Raiffeisen-Holding erzielt Rekordergebnis

Raiffeisen-Holding erzielt Rekordergebnis

Klaus Buchleitner: "Raiffeisen war früher durchaus breit aufgestellt. Mit Basel III war klar, dass wir uns neu ausrichten müssen. Das war mitunter schmerzhaft."

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien legt für 2017 das beste Ergebnis ihrer Geschichte vor. Generaldirektor Klaus Buchleitner spricht im trend-Interview über Rekordgewinne - von Bank, Mehl bis Medien. Und warum ihn Machtkämpfe kaltlassen.

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien setzte im Jahr 2017 ihre Neuausrichtung fort. Mit den vier Geschäftsfeldern Agar, Banken, Infrastruktur und Medien wurde ein Konzernergebnis nach Steuern von 712,5 Millionen Euro (2016: 141,1 Millionen Euro) erzielt. Damit konnte Raiffeisen-Holding NÖ-Wien den besten Wert in ihrer Unternehmensgeschichte erzielen.

Das operative Ergebnis beläuft sich auf 410 Millionen Euro. "Hinzu kommen einmalige positive Bewertungseffekte in der Höhe von 305 Millionen Euro, wodurch die ausgezeichnete operative Entwicklung insgesamt nochmals übertroffen wird – also operativ und bilanziell – unser bestes Jahr“, wie Generaldirektor Klaus Buchleitner betont.

Das Bankgeschäft dominiert weiterhin das Geschäft der Raiffeisen-Holding mit einem Ergebnisbeitrag von 57 Prozent. So konnte das Geschäftsfeld Bank mit der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und der at Equity konsolidierten Raiffeisen Bank International 235 Millionen Euro zum Rekordergebnis beisteuern. Die Geschäftsfelder Agrar (33 Prozent Anteil), Infrastruktur (8 Prozent) und Medien (2 Prozent) steuerten insgesamt 180 Millionen Euro zum Ergebnis bei.

„Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, die Zahlen haben sich in allen vier Geschäftsfeldern im Vergleich zum Vorjahr verbessert", sagt Buchleitner.

Mehr Kreditvergabe

Das Kreditwachstum der 58 (Vorjahr: 60) niederösterreichischen Raiffeisenbanken betrug 6,2 Prozent. Mit 458 (484) Bankstellen werden rund 970.000 Kunden bedient. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) beträgt laut Aussendung voraussichtlich 163 Mio. Euro - 2016 waren es noch 204 Mio. Euro. Die kumulierte Bilanzsumme beläuft sich auf 21,7 Mrd. Euro. Die Kernkapitalquote der nö. Raiffeisenbanken stieg von 17,1 auf 17,8 Prozent, die Gesamtkapitalquote von 19 auf 19,4 Prozent.

Im Jahr 2016 wurde das Ergebnis noch von Abschreibungen auf die Beteiligung an der Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit 192,3 Mio. Euro belastet, wodurch es im Teilkonzern Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien (RLB NÖ-Wien) zu einem Verlust von 63,9 Mio. Euro kam. Die Abschreibung stand im Zusammenhang mit der Verschmelzung der RZB mit der RBI. Die RBI-Beteiligung beträgt nunmehr 22,6 Prozent.

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien ist mit rund 700 Beteiligungen eine der größten Beteiligungsholdings in Österreich. Zu den wesentlichsten direkt und indirekt gehaltenen Beteiligungen zählen u.a. Raiffeisen Bank International, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, via Leipnik-Lundenburger Invest: café+co und GoodMills Group sowie AGRANA, NÖM, STRABAG und Kurier. Die Industriebeteiligungen erreichten einen kumulierten Umsatz von 22 Mrd. Euro. Die Bilanzsummer des Konzerns blieb mit 27,2 Milliarden Euro zum Vorjahr unverändert.

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien ist eine Genossenschaft und steht im mehrheitlichen Eigentum der niederösterreichischen Raiffeisenbanken, weitere Eigentümer sind u.a. die niederösterreichischen Lagerhausgenossenschaften.

