Rabmer-Gruppe: Abwasser Marsch!

Abwasser ist eigentlich immer da und lässt sich als erneuerbare Energiequelle genial zum Heizen und Kühlen einsetzen. Die RABMER GRUPPE hat aus ihrer Idee leistungsfähige Anlagen entwickelt und rollt als Pionier den Markt auf.

ULRIKE RABMER-KOLLER. Die Geschäftsführerin präsentiert das innovative Herzstück: den Wärmetauscher. 200 Haushalte können mit der Energiemenge versorgt werden, die die Rabmer-Wärmetauscher-Anlage für die Zentrale von Wien Kanal täglich produziert.

ULRIKE RABMER-KOLLER. Die Geschäftsführerin präsentiert das innovative Herzstück: den Wärmetauscher. 200 Haushalte können mit der Energiemenge versorgt werden, die die Rabmer-Wärmetauscher-Anlage für die Zentrale von Wien Kanal täglich produziert.

Die Idee ist simpel: Warum nicht die Wärme des Abwassers zum Heizen nutzen? Das fragte sich ein Team der Rabmer Gruppe, und das zu einer Zeit, in der der Klimawandel vielerorts noch nicht die gegenwärtige Dringlichkeit hatte. Dass just die oberösterreichischen Hoch-und Tiefbauspezialisten daraufkamen, ist wohl einer ihrer Spezialitäten geschuldet: Wer grabungsfrei Rohre sanieren kann, weiß, was hier durchrauscht. "Wir haben uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und unterschiedliche Technologien getestet", erzählt Geschäftsführerin Ulrike Rabmer-Koller. Jurymitglied Marc Olefs, Abteilungsleiter Klimaforschung der ZAMG, ist begeistert: "Ein besonders innovativer Ansatz, versteckte, noch ungenutzte Energiequellen zu nutzen und damit fossile Brennstoffe zu ersetzen."

Abwasser hat über das ganze Jahr rund um die Uhr eine Temperatur zwischen zwölf und 18 Grad. Wenn Industriebetriebe in der Nähe sind, kann sie sogar bis zu 30 Grad betragen. Mittels innovativer Wärmetauscher im Kanal, kombiniert mit speziellen Wärmepumpen, kann geheizt, aber auch damit gekühlt werden. Rabmer konzipiert und assembliert dabei die kompletten Anlagenteile.

Nach einer Experimentierphase wurde das erste kommerzielle Projekt 2011 mit der Spar-Filiale in der Salzburger Getreidegasse umgesetzt. "Die Technologie stand am Anfang, und die Amortisationszeiten waren mit zwölf bis 15 Jahren damals noch zu lange", berichtet Rabmer-Koller. Im Lauf der letzten Dekade wurde das Konzept mit unterschiedlichen Technologien immer weiter verfeinert und kann heute dank innovativer Wärmetauschersysteme und spezieller Wärmepumpen eben auch für die Kühlung von Gebäuden verwendet werden. So haben sich die Amortisationszeiten auf vier bis zehn Jahre verringert. Diese Idee über viele Jahre konsequent zu verfolgen und zu verfeinern, hat Jurymitglied Monika Mörth, Geschäftsführerin des Umweltbundesamtes, besonders beeindruckt: "Hinter dem Projekt der Rabmer-Gruppe steht wirklich solides und fundiertes Know-how."

Umgesetzt wurden bislang fünf große Projekte, unter anderen in der neuen Wien-Kanal-Zentrale. "Die Nachfrage zieht jetzt enorm an, aus dem zarten Pflänzchen wird ein richtiger Markt", freut sich Rabmer-Koller.

Industriebetriebe, aber vor allem zahlreiche Kommunen, wollen damit Gebäude erneuerbar heizen und kühlen bzw. die erneuerbare Energie in das Fernwärmenetz einspeisen. Und auch immer mehr Immobilienentwickler melden sich, um neue Projekte damit auszustatten.

Die Anlage für Wien Kanal liefert im Vollbetrieb bis zu 700 Kilowatt Heizbzw. 630 Kilowatt Kühlleistung -dieselbe Leistung, mit der tagtäglich über 200 Haushalte versorgt werden können. Das Bauprojekt VIO Plaza in Wien-Meidling wird einen Gutteil seiner Energie zum Heizen aus dem Abwasser gewinnen und die gesamte Kühlung damit abdecken.

Einzelne Häuslbauer, die davon träumen, sich mit ihrem Toilettengang direkt wieder einheizen zu können, muss Rabmer-Koller allerdings enttäuschen: "Sie brauchen schon eine Abwasserdurchfluss im Kanal von mindestens zehn Litern in der Sekunde und ein 400er-Rohr (= 400 mm Durchmesser) in der näheren Umgebung." Bei größeren Anlagen mit mehreren Häusern -und wenn eine Fernwärmeleitung mitverlegt wird -kann der Einsatz jedoch Sinn machen. "Mit Potenzialanalysen stellen wir bei neuen Projekten im Vorfeld fest, was möglich ist und was nicht."

Jurymitglied Philip Reuchlin, Chief Sustainability Officer von Glacier, ist jedenfalls begeistert, weil es zeigt, welche ungeahnte Möglichkeiten es gibt, den Klimawandel zu bremsen: "Genau solche Potenziale zu erkennen und zu kommerzialisieren, ist der Schlüssel, um den CO2 Ausstoß zu reduzieren."

Und auch für Jurymitglied Christoph Thun-Hohenstein , Leiter der Vienna Biennale for Change, ist das Projekt ein vorbildhafter Auftrag an die Gesellschaft, sich auf die Suche zu machen: "Wir sollten alle Hebel in Bewegung setzen, alle Lebensbereiche nach noch unentdeckten Möglichkeiten zur umweltschonenden Energiegewinnung zu durchforsten."

Take Aways
  • Rabmer Gruppe 1963 gegründet, mit Sitz in Altenberg bei Linz. Das von Ulrike Rabmer-Koller geführte Familienunternehmen mit 110 Mitarbeitern erwirtschaftet 17 Mio. Euro Umsatz (2020),
  • Tätigkeitsfelder: Umwelttechnologie, Hoch-und Tiefbau, Altbausanierung, Holzbau und Zimmerei, Malerei und Bodenbeschichtungen, Immobilien, Erdbewegungen und Transporte sowie kommunale Dienstleistungen.
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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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