„Rahmenbedingungen haben sich sehr verbessert“

„Rahmenbedingungen haben sich sehr verbessert“

Philipp von Lattorff - Generaldirektor Boehringer Ingelheim, Regional Center Vienna

Boehringer-Ingelheim-Generaldirektor Philipp von Lattorff spricht im trend-Interview über Forschungsprämien und Wien als Standort.

trend: Sie sind das einzige internationale Pharmaunternehmen, das nicht nur eine Niederlassung in Wien betreibt, sondern auch Forschung. Wie kommt das?
Philipp von Lattorff: Als Geschäftsführer habe ich zwei Aufgaben: Mitbewerber am Markt im Blick zu haben und zu schauen, dass wir besser sind. Und intern muss ich die Konzernführung davon überzeugen, dass Wien ein guter Forschungs- und Produktionsstandort ist und dass wir hier investieren und nicht in einem anderen Land. Dazu braucht es aber kompetitive Rahmenbedingungen.

Ihre Überzeugungskraft war erfolgreich. Boehringer investiert in den nächsten Jahren 700 Millionen Euro. Dafür gab es großes Lob von den Stadtpolitikern.
von Lattorff: Ja, aber ich muss das Lob zurückgeben. Es hat nur deshalb geklappt, weil Staat und Stadt Wien mitgespielt haben und der Konzern großes Vertrauen in den Wiener Standort hat. Die Förderprämien wurden kontinuierlich erhöht, jetzt ab 2018 sogar auf 14 Prozent. Wir hatten uns 15 Prozent gewünscht, aber immerhin. Was wir uns noch vergeblich wünschen, ist die Arbeitszeitflexibilisierung.

An English version of the article is available in the trend special issue accompanying the Global Peter Drucker Forum 2017.
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Finden Sie für diese Expansion genügend Fachpersonal in Wien?
von Lattorff: Ja, auch das ist ein Punkt, der für den Standort spricht, denn der wichtigste Erfolgsfaktor in der Forschung sind talentierte, hervorragend ausgebildete Mitarbeiter. Die finden wir in Wien, weil die Ausbildung in den Fachhochschulen und Universitäten gut ist. Wir beschäftigen rund 2.000 Mitarbeiter und haben bis jetzt keine Probleme, weitere Kräfte zu finden.

Auf welchen Bereich konzentriert sich die Forschung in Wien?
von Lattorff: Wir betreiben Grundlagenforschung über das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, IMP, sind dort größter Geldgeber und Alleingesellschafter. Innerhalb des Unternehmensverbands sind wir das globale Krebsforschungszentrum und Boehringer Ingelheim fokussiert jetzt vor allem auf die Immunonkologie. Ziel ist die Entwicklung neuer Medikamente gegen Krebs, die einen klaren Fortschritt gegenüber herkömmlichen Therapien ermöglichen. Die klinische Forschung für über 20 Länder in unserer Region koordinieren wir ebenfalls von Wien aus.

Gibt es schon erste Ergebnisse?
von Lattorff: Aus der Grundlagenforschung kommen viele Ideen, von denen wir einige weiterentwickeln. Aber der Weg bis zur Marktreife eines Medikaments dauert zehn bis zwölf Jahre. 2013 und 2014 haben wir zwei Krebsmedikamente auf den Markt gebracht, beide gegen Lungenkrebs.


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