Interview

"Raiffeisen ist wie Schwarmintelligenz"

Klaus Buchleitner:

Generaldirektor Klaus Buchleitner erklärt im trend-Interview, die jüngsten Entwicklungen im Konzern. Er ist seit dem Jahr 2012 als Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien und der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien.

trend: Herr Generaldirektor, Österreichs Unternehmen verdienen heuer prächtig. Die Raiffeisen-Holding hat schon im Halbjahr einen Rekordüberschuss von 200 Millionen Euro vermeldet. Wie sieht das Jahresergebnis für 2017 aus?
Klaus Buchleitner: Wir sind mit 2017 sehr zufrieden. Wir haben sowohl bilanziell als auch operativ das beste Ergebnis erzielt, seit es die Raiffeisen-Holding gibt. Unser Konzernergebnis 2017 liegt bei 712 Millionen Euro.

Wie ist dieses doch erstaunliche Ergebnis zustande gekommen?
Buchleitner: Wir haben den Konzern umgebaut und uns auf vier Geschäftsfelder fokussiert: Agrar, Bank, Medien und Infrastruktur. Diese Strategie wurde gemeinsam mit unseren Genossenschaftsmitgliedern, unseren Eigentümern, festgelegt. Und sie entwickelt sich ausgezeichnet. Die Nicht-Bankbeteiligungen tragen circa 180 Millionen Euro zum Ergebnis bei. Der Beitrag aus dem Bankbereich liegt bei 539 Millionen Euro, allerdings sind da Bewertungseffekte von 305 Millionen enthalten. Insgesamt haben wir in der Holding, wenn man diese einmaligen Sonder- und Bewertungseffekte herausrechnet, ein operatives Ergebnis von fast 410 Millionen Euro erzielt. Das ist damit auch operativ das erfolgreichste Jahr.

Welche der vier Säulen macht Ihnen am meisten Freude?
Buchleitner: Ich will da kein Ranking aufstellen, alle Unternehmen entwickeln sich durchaus gut. Gemeinsam sind wir stark. Das Geschäftsfeld Bank ist nach wie vor das größte, aber Agrar trägt schon 31 Prozent zum operativen Geschäft bei.

Die Landesbank hat im Vorjahr noch einen Verlust von 64 Millionen Euro geschrieben.
Buchleitner: Der Bankbetrieb ist jetzt deutlich positiv, auch wenn er durch das Niedrigzinsumfeld noch nicht dort ist, wo wir ihn gerne hätten. Natürlich ist die RBI der größte Ergebnisbringer im Geschäftsfeld Bank, aber dort haben wir auch mit großem Abstand das meiste Kapital investiert.

Was tragen eigentlich die Medien zum Ergebnis bei?
Buchleitner: Knapp neun Millionen Euro.

Die sind also Ihr Sorgenkind.
Buchleitner: Das würde ich so nicht sagen. Man muss das Ergebnis immer auch im Verhältnis zum Kapitaleinsatz sehen. Und der ist bei den Medien vergleichsweise gering. Außerdem ist die Branche, wie Sie ja selbst wissen, dramatisch im Umbruch begriffen.

Buchleitner spricht auch über die Machtfrage im Raiffeisen-Konzern. Insgesamt gehe es darum, "Synergien zu finden und zu nutzen.

... und nicht um Machtfragen?
Buchleitner: Machtfragen interessieren mich eigentlich nicht. Raiffeisen funktioniert eher wie Schwarmintelligenz. Die Nutzung von Synergien, wie beispielsweise bei der IT, ist nur umsetzbar, wenn Win-win-Situationen entstehen. Es geht also um schwierige Sachthemen, die innerhalb von acht eigenständigen Unternehmen zu lösen sind. Und das auf kooperativem Wege. Da dauern solche Entscheidungen immer wesentlich länger.

Zur Person

Klaus Buchleitner , 54, ist seit 2012 Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien sowie der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. Davor war er Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Ware Austria. Buchleitner stammt aus Franzensdorf in Niederösterreich, studierte in Wien Jus und absolvierte danach das MBA-Programm Insead in Fontainebleau. Seine Karriere startete er in der Girozentrale.


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