Prinzhorn wird Ökostrom-Anbieter

Der Papierindustrielle Cord Prinzhorn will den Ökostrommarkt in Österreich aufmischen. Er steigt mit MeinAlpenStrom ins Energie-Business ein. Prinzhorn will binnen drei Jahren 20.000 Kunden gewinnen. Er kritisiert noch immer das "offene Kartell" am Strommarkt - trotz Liberalisierung.

Prinzhorn wird Ökostrom-Anbieter

Cord Prinzhorn setzt auch auf Ökostrom. Und kritisiert die Zustände am heimischen Strommarkt.

In den Ökostrom-Markt in Österreich kommt Bewegung. Ab kommender Woche wird die MeinAlpenStrom GmbH als neuer Ökostrom-Anbieter aktiv. Das Unternehmen gehört zum Verpackungskonzern Prinzhorn. Eigentümer und Geschäftsführer ist Cord Prinzhorn, der gleichzeitig Chef der Prinzhorn-Holding ist. Zweiter Geschäftsführer ist Philipp Rehulka. Prinzhorn will bis in drei Jahren rund 20.000 Neukunden gewinnen.

Starten will das Unternehmen mit einem Tarif von 5,5 Cent pro Kilowattstunde (Arbeitspreis). Das Unternehmen verspricht seinen Neukunden bereits einen "Treuerabatt" von einem Cent im ersten Vertragsjahr. Der ausgelobte Preis wird auf ein Jahr garantiert. Der Kunde wird nicht zu einer Mindestvertragsdauer verpflichtet und kann jederzeit den Vertrag kündigen. Das Unternehmen lockt außerdem damit, keine Grundgebühr zu verlangen.

Bei "MeinAlpenStrom" könne sich laut Prinzhorn ein durchschnittlicher Haushalt rund 150 bis 200 Euro im Jahr ersparen.

Eigene Kraftwerke

Der Strom wird in den zwei eigenen Kraftwerken in Nicklasdorf und Frohnleiten in der Steiermark produziert. Das Kraftwerk in Niklasdorf gibt es schon seit 1895, es versorgt hauptsächlich die nahegelegenen Industriebetriebe mit Strom. Vor ein paar Jahren hat die Prinzhorn-Gruppe das Kraftwerk übernommen und 2012 revitalisiert. Eine alte Wehranlage wurde in eine neue Staustufe umgebaut. Das runderneuerte Kraftwerk bringt es auf eine Leistung von fünf Megawatt und eine Produktionskapazität von 20 Gigawattstunden.

Das zweite Kraftwerk in Frohnleiten (Leistung 9,9 MW, Produktionskapazität 50 GWh) wurde ebenfalls in den vergangenen zwei Jahren völlig umgebaut, es stammt aus dem Jahr 1925 und war mit dem Standort der ehemaligen Papierfabrik Frohnleiten verbunden.

Für die Renovierung der Kraftwerke hat das steirische Neo-Unternehmen einen Investitionszuschuss bekommen. Eine Förderung des Tarifs spiele bei "MeinAlpenStrom" nur eine geringe Rolle, so Co-Geschäftsführer Philipp Rehulka. Wieviel Geld man in die Hand genommen hat, sagte Prinzhorn nicht. Nur so viel: "Wenn ein Landesversorger 1,20 Euro pro Megawatt investiert, investieren wir 80 bis 90 Cent."

"Offenes Kartell"

Kritik äußert Prinzhorns am heimischen Strommarkt, bei dem man trotz Liberlaisierung noch immer nicht von einem echten Wettbewerb sprechen kann. Österreichs E-Wirtschaft sei trotz Liberalisierung und Unbundling (Trennung von Netzbetreibern und Lieferanten) noch immer stark miteinander verflochten. Prinzhorn bezeichnet dies als ein "offenes Kartell" mit "abgestimmten Angeboten im Osten Österreichs". Von den 20 größten Anbietern seien nur drei (nunmehr vier) wirklich in privater Hand. Alle anderen seien mit Bund, Landesversorgern, Gemeinden oder Stadtwerken verstrickt.

Prinzhorn sieht die Wechselaktionen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) skeptisch. Bei einer Neuauflage der Aktion "werden wir uns das sicher anschauen", jedoch seien die bisherigen VKI-Aktionen "nicht alle von Vorteil für die Kunden gewesen". Seine Firma wolle sich jedenfalls in einem Bieterprozess "nicht verwässern lassen".

Im Jahr 2015 haben 17.600 Haushalte über das vom VKI initierte Wechselangebot ihren Strom- und Gasanbieter gewechselt, ein Jahr davor waren es sogar 98.000 Haushalte, die den Anbieter mit VKI-Unterstützung gewechselt haben. Die Konsumentenschützer haben dabei jeweils mit bestimmten Strom- und Gaslieferanten zusammengearbeitet, die ein gutes - nicht notwendigerweise das günstigste - Angebot gemacht haben.

Cord Prinzhorn ist Sohn von Ex-FPÖ-Politiker Thomas Prinzhorn. Der 42-Jährige hat die Geschäftsführung der Prinzhorn-Holding im Juni 2013 übernommen.

Laut Wirtschafts-Magazin "trend" zählt die Familie Prinzhorn zu den "100 reichsten Österreichern". Das Vermögen wird auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt.

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