60 Prozent der Austro-Banken wollen Stellen abbauen

60 Prozent der Austro-Banken wollen Stellen abbauen

Der radikale Stellenabbau dürfte sich 2016 noch einmal verschärfen, geht aus einer Umfrage des Beratungskonzerns EY hervor. In keinem anderen Land soll der Stellenabbau so radikal erfolgen wie in Österreich. Ob das Knausern der Banken bei Firmenkrediten weiter anhält.

Trübe Aussichten für Beschäftigte im europäischen Bankensektor: Mehr als die Hälfte (54%) der Kreditinstitute will ihren Personalbestand in den kommenden zwölf Monaten zu reduzieren, nur 26 Prozent rechnen mit zusätzlichen Neueinstellungen. Damit sollen die geplanten Einschnitte noch drastischer ausfallen als vor einem Jahr – damals gingen 43 Prozent von Personalkürzungen aus. In Österreich steht sogar bei 60 Prozent der Banken ein „leichter oder deutlicher“ Stellenabbau auf dem Plan – 2015 war es die Hälfte (50%). Nur in Spanien, den Niederlanden (jeweils 67%) und Deutschland (61%) sollen die Personaleinschnitte noch tiefer ausfallen.

Das sind Ergebnisse des aktuellen European Banking Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 250 Banken in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, den skandinavischen Ländern, Schweiz und Spanien befragt wurden.

Niedriges Zinsniveau und strengere Regularien verstärken Sparkurs
Hauptgründe für den Sparkurs der Banken seien zum einen das historisch niedrige Zinsniveau, das die Zinseinnahmen schrumpfen lässt, zum anderen hohe regulatorische Anforderungen an Eigenkapital, Liquidität und Risikovorsorge, die die Gewinnmargen belasten, kommentiert Georg von Pföstl, Leiter Financial Services Advisory bei EY Österreich. „Im aktuellen Niedrigzinsumfeld gibt es für die Banken im klassischen Kreditgeschäft kaum noch etwas zu verdienen.“. Und vorerst sei auch keine Besserung der Lage in Sicht, sondern im Gegenteil: „Die Eurozone lockert ihre Geldpolitik weiter und die schwache Entwicklung an den Kapitalmärkten führt zu sinkenden Einnahmen aus dem Wertpapierhandel“, so Georg von Pföstl.

Gleichzeitig drängen immer neue Wettbewerber auf den Markt und verstärken den ohnehin hohen Preisdruck. „Die Situation in der europäischen Bankenbranche bleibt schwierig, die Gewinne werden vorläufig auf niedrigem Niveau verharren“, fasst Georg von Pföstl zusammen.

Die Folge: Die Banken setzen ihren Sparkurs fort – interne Kosten müssen sinken, die Beschäftigung wird weiter rückläufig sein. „Die Beschäftigungslage im gesamteuropäischen und österreichischen Bankensektor bleibt angespannt“, sagt Georg von Pföstl. „Die Personalausgaben machen knapp über die Hälfte der operativen Kosten der Branche aus. Vor diesem Hintergrund und angesichts der ökonomischen, monetären und regulatorischen Rahmenbedingungen sind weitere Stellenkürzungen realistisch“.

Immerhin: Zumindest im europäischen Durchschnitt dürfen sich die verbleibenden Mitarbeiter nach mehreren mageren Jahren auf ein leichtes Gehaltsplus freuen: Mehr als ein Fünftel (22%) will die Gesamtvergütung in diesem Jahr erhöhen, allerdings planen auch 17 Prozent Einschnitte. In Österreich müssen Mitarbeiter hingegen eher den Gürtel enger schnallen: Hierzulande wollen nur zehn Prozent die Gesamtvergütung anheben, doppelt so viele (20%) planen eine Reduktion.

Konsolidierungswelle in Österreich erwartet
In keinem anderen Land erwarten so viele Banker eine Konsolidierungswelle wie in Österreich: Für die kommenden zwölf Monate rechnen vier von fünf (80%) Befragte – und damit europaweit die meisten – mit einer „mittleren“ oder sogar „erheblichen“ Konsolidierung im heimischen Bankensektor. In Bezug auf die kommenden drei Jahre erwarten dies sogar fast alle Institute (90 Prozent).

