Produktionsprobleme: Elon Musk baut bei Tesla um

Tesla-Chef Elon Musk und sein Problemkind Model 3

Tesla-Chef Elon Musk und sein Problemkind Model 3

Nach anhaltenden Problemen bei der Produktion des Tesla Model 3 zieht Tesla-Chef Elon Musk die Konsequenzen und baut bei dem Unternehmen um. Auch am Kurs der Tesla-Aktie haben sich die Schwierigkeiten bei dem Elektroauto-Pionier bemerkbar gemacht.

Elektroauto-Pionier Tesla hadert weiterhin damit, die Produktion des mehrere hunderttausend Mal vorbestellten "Model 3" in Schwung zu bringen. Immer wieder gibt es andere Probleme. Aktuell liegt es dem Unternehmen zufolge an der Batterie. Im April liefen zeitweise nur 2.000 statt der angepeilten 5.000 Autos wöchentlich vom Band.

Langfristig soll die Produktion des Model 3, der mit einem Startpreis von 35.000 Dollar (rund 28.000 Euro) erschwinglicher ist als die bisherigen Tesla-Modelle, auf 10.000 Stück pro Woche erhöht werden. Die rund 400.000 Kunden, die auf einen Model 3 warten, haben jeweils Anzahlungen von 1.000 Dollar bzw. 1.000 Euro geleistet. Auch aus Österreich gibt es zahlreiche Vorbestellungen, bislang wurde allerdings noch kein Model 3 nach Österreich geliefert.

Nun hat Tesla-Chef Elon Musk eine tiefgreifende Umstrukturierung angekündigt. Etliche Maßnahmen sollen gesetzt werden, um die Produktion anzukurbeln. In einem Schreiben an die Belegschaft heißt es: "Wir verflachen die Managementstrukturen, legen Funktionen zusammen, wo es sinnvoll ist, und reduzieren Aktivitäten, die nicht lebenswichtig für den Erfolg unserer Mission sind." Zudem werde Tesla weiter "rasch" Leute für die Produktion einstellen.

Bei der Präsentation der Quartalszahlen Anfang des Mai hatte Musk die Umstrukturierung bereits angekündigt. Er hatte dabei auch die zu große Zahl von Subunternehmern erwähnt und sie als "Napfschnecken" kritisiert, die es abzuschütteln gelte.

Produktionspause als Anlauf

Musk erneuerte in seinem Schreiben das Versprechen, dass die Produktion bis Ende Juni wieder rund laufen werde. Analyst Trip Chowdry von Global Equities Research schrieb, Tesla sei bereits dabei, die Produktion des Model 3 zu beschleunigen. "Das hat eine Menge damit zu tun, dass Elon Musk sich kümmert und seit fast zwei Wochen auf dem Fabrikboden schläft."

Damit die Umstrukturierung auch durchgeführt werden kann wird jedoch Firmenkreisen zufolge die Produktion des Model 3 im Werk in Freemont, Kalifornien, zunächst einmal für sechs Tage ausgesetzt. Vom 26. bis zum 31. Mai sollen Verbesserungen an den Anlagen vorgenommen werden. Tesla hatte bereits angekündigt, die Produktion für insgesamt zehn Tage ruhen zu lassen. Zusammen mit den Pusen im Februar und April würden die sechs Tage Ende Mai genau diese Zeitspanne ergeben.

Kritik an Medienberichten

Musk beklagt außerdem die Medienberichterstattung, in denen Unfälle mit Tesla-Autos hochgespielt werden. Konkret bezog er sich auf die Berichte über einen jüngsten Unfall in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah, bei dem sich die Fahrerin eines Models S den Knöchel gebrochen hatte. Es sei "super-verkorkst", wenn solch ein Unfall auf den Titelseiten lande, hingegen über die Zahl von 40.000 Verkehrstoten in den USA im vergangenen Jahr kaum berichtet werde, twitterte Musk (Twitter: @elonmusk).

Das Erstaunliche an dem Unfall sei doch gewesen, dass die Fahrerin mit einem Knöchelbruch davon gekommen sei, obwohl sie mit der Geschwindigkeit von rund hundert Stundenkilometern einen Feuerwehrwagen gerammt habe: "Ein Aufprall mit dieser Geschwindigkeit führt normalerweise zu schweren Verletzungen oder dem Tod", merkte der Tesla-Chef an.

Die entscheidende Frage bei dem Unfall ist allerdings, ob die Fahrerin tatsächlich das Tesla-Fahrassistenzsystem - den "Autopilot-Modus"- aktiviert und auf ihr Handy geschaut hatte, als der Unfall geschah, wie US-Medien berichten. Tesla betont immer wieder, dass der in den Fahrzeugen verfügbare Autopilot noch kein selbststeuerndes Fahrsystem ist und der Fahrer auch nach Einschalten des Systems aufmerksam bleiben muss.

Tesla an der Börse

An der Börse macht Tesla (ISIN US88160R1014) ebenfalls eine nicht ganz so leichte Phase durch. Seit einem Rekordhoch im September 2017 bei knapp 390 Dollar ist Tesla die Luft ein wenig ausgegangen. Die Aktie hat seither mehr als ein Viertel an Wert verloren und notiert aktuell bei 284 Dollar. Seit Jahresbeginn liegt das Minus bei rund zehn Prozent.

Tesla Inc. ISIN US88160R1014; für aktuelle Kursinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Tesla Inc. ISIN US88160R1014; für aktuelle Kursinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Die anhaltend schlechten Nachrichten haben Anleger verstimmt. Auch der angekündigte Konzernumbau hat das Papier belastet. Weiter verschärft wurde die Talfahrt durch Kommentare von Adam Jonas von der US-Bank Morgan Stanley, der seine Schätzungen und das Kursziel aufgrund der Margenperspektiven von 376 auf 291 Dollar reduzierte.

Laut Jonas bringt die Restrukturierung zwar langfristig Chancen, erhöht vorerst aber die Kosten und damit auch die Risiken. Als belastend wird außerdem gesehen, dass Tesla wieder zwei Top-Leute verloren hat: Produktionschef Doug Fields nimmt eine Auszeit und mit Matthew Schwall ist ein weiterer Manager zu der Waymo - dem Google-Spin-off für autonom fahrende Autos - gewechselt.

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