Proteste gegen Werksschließungen und Jobabbau bei Contiental

Proteste gegen Werksschließungen und Jobabbau bei Contiental

Der deutsche Autozulieferer Continental treibt den von massiven Stellenstreichungen und Werksschließungen begleiteten Konzernumbau voran. Der Aufsichtsrat hat "Anpassungen" an mehreren Standorten zugestimmt. Die Belegschaft protestiert.

Tröten, Rasseln, Trillerpfeifen. Dazu dutzende Transparente und ein stilisierter Sarg, der den Verlust von Arbeitsplätzen betrauert: Wegen des geplanten Konzernumbaus mit der absehbaren Streichung von Stellen haben Mitarbeiter von Continental vor der Firmenzentrale in Hannover demonstriert. Sie waren aus ganz Deutschland angereist und appellierten vor einer Aufsichtsratssitzung an die Unternehmensleitung, das Konzept zur Neuausrichtung des Autozulieferers zu überdenken.

Continental (ISIN DE0005439004) wird sich nach dem heutigen Entscheid definitiv aus dem Geschäft mit Hydraulik-Technik für Verbrennungsmotoren zurückziehen. Entsprechende Pläne des Vorstands bestätigte der Aufsichtsrat. Die Fertigung hydraulischer Komponenten für Benzin- und Dieselantriebe solle "in den kommenden Jahren" auslaufen, erklärte das Unternehmen. "Hintergrund ist der durch verschärfte Abgasgesetze beschleunigte, disruptive Umstieg der Autoindustrie auf Elektromobilität", hieß es. Die Hydraulik-Nachfrage sei eingebrochen. tattdessen will sich der Zulieferer unter anderem auf Elektronik, Sensorik und automatisiertes Fahren konzentrieren.

Konzernumbau kostet tausende Jobs

Die Konsequenzen: Das Werk in Roding in Bayern, wo Hochdruckpumpen hergestellt werden, wird 2024 geschlossen. Rund 520 Jobs fallen dort weg. In Limbach-Oberfrohna (Sachsen) ist vier Jahre später für 850 Mitarbeiter Schluss. In Babenhausen (Hessen) gibt Conti bis Ende 2025 schrittweise die analogen Anzeige- und Bedienelemente für Autos auf - der Standort als solcher immerhin soll erhalten werden. In Newport News (USA) und im italienischen Pisa werden zusammen mehr als 1.400 Jobs gestrichen.

Insgesamt werden in einer ersten Welle bis 2023 gut 5.000 Stellen abgebaut. Binnen zehn Jahren werden bis zu 20.000 Stellen betroffen sein, fast ein Zehntel der Belegschaft. In Deutschland stehen etwa 7.000 der als 62.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Auch betriebsbedingte Kündigungen schließt Conti nicht aus.

Kritik am Unternehmenskurs

Der Ausstieg aus dem Hydraulik-Geschäft und Bereichen, die Technik für Verbrennungsmotoren herstellen, sei keine hinreichende Strategie, um im beginnenden Zeitalter der E-Mobilität konkurrenzfähig zu bleiben, kritisiert Betriebsratschef Hasan Allak. Dass Continental umsteuern muss, ist jedoch auch unter vielen Beschäftigten unumstritten. Strittig ist, wie und in welchem Tempo das geschieht.

Die Umstellung auf Elektroantriebe, Software, Elektronik, Sensorik, automatisiertes Fahren, Reifen und das Endkunden-Geschäft geht manchem zu schnell. Der laut Konzern "beschleunigte, disruptive Umstieg der Autoindustrie auf Elektromobilität" ist eine Tatsache - auch der große Rivale Bosch muss derzeit Personal abbauen. Christiane Benner, Vizechefin der IG Metall und des Conti-Aufsichtsrats, betont aber: "Wir brauchen mehr Zeit." Das bisherige Konzept des Vorstands ist ihr zu unkonkret - dabei gebe es große Veränderungsbereitschaft. "2030 wird es noch 45 Prozent Verbrenner geben", sagt die Gewerkschafterin. "Es wird ja nicht alles sofort elektrisch."

OeNB Gouverneur Robert Holzmann

Wirtschaft

OeNB rechnet mit Wachstumsdelle im Jahr 2020

Hans Peter Schützinger, Sprecher der Geschäftsführung Porsche Holding Salzburg

Wirtschaft

Porsche Holding Salzburg: Mit Schwung Richtung E-Mobilität

Wirtschaft

Boeing 737 Max darf 2019 nicht mehr starten

Wirtschaft

Fußball-TV-Rechte-Poker: DAZN und Amazon spielen Sky an die Wand