Angesichts der aktuell schwierigen Situation vieler Banken rechnen Bankmanager mit einer spürbaren Marktbereinigung: „Der Kuchen wird kleiner, die Herausforderungen werden größer. Viele Banken werden auf sich allein gestellt nicht in der Lage sein, sich dafür mit den notwendigen Investitionen, beispielsweise in die Digitalisierung, zu rüsten und gleichzeitig einen Sparkurs einzuschlagen“, beobachtet von Pföstl.

Stimmungslage trotz schwieriger Rahmenbedingungen positiv
Dem schwierigen Marktumfeld und geplanten Einschnitten zum Trotz überwiegt der Optimismus bei Europas Bankmanagern: Immerhin 52 Prozent – und damit nur knapp weniger als vor einem Jahr (56%) – erwarten, dass sich ihr operatives Geschäft in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird, weniger als jede vierte Bank (23%) erwartet eine Eintrübung. In Österreich rechnen sogar sechs von zehn Banken mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten (2015: 50%). Nur Banker in Irland (76%), Großbritannien (68%) und Spanien (66%) sind noch zuversichtlicher.

Europaweit gehen die Institute deshalb unterm Strich auch von steigenden Umsätzen (46%) und einer gleichzeitig sinkenden Kostenbasis (44%) aus. Österreichische Banken liegen im europäischen Trend und erwarten ebenfalls steigende Umsätze (55%) und gleichzeitig steigende Kosten (40%). Entsprechend zuversichtlich zeigen sich die Institute in Bezug auf ihre Eigenkapitalrendite: Im Durchschnitt gehen 43 Prozent der europäischen Banken (Österreich: 30%) von einem Anstieg der Eigenkapitalrendite aus, nur 18 Prozent (Ö: 20%) rechnen mit einem Absinken.

Besonders gut sind nach Ansicht der meisten Banken europaweit (63%) die Perspektiven für das gehobene Privatkundengeschäft. Außerdem setzen sie stark auf das Firmenkundengeschäft (59%). In Österreich liegt der Fokus ebenfalls auf dem gehobenen Privatkundengeschäft sowie Retail Banking, Wertpapierdienstleistungen und Transaktionsberatung.

Brexit bereitet Europas Banken sorgen – österreichische Institute sehr gelassen
Ein Austritt Großbritanniens aus der EU würde europaweit bei fast jeder vierten Bank (23%) nach eigener Einschätzung zu einer starken Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit führen. Besonders betroffen von einem Brexit wären britische und irische Banken, bei denen sogar 53 bzw. 48 Prozent mit erheblichen Problemen rechnen.

Österreichische Institute sehen einen möglichen Austritt Großbritanniens vergleichsweise sehr gelassen: Hierzulande sehen vier von zehn Banken keinerlei negative Auswirkungen im Fall eines Brexit, kein Institut rechnet mit starken negativen Folgen für das eigene Geschäft. 40 Prozent rechnen mit „mittleren“ Auswirkungen im Fall eines EU-Austritts von Großbritannien.

Banken wollen mehr Kredite vergeben – vor allem an den Mittelstand
Trotz durchwachsener Konjunkturaussichten gehen die Banken von einer Lockerung ihrer Kreditvergabepolitik für die meisten Branchen aus. Davon sollte vor allem der Mittelstand profitieren: Die Hälfte (49%) der europäischen und immerhin 38 Prozent der österreichischen Bankmanager geben an, mehr Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben zu wollen.

In Österreich soll die Kreditvergabe außerdem vor allem in der Gesundheitsbranche (50%) sowie im Bereich der gewerblichen und professionellen Dienste (38%) gelockert werden. Europaweit profitieren neben Mittelstandsunternehmen ebenfalls die Gesundheitsbranche (43%) sowie Industrieunternehmen (38%). Betroffen dürften in Österreich hingegen vor allem Finanzdienstleister bzw. europaweit die Energiebranche sein: Für diese Branchen rechnen die Banken mit einer tendenziell restriktiveren Kreditvergabe.

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