ein und für allem Mal geklärt". Krammer: „Eine Historikerkommission hat die Fakten gecheckt und in einem Gutachten nun eindeutig festgestellt: Rapid ist der Rekordmeister von Österreich." 32 Meistertitel stehen zu Buche.

Für die Internet-Freunde hat der Klub eine "Zeitreise" via Internet freigeschaltet . Die Wiener Firma Ixolit hat die rund 120 Jahre alte Geschichte des Klubs von der Gründung als „1. Wiener Arbeiter Fußballklub“ im Jahr 1897 bis heute multimedial nachgezeichnet - mit Text, Bild und Videos wurde die Rapid-Website mit ihren 25.224 Seiten um eine "interaktive Zeitreise" erweitert.

Steriler Raum des deutschen Halbleiterherstellers Infineon

Wirtschaft

Infineon investiert Milliarden in neue Chipfabrik in Villach

Ein Salut zum Abschied: Der neue WKO Präsident Harald Mahrer beklatscht seinen Vorgänger Christoph Leitl

Wirtschaft

WKO: Leitl übergibt Präsidenten-Amt an Harald Mahrer

Iran-Deal - EU startet am Freitag mit Abwehr von US-Sanktionen

Politik

Iran-Deal - EU startet am Freitag mit Abwehr von US-Sanktionen