ProSiebenSat.1 Chef Max Conze krempelt TV-Konzern um

ProSiebenSat.1 Vorstandschef Max Conze

ProSiebenSat.1 Vorstandschef Max Conze

Der neue ProSiebenSat.1-Chef Max Conze zieht die Notbremse: Weil der Fernsehkonzern im Wettrennen mit US-Videodiensten wie Netflix und Amazon an Boden verliert und dringend mehr Geld in die Zukunft investieren muss, wird der Gürtel an anderer Stelle enger geschnallt.

"Wir stoßen jetzt die notwendigen Veränderungen und Investitionen an, um aus ProSiebenSat.1 ein absolut digitales, diversifiziertes und schnell wachsendes Unternehmen zu machen", erklärte Conze. Statt die vom jahrelangen Kursverfall geplagten Anleger weiter mit hohen Ausschüttungen zu trösten, will er lieber den Unternehmenswert steigern.

"Wir haben tolle, passionierte Mitarbeiter, aber eindeutig liefern wir das, was wir versprechen, nicht sauber und kohärent genug", sagte Conze, der im Juni den Chefposten übernommen hatte. Die letzte Strategie-Anpassung bei ProSiebenSat.1 ist gerade einmal ein Jahr her. Geholfen hat es dem Aktienkurs bisher nicht. Die ProSiebenSat.1-Aktie, die im März bereits vom DAX in den Nebenwerteindex MDAX absteigen musste, ist von ihrem Höchststand von 50,95 Euro vor drei Jahren weit entfernt. Und auch am Donnerstag ging der Ausverkauf weiter, die Ankündigungen verfingen nicht: In der Spitze verloren die Papiere 18 Prozent, markierten damit den niedrigsten Stand seit sechs Jahren und zogen auch die Konkurrenz von RTL mit nach unten.

Dazu trugen nach Angaben von Börsianern weitere unangenehme Überraschungen bei, die der Konzern seinen Anlegern präsentierte, darunter eine Kürzung der Umsatzprognose für das laufende Jahr und die Gefahr millionenschwerer Abschreibungen auf Programmlizenzen. Denn der Konzern hat sich beim Programmeinkauf in den USA erneut verkalkuliert: Weil US-Serien nicht den Geschmack deutscher Zuschauer trafen und sich deshalb die Werbeblöcke nicht wie erhofft verkaufen ließen, will ProSiebenSat.1 nun mit den US-Studios nachverhandeln. Sollte das scheitern, müsste die Senderkette nach eigenen Angaben im laufenden Jahr bis zu 400 Millionen Euro auf das Material abschreiben. Ähnliche Fehlkäufe hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben.

Mehr deutschsprachige Angebote und Eigenproduktionen

Conze will die Abhängigkeit vom US-Material nun verringern. Seine Agenda: mehr in deutschsprachige Filme und Serien investieren, die zum großen Teil selbst produziert werden sollen. Außerdem soll die Technologie für maßgeschneiderte Werbung in den Digitalangeboten ausgebaut und das Wachstum der Internetsparte mit Portalen wie Verivox und Parship Elite vorangetrieben werden.

Seine Dividendenpolitik will ProSiebenSat.1 an die der Online-Rivalen anpassen, die ihre Anleger mit Wachstumsgeschäften und steigenden Kursen statt mit Dividenden locken. Bisher hatte ProSiebenSat.1 das im hochprofitablen, aber nicht mehr wachsenden Sendergeschäft erwirtschaftete Geld mit dem Füllhorn an die Anleger ausgeschüttet. Diese werden nun von Conze und seinem Finanzchef Jan Kemper auf Entzug gesetzt. Künftig will der Konzern nur noch 50 Prozent statt bisher 80 bis 90 Prozent des Gewinns auszahlen. Zugleich soll ein Rückkaufprogramm von bis zu 250 Millionen Euro die Zahl der dividendenberechtigten Aktien verringern.

Der Großanleger Union Investment begrüßte den Schritt. ProSiebenSat.1 habe keine andere Wahl, als kräftig zu investieren und dafür in den sauren Apfel zu beißen, sagte Fondsmanager Nedialko Nedialkov. "Wenn man aus dem Konzern jetzt eine Cash-Maschine machen würde, gäbe es ihn in zehn Jahren vielleicht nicht mehr." Auch Nedialkov bemängelte, dass der Vorstand seiner Umsatzprognose nach wiederholter Bekräftigung nun kurz vor Jahresschluss doch von leichtem Wachstum auf leichtes Schrumpfen korrigierte. Zugleich irritiere ihn, dass der Vorstand trotz der geplanten Investitionen an seinen Renditezielen festhalte: "Was angekündigt wurde, ist nicht konsequent genug."

Dass das Geschäft im abgelaufenen dritten Quartal glanzlos verlaufen würde, war von Branchenexperten bereits vorhergesagt worden. Die Erlöse stagnierten erwartungsgemäß bei 892 Millionen Euro, der Betriebsgewinn sank um 13 Prozent auf 175 Millionen Euro.

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