Raiffeisen-OÖ-Chef Schaller: „Katastrophenstimmung bei kleineren und mittleren Betrieben“

Raiffeisen-Oberösterreich-Chef Schaller ist „nicht glücklich“ über die von der Regierung gewünschte Kreditgebühren-Deckelung. Die Jahresbilanz 2019 ist gut, trägt aber schon erste Corona-Spuren.

Raiffeisen-OÖ-Chef Schaller: „Katastrophenstimmung bei kleineren und mittleren Betrieben“

Gerne hätte Raiffeisenlandesbank-Oberösterreich-Heinrich Schaller über ein rundherum glänzendes Ergebnis 2019 gesprochen. Doch die Corona-Krise hinterließ sogar in der Bilanz des Vorjahres, als das Virus noch nicht einmal Thema war, Spuren.

In einer Videopressekonferenz referierte Schaller zwar gestiegene Zahlen bei Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierungen (+5,5 bzw. 4,8 Prozent). Doch unterm Strich steht bei seinem Konzern ein Rückgang des Jahresüberschusses vor Steuern von knapp 50 Millionen Euro auf 319,2 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis ging auf 302,8 Millionen Euro zurück, ein Minus von 64,7 Millionen Euro.

Hauptgrund: Die 9,5-Prozent-Beteiligung an der Raiffeisen Bank International (RBI) musste in erheblichem Maß abgeschrieben werden. Sie hat 2019 zwar exzellent performt, Schaller spricht sogar von einem „hervorragenden Ergebnis“. Doch weil nach dem IFRS-Bilanzstandard die künftigen Entwicklungen eingepreist werden müssen, führte das in Summe zu einem negativen RBI-Ergebnisbeitrag von 15,9 Millionen Euro– im Jahr davor waren es noch plus 77,3 Millionen Euro gewesen.

Anders ist die Situation bei der Voestalpine, an der die RLB OÖ über zehn Prozent hält. Sie schlug 2019 mit einem positiven Ergebnisbeitrag von 11,2 Millionen Euro zu Buche. Die Beteiligung an dem Stahl- und Technologiekonzern stehe auch künftig nicht zur Disposition, betont der Generaldirektor: „Das steht in keinster Weise in Zweifel. Wir denken nicht daran, Anteile zu verkaufen. Der Börsekurs ist übertrieben nach unten geprügelt worden. Aber das beunruhigt mich nicht. “

Die Covid-19-Krise betrifft die Bank derzeit auf vielfältigen Ebenen. Allein 100 Millionen Euro haben die Raiffeisenbanken in der Bilanz 2919 zurück gestellt, „auf freiwilliger Basis“, wie Schaller betont. Damit sollen die zu erwartenden Kreditausfälle 2020 gemeistert werden können. 8.787 Kredite wurden seit Beginn der Krise gestundet, 840 Überbrückungsfinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von über 260 Millionen Euro beantragt. Von Exporteuren und Großunternehmen, denen die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) Kredite bereit stellt, wurden in der RLB OÖ bislang 55 Anträge mit einem durchschnittlichen Volumen von 8,08 Millionen Euro gestellt, das Gesamtvolumen beträgt somit 444,8 Millionen Euro.

Schaller spricht von einer „Katastrophenstimmung bei den kleineren und mittleren Unternehmen, während „die großen Unternehmen seit der Krise 2008 Liquiditätsvorräte aufgebaut haben.“

„Nicht glücklich“ ist der Raiffeisen-Oberösterreich-Chef naturgemäß mit dem Wunsch der Regierung, die Kreditgebühren zu senken. Künftig soll sich die Spanne der Bearbeitungsgebühren zwischen 0,5 bis 0,8 Prozent der Kreditsumme bewegen. Bisher betrage die Bearbeitungsgebühr in seinem Haus durchschnittlich rund ein Prozent. „Aber mit 0,8 Prozent können wir auch leben“, konzediert Schaller.

„Nicht gefallen lassen“ will er sich jedoch die „starke Empfehlung“ der europäischen Aufsichtsbehörden, keine Dividenden auszuschütten. Seine Dividendenempfänger seien die Regionalbanken, die in der Krise die regionale Wirtschaft stützen. Dagegen dürften Konzernbanken Ausschüttungen an ihre Mütter vornehmen, „egal in welchem Land sie sitzen.“ Schaller ortet eine Ungleichbehandlung und prüft rechtliche Schritte.

Seit Beginn der Krise arbeiten nur noch 13 Prozent der RLB-OÖ-Mitarbeiter vor Ort, der Großteil ist in den Home-Office-Modus gewechselt. Die Kundenbetreuung via Telefon und Video werde an Bedeutung gewinnen, erwartet Schaller: „Die Büros werden nicht verschwinden, aber sie werden weniger genutzt werden.“

Kurios: In den eine Stunde vor der Videopressekonferenz verteilten Unterlagen war die optimistische Erwartung des Bankers vermerkt, die Wirtschaft werde sich schneller erholen als nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Auf Nachfrage des trend dämpfte Schaller diesen Optimismus. „Vielleicht müssen wir unsere Einschätzung schon wieder korrigieren“. Die Aggressivität des Virus sei unterschätzt worden.

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Zur Person. Georg Schwondra, 51, ist Partner bei Deloitte und für den Ausbau und die Leitung des Bereiches Cyber Risk/Cyber Security bei Deloitte Risk Advisory verantwortlich. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl im Bereich von Security Strategy, der Beratung und Implementierung von Cybersecurity-Lösungen, dem Outsourcing von Security-Funktionen auf Auftraggeberseite und Dienstleisterseite als auch in der Begleitung und dem Management von Transformationsprojekten bei Unternehmen aller Größen, insbesondere auch im Bereich von Familien- und Privatunternehmen.

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